Vortrag und Rundgang in Kreuztal: Stolpersteine: Die Familien Moses, Meier und Rosenhelm 1797 bis 1943

Mi. 27.10.2021, 17:30 Uhr – 20:00 Uhr
In Kooperation mit dem Heimatverein Littfeld-Burgholdinghausen e.V. : Mit Benjamin Moses und seiner Frau ließ sich 1797 in Burgholdinghausen die erste jüdische Familie im Siegerland nieder. Als deren Nachfahren lebten über vier Generationen rund einhundert Angehörige der Familien Meier und Rosenhelm in Littfeld und in Krombach – mehr oder weniger akzeptiert und respektiert von der christlichen Mehrheitsbevölkerung bis zur Entrechtung, Vertreibung und Deportation im Nationalsozialismus. Anhand einer Vielzahl von schriftlichen und bildlichen Quellen zeichnet der Vortrag das Erwerbs-, Alltags- und kulturelle Leben der Familien Meier und Rosenhelm während vier aufeinanderfolgender politischer Systeme im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach.
Für diejenigen, die es zeitlich einrichten können: Weiterlesen

Online: Heimatspiegel von (Burbach-)Holzhausen September 2021

Die Online-Ausgabe enthält zwei historische Beiträge:
1) Ulrich Krumm: 100 Jahre Denkmal Holzhausen, S. 2 – 6
2) E. Scherer: Ein Bericht über die Schulverhältnisse in Holzhausen aus den Jahren 1922 bis von dem damaligen Schulleiter, S. 7 – 8

„Peer Guides“ gesucht: Jugendliche begleiten Jugendliche durch Anne-Frank-Ausstellung

Infoabend am 5. Oktober in der Bluebox, Siegen

„Das Tagebuch der Anne Frank“ berührt bis heute Millionen Leserinnen und Leser. Im März nächsten Jahres ist zum zweiten Mal die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ im Kundenzentrum der Sparkasse Siegen (Morleystraße) zu sehen. Insbesondere Schulklassen sind dann eingeladen, sich mit dem Leben des jüdischen Mädchens zu beschäftigen. Anne Frank war mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten aus Frankfurt geflohen, musste sich in einem Hinterhaus in Amsterdam verstecken, wurde verraten, entdeckt und starb schließlich im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Austausch auf Augenhöhe

Eine besonderes Element des Ausstellungskonzeptes „Deine Anne“ sind so genannte „Peer Guides“ – also Jugendliche im ungefähren Alter der Ausstellungsbesucherinnen und -besucher, die die Schülerinnen und Schüler bei ihrem Rundgang begleiten. Sie stehen für Rückfragen zur Verfügung, können Impulse geben und Gespräche leiten. Durch den geringen Altersunterschied entsteht ein offener Austausch auf Augenhöhe, bei dem es um Erfahrungen aus der Geschichte, aber auch um aktuelle Fragen wie Diskriminierung oder Rechtsextremismus gehen kann.

Das Organisationsteam rund um das Regionale Bildungsnetzwerk sucht jetzt 30 junge Leute, die Lust haben, solch ein „Peer Guide“ zu werden. Am 5. Oktober findet eine Infoveranstaltung für Interessierte statt. Weiterlesen

Festkonzert: 200 Jahre Friedrich Kiel

Ábo Klavierquartett Max Philip Klüser – Klavier Henry Flory – Violine Cristina Alvarado – Viola Ülker Tümer – Violoncello
Fr. 08.10.2021, 19.30 Uhr, Bürgerhaus am Markt Bad Berleburg, Marktplatz 1a

Wittgensteiner Kreisblatt, 30. September 1885

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Erndtebrück: Kriegsgräbereinsatz auf größtem deutschen Soldatenfriedhof

Soldaten des Einsatzführungsbereiches 2 und Reservisten der Kreisgruppe Südwestfalen des Verbandes der Reservisten führten kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Pflegeeinsatz auf dem deutschen Soldatenfriedhof Lommel in Nordbelgien durch.

Umfangreicher Arbeitsauftrag

Auch 93 Baumwurzeln mussten im Laufe des Arbeitseinsatzes weichen. © Luftwaffe/Erhard Lauber

Unweit der belgisch-niederländischen Grenze in der Provinz Limburg liegt der größte deutsche Soldatenfriedhof des 2. Weltkrieges in Belgien. Hier ruhen 39.094 Gefallene. Nach einem Jahr Zwangspause aktivierte Stabsfeldwebel Erhard Lauber, neben seinem aktiven Dienst in Erndtebrück auch Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für das Wittgensteiner Land, wieder einmal freiwillige Helfer für einen Pflegeeinsatz dieser Kriegsgräberstätte. Zu den Aufgaben der vier aktiven Soldaten und vier Reservisten gehörten vielfältige Pflegearbeiten auf dem Friedhof. So wurde der circa 1250 m lange Erdwall um den Friedhof gemäht und zahlreiche Grabkreuze und Bäume freigeschnitten. Die circa 350 m lange und bewachsene Friedhofsmauer wurde vom Unkraut befreit und von 93 gefällten Bäumen die Baumstümpfe entfernt und entsorgt. Untergebracht waren die fleißigen Helfer direkt auf dem Friedhofsgelände in der internationalen Jugendbegegnungsstätte Lommel. Zum Gedenken legten die Soldaten zum Abschluss ihres Einsatzes einen Kranz für die dort bestatteten Kriegstoten nieder und gedachten auch ihrer gefallenen Bundeswehrkameraden. Weiterlesen

Gegen Hass, Ausgrenzung, Schubladen-Denken

Vorm Wehrmachts-Schreibtisch ihres Vaters blickte die Laaspher Künstlerin Renate Hahn für eine bessere Zukunft zurück

Vor und nach dem Vortrag hatten die Besucherinnen und Besucher im Laaspher Haus des Gastes die Möglichkeit, sich den alten Wehrmachts-Schreibtisch und -Stuhl genauer anzusehen. (Foto: Ev. Kirchenkreis Wittgenstein)

Das Wort „Schreibtischtäter“ kennt man – einen mutmaßlichen Täter-Schreibtisch sieht man indes eher selten. Am späten Donnerstagnachmittag stand jetzt einer im Laaspher Haus des Gastes. Aus dem Besitz von Renate Hahn, Künstlerin aus Bad Laasphe. Als ihr Vater sie fragte, an welchen Möbelstücken aus seinem Eigentum sie Interesse habe, hatte sie den Tisch mit dem dazu passenden Stuhl genannt. So war das Mobiliar bei ihr gelandet. Die Wehrmachts-Stempel unter der Schreibtischplatte und unterm Sitzkissen des Stuhls hatte sie erst sehr viel später gefunden. Ihr erster Reflex sei es da gewesen, beide Möbelstücke sofort zu entsorgen. Stattdessen hatte sie zunächst einmal „Nie wieder“ danebengeschrieben. Offen und ohne Scheu erzählte die 75-Jährige jetzt in ihrem Vortrag vor rund 30 Besucherinnen und Besuchern, darunter die stellvertretende Bürgermeisterin Margot Leukel, im Großen Saal davon und gab dabei einen Einblick in die eigene Familiengeschichte, mit einem besonderen Augenmerk auf die Nazi-Jahre.

„Ich bin ein Täter-Enkel“, sagte Renate Hahn unverblümt. In Bezug auf ihren Großvater war die Sache eindeutig. Er war in den Hitler-Jahren Bürgermeister von Rathenow geworden, in seiner Amtszeit wurden von dort über 100 Juden deportiert. Die Künstlerin hatte keine guten Erinnerungen an jenen Mann, der „unerbittlich bis zum Tod“ gewesen sei. Für ihn hatte sie in ihrem dreiviertelstündigen Vortrag nur wenige Sätze. Komplizierter stellte sich die Situation bei ihrem eigenen Vater dar. Dieser hatte seine Verwaltungsrecht-Doktorarbeit bei dem berüchtigten Nazi-Juristen Paul Ritterbusch geschrieben und war ihm an die Hochschule nach Kiel in eine leitende Funktion gefolgt. Die Uni sei in ihrer Juristischen Fakultät eine Kaderschmiede der Nazis gewesen, so Renate Hahn. Anschaulich sprach sie darüber, wie kompliziert es gewesen sei, an die Dissertation ihres Vaters zu kommen, die eigentlich unzugänglich „im Giftschrank in Hamburg“ lag, und wieviel länger es dann noch gedauert habe, bis sie in der Lage gewesen sei, die Doktorarbeit zu lesen. Der Vater war im Zweiten Weltkrieg als Offizier in Finnland, sei nicht in der Partei gewesen. Nach der Niederlage von Nazi-Deutschland sei er offiziell entlastet worden, konnte wieder als Jurist arbeiten. Wie stark seine Verstrickungen letztendlich gewesen sind, das konnte Renate Hahn nicht sagen: Man habe in ihrer Familie über alles sprechen können, Literatur, Philosophie und Politik, nur über den Nationalsozialismus nicht. Weiterlesen

Bad Berleburg: SPD-Fraktion beantragt „Adele-Krebs-Weg“ im Baugebiet Sengelsberg

„Die SPD-Fraktion Bad Berleburg beantragt, eine Anwohnerstraße im zweiten Bauabschnitt des Baugebietes Sengelsberg nach unserer ehemaligen Berleburger Mitbürgerin Adele Krebs zu benennen, stellvertretend für alle Berleburger Bürgerinnen und Bürger, deren Lebensweg und Lebensplanung durch die nationalsozialistische Hass- und Ausgrenzungsideologie zerstört wurden.

Adele Krebs, Foto: Privatbesitz

Leben und Schicksal von Adele Krebs sind leider beispielhaft dafür, was Menschen einander antun können, wenn Vorurteile, blinder Hass, rassistisches Gedankengut und Ausgrenzung in einer Gesellschaft die Oberhand gewinnen. Ihr Schicksal ist nur eines von vielen gewesen – auch in Berleburg.
Wir möchten mit dieser Namensgebung all diesen Schicksalen stellvertretend gedenken und damit im „Festjahr 2021 – 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“ ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung und Mahnung setzen.

Adele Krebs, Tochter von Levi und Johanna Krebs, kommt 1895 in Berleburg zur Welt. Sie besucht die Mittelschule und lässt sich anschließend zur Buchhalterin ausbilden. Als ledige junge Frau macht sie in der Kleinstadt Berleburg beruflich ihren Weg, wird Mitbegründerin und später sogar Geschäftsführerin eines genossenschaftlichen Einkaufsverbundes des lokalen Einzelhandels. Noch ungewöhnlich und sehr modern für die damalige Zeit, gestaltet sie als Frau ihr Leben selbstständig. Sie ist finanziell unabhängig, geht gerne auf Reisen und steht schon in jungen Jahren in einer verantwortungsvollen Position am Anfang einer kleinen Karriere. Zeitzeugen beschreiben sie als lebenslustige und willensstarke Persönlichkeit. Weiterlesen

Ausstellungshinweis: Anna Boghiguian „Manchmal trifft die Gegenwart unerwartet auf die Vergangenheit“

Museum für Gegenwartskunst, Siegen, bis zum 9.1.22

Das Museum für Gegenwartskunst Siegen präsentiert die erste monografische Museumsausstellung von Anna Boghiguian (*1946 Kairo, EG) in Deutschland. Die ägyptisch-kanadische Künstlerin armenischer Herkunft untersucht in ihren Arbeiten die Auswirkungen von historischen, ökonomischen und politischen Ereignissen. Aus einer sehr persönlichen Perspektive und tief verwurzelt in der Literatur beschäftigt sich die vielreisende Künstlerin mit Menschen, Kulturen, Orten und großen Verbindungslinien der Welt. Ihre nomadischen Erfahrungen übersetzt Boghiguian in Künstlerbücher, Zeichnungen, Malereien, Collagen und Installationen. Weiterlesen

Wittgenstein Heft 2 / 2021 erschienen

Inhalt:

Paul Riedesel: „Der Tod ist Gast im Haus”: Sterblichkeit im Altkreis Wittgenstein
Marco Hofheinz: Denk-mal! Stellungnahme zur Idee einer „Doppel-Skulptur” für Caspar Olevian und Johannes Althusius auf dem Bad Berleburger Olevianplatz.
Friedrich Opes: Das Rezeptbuch von Georg Wagner
Heinrich Imhof: 500 Jahre Berleburger „Höferlinge” Balde, Melbach und Rohrbach
Wolfram Martin: Jäger, Spinnen – Jagdspinnen
Roland Scholz: Wittgensteins Türen und Tore – (Teil I)

Rezension:
Andreas Krüger: Heimat- und Verkehrsverein Schameder e.V. (Hg.), Die wackere Gemeinde Schameder, Dorfchronik zum 700-jährigen Jubiläum, Schmallenberg 2020

Bezug über Wittgensteiner Heimatverein

Straßennamen im Fokus einer veränderten Wertediskussion

Hilfestellung des Deutschen Städtetages zur Aufstellung eines Kriterienkataloges zur Straßenbenennung. Link zur Handreichung (PDF)

Straßennamen stellen über Jahrhunderte hinweg ein „kollektives Gedächtnis“ dar. Sie sind ein Teil der Erinnerungskultur. Die Straßenbenennung spiegelt stets die aktuellen Verhältnisse, die Weltanschauung und Kultur bis hin zu den Herrschaftsverhältnissen der entsprechenden Zeit wider. Historische Personen, Orte und Ereignisse werden zu unterschiedlichen Zeiten verschieden bewertet, im Speziellen unterliegt die Straßenbenennung nach Personen einem Wandel.

Straßenbenennungen dienen in erster Linie der Orientierung und im Zusammenhang mit der Hausnummerierung der Auffindbarkeit aller Liegenschaften sowie der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Darüber hinaus stellt die Benennung nach einer Person eine hohe Form der Ehrung durch die jeweilige Stadt dar. Deshalb ist es wichtig, dass für die Auswahl der Straßennamen in jedem Fall, auch bei sachlichen Benennungen, höchste und kritische Maßstäbe angesetzt werden. Weiterlesen