Literatur: Tim Schanetzky: „Regierungsunternehmer Henry J. Kaiser, Friedrich Flick

und die Staatskonjunkturen in den USA und Deutschland“
Reihe: Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts (hg. von Norbert Frei); Bd. 20
420 S., geb., Schutzumschlag, 14,0 x 22,2, ISBN: 978-3-8353-1767-3 (2015)


„Über Opportunismus, Mittäterschaft und moralische Grenzüberschreitungen von Unternehmern im Dritten Reich wird seit Jahrzehnten gestritten: Welches Verhalten findet sich in jeder kapitalistischen Wirtschaft? Was muss als typisch für den Nationalsozialismus gelten? Tim Schanetzky untersucht unternehmerisches Handeln in Demokratie und Diktatur. Er blickt auf die Karrieren zweier Großindustrieller, deren Aufstieg ohne die Staatskonjunkturen unter Hitler und Roosevelt undenkbar gewesen wäre. Henry J. Kaiser war an Bauprojekten wie dem Hoover-Damm beteiligt, stieg zum Werft- und Stahlmagnaten auf und wurde um 1944 als möglicher Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika gehandelt. Ebenso expansiv war Friedrich Flick, dem das Dritte Reich zur Umsetzung seiner Idealvorstellung vom dynastischen Unternehmertum verhalf. Ihr Erfolg zwang beide nach 1945 auf Jahrzehnte hinaus zur Selbstrechtfertigung. Die Vergleichsstudie stellt das Verhalten der Regierungsunternehmer in ihren zeitgenössischen Kontext und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Geschichte Deutschlands und der USA im 20. Jahrhundert.“
Die Einleitung, die als Leseprobe – LeseprobeSchantzky – von Verlagseite angeboten wird, geht übrigens auf die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Friedrich Flick ein.
Quelle: Verlagswerbung

Vortrag: „Wie die Reformation in das Siegerland kam“

20. April 2017, 18:30 in Siegen, KrönchenCenter, Markt 25

Wilhelm „der Reiche“ Graf zu Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Diez (1487-1559). Vorlage: Stadtarchiv Siegen

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ wird der aus Wilgersdorf stammende Pfarrer Dr. Tim Elkar von der evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück nachzeichnen, wie die Reformation ins Siegerland kam. Der Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017 wird zunächst die historische Ausgangslage im Siegerland vor Einführung der Reformation erläutern und in einer vergleichenden Betrachtung darlegen, wie die kirchliche Erneuerungsbewegung in anderen Landesteilen in Westfalen abgelaufen ist. Wie der Referent ausführen wird, ist die Reformation immer prozesshaft gewesen und niemals ein rein punktuelles, singuläres Ereignis – so auch im Amt Siegen. Hier zeichnete Landesherr Wilhelm „der Reiche“ Graf zu Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Diez (1487-1559) als zentrale Figur für die Einführung der lutherischen Reformation verantwortlich. Auch im Siegerland war die Reformation ein religiöser Prozess aus vielen Einzelereignissen und Protagonisten. Unter Johann VI. Graf zu Nassau (1536-1606) wandte sich das Siegerland dann dem Reformiertentum zu. Pfarrer Elkar wird die Reformation jedoch nicht nur aus dem Blickwinkel der Landesherrschaft betrachten, sondern auch ihre Bedeutung für die Volksfrömmigkeit hinterfragen. Wie lässt sich die Reformation im alltäglichen Leben der Menschen nachweisen? Abschließend wird sich Pfarrer Elkar der Frage zuwenden, was nach 500 Jahren Reformation geblieben ist, und bei Bedarf gerne für eine Diskussionsrunde zur Verfügung stehen. Weiterlesen

Literaturhinweis: Briefe von Sabine Diesterweg und ihrer Familie

„Diese Briefe spiegeln eine deutsche Familie Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihr Mittelpunkt ist Sabine Diesterweg, Ehefrau des namhaften Pädagogen Adolph Diesterweg und Mutter von zehn Kindern.

Eine vielbeschäftigte Hausfrau und Mutter von zehn Kindern steht im Mittelpunkt: Sabine Diesterweg. Briefe aus mehr als 20 Jahren bringen uns eine bürgerliche deutsche Familie in der Mitte des 19. Jahrhunderts nahe. Selbstauskünfte einer Frau in der patriarchalisch dominierten Gesellschaft dieser Zeit sind nur selten publiziert. Die meisten Briefe richtet Sabine an die mit dem Arzt Heinrich Köhler verheiratete Tochter Julie in Offenbach. Auch andere Kinder wie der spätere Schulbuchverleger Moritz Diesterweg gehören zu den Adressaten oder kommen mit Briefen selbst zu Wort. Adolph Diesterweg, einen der bekanntesten Pädagogen seiner Zeit, lernen wir aus der Sicht seiner Ehefrau kennen. Die vorzeitige Pensionierung des liberalen Schulpolitikers greift tief in das Familienleben ein. Es wird auch von politischen Ereignissen berührt, so von der aufgewühlten Stimmung in Berlin nach dem Mordanschlag auf das Königspaar 1844 und während der Barrikadenkämpfe vier Jahre später. Ein friedliches Gegenstück bilden Urlaubsbegegnungen mit dem »Kindergartenvater« Friedrich Fröbel in der kleinen Welt des Herzogtums Sachsen-Meiningen.“

Klaus Goebel (Hg.): Dieß schreibt Dir aus liebendem Herzen. Briefe von Sabine Diesterweg und ihrer Familie
355 S., 31, z.T. farb., Abb., Leinen mit Schutzumschlag, 12,5 x 21,0
ISBN: 978-3-8353-1928-8 (2016)

Quelle: Verlagswerbung

Ausstellung „200 Jahre Todestag von Johann Heinrich Jung-Stilling (1740 bis 1817)“

Die Schau im Hilchenbacher Stadtmuseum in der Wilhelmsburg würdigt eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Hilchenbachs aus Anlass des 200. Todestages am 2. April 2017:

Portraitgemälde von Jung-Stilling

Johann Heinrich Jung-Stilling wurde am 12. September 1740 als Sohn des Johann Helmann Jung (1716 bis 1802) und der Johanna Dorothea Katharina Fischer (1717 bis 1742) im Dorf Grund im damaligen Fürstentum Nassau-Siegen geboren. Jung Stilling war Schneider, Lehrer, Augenarzt, Professor für Staatswissenschaften und seit 1803 Berater sowie 1808 Geheimer Hofrat des badischen Großherzogs. Während seines Medizinstudiums in Straßburg war er mit Johann Wolfgang von Goethe befreundet und erlangte selbst literarischen Ruhm als pietistischer Schriftsteller.
Am 2. April 1817 verstarb er elf Tage nach seiner dritten Gattin Elisabeth Coing (1760-1817) in Karlsruhe, wo beide an der Apsiswand der evangelischen Friedhofs-Kapelle begraben wurden. Die beiden Grabsteine und das Grabkreuz befinden sich heute im Stadtmuseum Hilchenbach in der Wilhelmsburg. Weiterlesen

Ausstellung „200 Jahre Kreise Siegen und Wittgenstein – eine Ausstellung in Wort und Bild“

Sparkasse Wittgenstein Bad Berleburg, Poststr. 15, 31.03.2017 bis 28.04.2017

Bereits zum 175jährigen Bestehen der Kreise Siegen und Wittgenstein hat die Kreisverwaltung eine Ausstellung konzipiert, die damals im Foyer des Kreishauses in Siegen gezeigt wurde. Sie wurde überwiegend von Winfried Hofmann (Leiter Kreisvolkshochschule) und Bruno Jung (ehemaliger Mitarbeiter Kreisverwaltung) konzipiert. Auf 40 Schautafeln wurden in Schlaglichtern die wichtigsten Ereignise der Geschichte der beiden Kreise Siegen und Wittgenstein sowie des Kreises Siegen-Wittgenstein ab 1975 – in Zehn-Jahres-Schritten – veranschaulicht. Nach dem Jubiläum wurde die Ausstellung sorgfältig verpackt und gelangte im Rahmen der Kreishaussanierung (2007) in das Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein, das die Ausstellung nun zum 200jährigen Kreisjubiläum um Tafeln für die beiden vergangenen Jahrzehnte ergänzt hat.

Ausstellung: „genius loci – 2 Siegener im Zarenland“

Der Kunstverein Gummersbach präsentiert ab dem 26. März 2017 – 10.6.2017:
Thomas Kellner: genius loci – Zwei Siegener im Zarenland

Die Ausstellungseröffnung findet am: Sonntag, den 26. März 2017, um 11.30 Uhr in der Theatergalerie Gummersbach
Moltkestraße 50 / Reininghauser Straße, statt.

Thomas Kellner (geb. 1966) zeigt in der Ausstellung genius loci, in einem Rückblick auf die seit einigen Jahren tourende Ausstellung Skizzen, Entwürfe und Collagen, die im Zuge des Projektes zwischen Siegen und Jekaterinburg entstanden sind.

„Genau wie sein Landsmann und Vorgänger im Ural, Georg Wilhelm Henning, rekonstruiert Kellner die altgewohnte Umwelt, damit diese sowohl heute als auch in der Zukunft immer in Bewegung bleibt und stets neue Sichtweisen liefert.“ (Irina Chmyrewa)

In diesem Projekt setzte Thomas Kellner sich auf eine künstlerisch-fotografische Weise mit zwei wichtigen Wirtschaftsräumen in Deutschland und Russland auseinander, die eine gemeinsame Geschichte der Industriekultur verbindet. Die Rede ist von seiner Heimatstadt Siegen und zwei der größten Städte Russlands, Jekaterinburg und Perm.
Was bisher kaum jemand wusste: Jekaterinburg und Perm sind von dem gebürtigen Siegener Georg Wilhelm Henning gegründet worden. Georg Wilhelm de Gennin (russisch: Георг Вильгельм де Геннин), wie er in Russland genannt wird, 11. Oktober 1676 – 12. April 1750, war ein in Deutschland geborener Offizier und Feuerwerker, der aufgrund seiner beachtlichen Kenntnisse in der Metallurgie von Peter dem Großen nach Russland eingeladen wurde. In den 1720er Jahren gründete Henning Russlands erste Fachschulen für Bergwesen, reiste durch Europa, um Spezialisten im Bereich Bergbau zu werben und nach Russland zu holen und baute neue Fabriken im Ural, die sich in kürzester Zeit zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Bildungszentrum entwickelten: Jekaterinburg und Perm. Weiterlesen

„Rechenkünstler & Meistermaler“

Jetzt abstimmen: Wer ist der „Größte“ Siegen-Wittgensteiner? Und kommentieren: wer fehlt?

Wilhelm Münker stammt aus Hilchenbach und war einer der Mitbegründer des Deutschen Jugendherbergswerks. Franz von Lipperheide wurde in Bad Berleburg geboren und hat als Verleger von Modejournalen in Berlin für Aufmerksamkeit gesorgt. Alma Siedhoff-Buscher kam aus Kreuztal und wurde als Bauhaus-Designerin bekannt.

Münker, von Lipperheide und Siedhoff-Buscher sind nur drei Beispiele von Persönlichkeiten, die aus Siegen-Wittgenstein stammen bzw. hier gewirkt haben und in ihrer Zeit und vielfach auch darüber hinaus Spuren hinterlassen haben. Im Rahmen des Jubiläums „200 Jahre Kreise Siegen und Wittgenstein“ hat Kreisarchivar Thomas Wolf 20 bedeutende Frauen und Männer aus der Region ausgewählt, die bei der Wahl des „Größten“ Siegen-Wittgensteiners ins Rampenlicht gerückt werden. „Denn bedeutende Persönlichkeiten sind immer auch ganz wichtig für die Identität einer Region“, unterstreicht Wolf. Weiterlesen

Literaturhinweis zur Annahme fester Familiennamen der Juden in Westfalen (1846/47)

Die 2013 von Eleonora Duplica herausgegebene Sammlung der in den preußischen Amtsblättern veröffentlichten „amtlichen“ jüdischen Familiennamen wurde wegen der bisweilen schwierig zu lesenden Vorlage um eine vollständige Abschrift und ein umfassendes Namensregister ergänzt. Die Nutzung der Quelle über Internet-Suchmaschinen wurde damit deutlich vereinfacht. Bibliographische Angaben:

Eleonora DUPLICA (Hrsg.): Die Annahme fester Familiennamen der Juden in Westfalen. Die 1846/47 publizierten Verzeichnisse der preußischen Amtsblätter. Zweite erweiterte Fassung, 159 Seiten, Online-Publikation Münster 2017 (Materialien der Historischen Kommission für Westfalen, Band 5). Kostenloser Download unter: http://www.lwl.org/hiko-download/HiKo-Materialien_005_(2017).pdf (6,54 MB)

Quzelle: Historische Kommission für Westfalen, Newsletter v. 9.3.2017

„Wie die Reformation in das Siegerland kam“

Rückblick auf einen Vortrag

Das Siegerland gilt als evangelisch geprägter Landstrich. Aber natürlich war das nicht immer so – die vor 500 Jahren ganz neuen Ideen der Reformatoren mussten zunächst ihren Weg in die Region finden. Wie es dazu kam, darüber hielt Pfarrer Dr. Tim Elkar jetzt einen fachlich anspruchsvollen Vortrag im Gemeindehaus Oberfischbach. Elkar ist Pfarrer in Erndtebrück und hat seinen Doktor unter anderem in Kirchengeschichte gemacht.

Pfarrer Dr. Tim Elkar aus Erndtebrück erklärte in seinem anspruchsvollen und informativen Vortrag, wie die Reformation im Siegerland Fuß fasste. Foto: Stefanie Bald

Anfänge unter Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg
Der Herrscher, der die Reformation ins Siegerland brachte, war Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg. Denn ob, wann und wie sich ein Landstrich der Reformation anschloss, entschied allein der dortige Machthaber – längst nicht immer aus rein religiöser Motivation. „Die Geschichte der Reformation hat viel mit Macht und Politik zu tun“, stellte Elkar klar. Nach der Meinung der Gläubigen wurde nicht gefragt.
Trotz der alleinigen Entscheidungsgewalt des Grafen wurde die Reformation keine Hau-ruck-Aktion, sondern ein langer Prozess. Reste der althergebrachten Volksfrömmigkeit hielten sich zunächst und nicht zuletzt fehlten anfangs schlicht einige nötige Strukturgeber, z.B. Pfarrer, Gesangbücher und der für das Siegerland so prägende Heidelberger Katechismus, der erst ab 1581 verbreitet wurde.
Auch Graf Wilhelm selbst trieb die Reformation nicht konsequent voran. Zwar verbot er schon 1518 (nur ein Jahr nach Luthers Thesenanschlag) den Ablasshandel in seinem Herrschaftsbereich. Andererseits stiftete er noch 1528 einen neuen Altar für die Siegener Martinikirche und erwog eine Heirat mit einer katholischen Frau. Schließlich aber heiratete er Juliana von Stolberg, die aus einem lutherisch geprägten Gebiet stammte. Diese Hochzeit beschleunigte die lutherisch geprägte Reformation des Siegerlandes. 1537 entsteht die Nassauer Kirchenordnung und das neue Amt des Superintendenten soll künftig die Schnittstelle zwischen weltlicher und kirchlicher Macht bilden. Weiterlesen