Literaturhinweis: Patrick Rössler: “Bauhausmädels”

„Der Typ des Bauhausmädels. Sie weiß, was sie will und wird es auch zu etwas bringen.“
— Die Woche, 1930

Als 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar seine Pforten öffnete, bewarben sich mehr junge Frauen als Männer um die Studienplätze. Die Genderpolitik am Avantgardeinstitut war allerdings keineswegs vorbildlich: Von Gropius und den meisten der lehrenden und mitstudierenden Männer argwöhnisch beäugt, bei der Entfaltung ihrer Talente nach Kräften behindert und nach Möglichkeit in die „Frauenklasse“, die Weberei, abgedrängt, eroberten sie sich dennoch alle Fachbereiche, auch neue Medien wie die Fotografie und bislang als rein „männlich“ begriffene Domänen wie Bildhauerei, Industriedesign oder Architektur. Marianne Brandt, Grete Stern und Ellen Auerbach, Friedl Dicker, Anni Albers, Otti Berger und viele mehr schrieben mit ihren Werken Kunst- und Designgeschichte und verkörperten tatsächlich die „Neue Frau“, die in der Weimarer Republik Prototyp eines neuen Frauenbildes wurde.
Alma Siedhoff-Buscher ist eine Doppelseite gewidmet (S. 168 – 169). Weiterlesen

Mehr als nur ein Lehrer

Wer war Josef Kloth?

Josef  Kloth wurde als Sohn des Schreiners  Johann Kloth am 8. April 1890 in Aachen geboren. Im Alter von 19 Jahren machte er sein Abitur an dem Kaiser-Karls-Gymnasium  am Valentinstag im Jahre 1910. Ostern 1910 begann er sein Studium an der Universität in Münster, während seines Studiums[1] studierte er noch an den Universitäten in Aachen und in München, bevor sein Studium im Herbst 1914 an der Universität in Bonn beendete.  Im ersten Weltkrieg war Kloth dann als Gefreiter  im Infanterie-Regiment 25 im Felde Aachens tätig. Während eines Feldzuges  vom 8. Oktober 1914 bis zum 5. März 1915 wird Kloth dauernd untauglich Verwundung, so dass er im April 1916 seinen Dienst aufgeben musste, da er nicht mehr einsatzfähig war. Am 25. Mai 1916  wird ihm das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Darauf folgte dann das schwarze Verwundetenabzeichen für einmalige oder mehrere Verwundung im September 1918. In der Zwischenzeit  hatte Josef Kloth bereits seine erste Lehrerprüfung in Bonn in den Fächern Physik, Chemie und Mathematik, mit der Note genügend abgelegt, wurde  zwei  Monate später an der Oberrealschule Aachen  vereidigt und begann sein  Seminarjahr noch im selben Jahr an dem Realgymnasium in Düren am 12. September 1917. Bevor er am 26. Juli 1920 in der Siegener Zeitung als neuer Oberlehrer im Lyzeum vorgestellt wurde, war er an vielen Gymnasien im Rheinland[2] tätig. Seine erste Festanstellung im preußischen höheren Schuldienst als Studienrat findet allerdings schon zwei Monate zuvor statt.  Sechs Jahre nach seiner Festanstellung wird Kloth am 28. April 1926 auch hier vereidigt.  Josef Kloth war auch außerhalb seines Schuldienstes für die Öffentlichkeit von Belangen, so ließ  er sich als achter Kandidat für die Wahl der Stadtverordneten stellen und wurde dann vom 1. Dezember 1929 bis zum 3. März 1933 Stadtverordneter der Partei „Zentrum“. Zu dem war er als Verwaltungsmitglied der städtischen Werke und Mitglied im Jugendamt der Stadt Siegen bekannt.

Das Kolligium des Lyzeums um 1931

Jetzt stellt sich  die Frage:

Warum wird so ein engagierter Bürger von der Gestapo mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen und gemeinsam mit vier weiteren ehemaligen Zentrumsmitgliedern verhaftet?

Als Josef Kloth in der Nacht vom 23. August 1944 auf den 24 . August 1944 verhaftet  und die Gefängniszellen im Rathaus gebracht wird, weiß das keiner so genau, denn niemand  der Verhafteten hatte gegen das Gesetz verstoßen. Weiterlesen

Drei Jahrhunderte Familiengeschichte zwischen dem Odenwald und den Niederlanden

Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen erwirbt über 300 Kunstwerke für die Gräflichen Sammlungen im Schloss Erbach, darunter die Ausstattung der Hubertuskapelle und die Ahnengalerie des Grafengeschlechts von Erbach. Sie zeigt drei Jahrhunderte Familiengeschichte zwischen Odenwald und den Niederlanden, portraitiert von Meistern wie Anthonis van Dyck. Die Kulturstiftung der Länder hat die Erwerbung mit 500.000 Euro gefördert.

Oraniersaal Schloss Erbach © Schloss Erbach Foto: Michael Leukel

„Das Gesamtkonvolut des Schlosses Erbach ist Teil der Liste national wertvollen Kulturgutes. Mit dem Ankauf bleibt die umfangreiche Dokumentation regionaler Geschichte, die vor allem von der Ahnengalerie des Grafengeschlechts von Erbach verkörpert wird, in ihren originären Zusammenhängen dort erhalten, wo sie bedeutend ist für die kulturelle Identität der Region. Daher freue ich mich, dass diese Sammlung in ihrer Gesamtheit gesichert und so der Öffentlichkeit und der Forschung an authentischem Ort erhalten bleibt,“ so Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.
Weiterlesen

Kann Tersteegen uns heut’ noch was lehren?

Mit Vortrag, Exponaten und Liedern kam man in Schwarzenau dem Kirchenlieddichter näher

Knapp 50 Menschen versammelten sich am Montag in der Schwarzenauer Kirche, einen Abend lang sollte es hier um den Laienprediger, Schriftsteller, Kirchenlieddichter und reformierten Pietisten Gerhard Tersteegen gehen. Anlass dafür: dessen 250. Todestag in diesem Jahr. Dieter Kuhli, Laaspher Pfarrer und Vorsitzender des Theologischen Ausschusses im Kirchenkreis Wittgenstein, übernahm die Andacht am Anfang. Bei diesem Thema musste es natürlich eine Liedandacht sein: Das Gesangbuch-Werk „Brunn alles Heils, dich ehren wir“ hatte Dieter Kuhli dafür ausgesucht, anschaulich illustrierte der Laaspher darin seine Einschätzung: „Deshalb ist es nur folgerichtig, dass Gerhard Tersteegen zumindest in einigen seiner Lieder geradezu dichtet mit den Worten der Bibel.“ Dabei war Dieter Kuhlis Bild von Gerhard Tersteegen fest gefügt, das Bild von einem Mann, „dessen mystische Frömmigkeit nicht in die weltabgewandte Schwärmerei führt, sondern genau umgekehrt in die Tat, in die Zuwendung zum Nächsten“.

Aber wieso ist der Mann vom Niederrhein für unsere Breiten besonders interessant? Die Antwort gab der aus Bad Berleburg stammende Leiter der Abteilung „Ostwestfalen-Lippe“ des Landesarchivs NRW, Dr. Johannes Burkardt, in seinem Vortrag: „Auch das Siegerland und Wittgenstein gehörten zu Tersteegens Reisezielen. Eng verbunden war er der sogenannten ‚Gesellschaft der Kindheit-Jesu-Genossen‘ auf Schloss Hayn bei Hainchen, einer den Wittgensteiner Pietisten eng verbundenen Gruppe von Menschen. Mit ihnen stand er in Briefverkehr, und vermutlich wurde über die Schiene ‚Hayn‘ auch der Kontakt nach Berleburg hergestellt. Briefwechsel gab es mit dem Berleburger Hofarzt Samuel Carl, später auch mit der Berleburger Gräfinwitwe Hedwig Sophie. Die Briefe zeigen, dass ihm zahlreiche Personen der Wittgensteiner Pietistenszene bekannt waren und am Herzen lagen.“ 1736 besuchte Tersteegen Berleburg, auch in Schwarzenau war er. In einem detailreichen, gelehrten und dennoch kurzweiligen Vortrag porträtierte Johannes Burkardt den Mann, der am 3. April 1769 starb: „Tersteegen kann uns in einer zunehmend egoistischen und aggressiven Umwelt lehren, das Ego zurück zu stellen, dem anderen zuzuhören, Meinungsverschiedenheiten mit gegenseitigem Respekt auszutragen und Toleranz zu üben.“ Weiterlesen

Emotionale Spurensuche in Bad Laasphe:

Mindy Nudelman besuchte Heimatort ihrer jüdischen Vorfahren

Mindy Nudelmann (vorne) und ihr Ehemann Ilan trugen sich ins Goldene Buch der Stadt Bad Laasphe ein. Mit dabei waren (hintere Reihe, v. l.): Joachim Cierpka (Übersetzer), Otto Düsberg (früherer Bürgermeister von Bad Laasphe), Rainer Becker (Vorsitzender Bad Laaspher Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit), Klaus-Peter Wolff (Schriftführer Bad Laaspher Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit) und Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann. (Foto: Stadt Bad Laasphe)

Diese Reise war wohl eine der emotionalsten, die Mindy Nudelman je angetreten hat: Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ilan besuchte die 70-jährige gebürtige Kanadierin in dieser Woche Bad Laasphe. Zu der Lahnstadt hat sie eine ganz besondere Beziehung, und das, obwohl sie noch nie zuvor dort war. Denn ihre Großeltern Herz und Minna Beifus, Mitglieder der jüdischen Gemeinde, lebten mit ihren sechs Kindern jahrzehntelang in Bad Laasphe. Ihr Vater Artur Beifus wurde 1915 in der Lahnstadt geboren. Nun wollte die frühere Englischlehrerin die Heimat ihrer Vorfahren väterlicherseits einmal genauer kennenlernen. Zusammen mit ihrem Ehemann und dem Bad Laaspher Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit unter dem Vorsitz von Rainer Becker begab sie sich vier Tage lang auf Spurensuche und tauchte ein in die Vergangenheit und in die Familiengeschichte, die durch den Zweiten Weltkrieg auf tragische Weise geprägt wurde. Weiterlesen

Ausstellung: Martin Lersch “Ich hätte gerne Rubens getroffen”

Martin Lersch und der Medici-Zyklus
Siegerlandmuseum, bis zum 08. September 2019

“1989 kam Martin Lersch, Enkel des Lyrikers Heinrich Lersch (1889-1936) das erste Mal nach Siegen. Zum 100. Geburtstag des Museums 2005 fertigte er drei Serien nach den verschiedenen Beständen und Räumen des Oberen Schlosses an. Jetzt hat der in Goch lebende Maler und Zeichner dem Museum eine Serie nach dem Rubens-Zyklus „Das Leben der Maria de Medici“ geschenkt. Der monumentale Gemäldezyklus befindet sich heute im Louvre. Das Siegerlandmuseum besitzt die beeindruckenden Kupferstiche aus dem beginnenden 18. Jahrhundert. Die strenge Linienführung der Stiche und die mit flüchtiger Feder gezeichneten Variationen von Martin Lersch stellen den besonderen Reiz der Konfrontationen dar. Martin Lersch hat alle ausgestellten Arbeiten dem Siegerlandmuseum geschenkt. Der Zyklus der Werkreihen nach Peter Paul Rubens ist für ihn damit abgeschlossen.”
Quelle: Siegerlandmusem, Sonderausstellung

Wikipedia-Eintrag zu Ludwig Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg online

In diesem Frühjahr hat Dieter Bald einen Wikipedia-Artikel zu Ludwig Ferdinand zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg [1712-1773] erstellt.

Kedja med kors - Livrustkammaren - 86647
Königlich schwedischer Seraphinenorden, Collane, Livrustkammaren (The Royal Armoury) / Jens Mohr / CC BY-SA [Public domain]

Weitere Literatur (Auswahl): Weiterlesen

Literaturhinweis: Christine Roßberg: Das hohe Lied der Menschlichkeit –

Walter Krämer der “Arzt von Buchenwald”

Der Beitrag (S. 261 – 270) ist in der von Heinz Freiberg herausgegebenen Bertolt-Brecht-Anthologie “Das Schicksal des Menschen ist der Mensch” erschienen. Er stellt Walter Krämer in Bezug zu Brechts Gedicht “An die Kämpfer in den Konzentrationslagern” (1938)

Edition Freiberg, ISBN 978-3-943377-91-0, 13,90 €, 364 S.

Arolsen Archives stellen mehr als 13 Millionen Dokumente über NS-Verfolgung online


Menschen aus aller Welt können nun online recherchieren, um die Schicksale von Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung aufzudecken: Die Arolsen Archives haben in Partnerschaft mit der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Israel, ein neues Online-Archiv veröffentlicht (https://collections.arolsen-archives.org). Die Datenbank enthält eine umfassende Sammlung von Dokumenten aus Konzentrationslagern, darunter Häftlingskarten und Todesmeldungen. Die mehr als 13 Millionen Dokumente mit Informationen zu über 2,2 Millionen Menschen gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe und sind ein wichtiger Sammlungsschwerpunkt der Arolsen Archives. Weitere bedeutende Bestände werden folgen. Weiterlesen

ARCHIVnachrichten aus Hessen 1/2019 online

Die Publikation des Landesarchivs Hessen mit dem Schwerpunkt “Romantik in Hessen” ist als PDF abrufbar.
Aus regionaler Sicht darf auf 2 Beiträge verwiesen werden:
1) Elisabeth Scholl: Kreativität und Quellenstudium. Die Wiederentdeckung historischen Notenmaterials durch die Alte Musik, S. 35 – 41. Der Beitrag enthält 2 Abbildungen mit Notenbeispielen aus der Korrespondenz von Ernestine Charlotte von Nassau-Siegen, und
2) Rengenier C. Rittersma: Trüffelfieber an hessischen und nassauischen Höfen Impressionen einiger Staatsarchivbesuche in Hessen, S. 52 – 55.