Vom Asphaltbild zum KI-Fake: 200 Jahre Fotografie und das Mandat des Archivwesens

Zum 200-jährigen Jubiläum der Fotografie blickt der VdA – Verband
deutscher Archivarinnen und Archivare auf einen tiefgreifenden Wandel des
Mediums: Der Sprung vom dokumentarischen Abbild zur fiktiven Pixelkreation
durch KI stellt die Zuverlässigkeit visueller Quellen infrage. Neben dem Schutz vor physischem Verfall übernehmen Archive die entscheidende Aufgabe, die
Authentizität von Fotos zu prüfen und zu belegen.

Ein beabeitetes Bild des Siegener Fotografen Otto Arnold zeigt die restauratorischen Anforderungen an die sachgerechte Lagerung von Fotografien und zugleich die Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung.

Als der französische Chemiker Joseph Nicéphore Niépce vor beinahe 200 Jahren eine mit in Lavendelöl gelöstem Naturasphalt bestrichene Zinnplatte nach acht Stunden
Belichtungszeit betrachtete, zeichneten sich grob die Umrisse der Gebäude des Gutshofes von Le Gras ab: die erste erfolgreich aufgenommene und erhaltene Fotografie der Welt. Mit der Erfindung der Fotografie entstand erstmals die Möglichkeit, Ereignisse, Personen und Orte scheinbar unmittelbar festzuhalten. Fotografien entwickelten sich rasch zu einem zentralen Medium gesellschaftlicher Selbstbeobachtung und historischer Überlieferung. Weiterlesen

Digitales Archiv NRW: Betriebliche Restrukturierung eröffnet neue Anbindungsmöglichkeit

Nach mittlerweile zehnjährigem Bestehen der Arbeitsgemeinschaft DA NRW haben die Partner der AG zu Ende letzten Jahres die Überführung in eine neue Betriebsstruktur beschlossen. Den zentralen Baustein dafür bildet eine erweiterte Beauftragung an die d-NRW AöR durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Zu den bisher durch die d-NRW wahrgenommenen Aufgaben zur Führung der Geschäftsstelle DA NRW tritt fortan die Beauftragung zur Organisation des Gesamtbetriebs DA NRW hinzu.

Im Rahmen ihrer bestehenden interöffentlichen Zusammenarbeit insbesondere zur Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW (EGovG NRW) und des Onlinezugangsgesetzes (OZG) in Nordrhein-Westfalen kooperieren die d-NRW und der Zweckverband KDN – Dachverband kommunaler IT-Dienstleister nun auch bei der Aufgabenwahrnehmung und der Leistungserbringung für das DA NRW. Weiterlesen

Online: ARCHIV. theorie & praxis Heft 1/2026

Das Heft 1/2026 von ARCHIV. theorie & praxis ist online. Unter dem Titel „Erschließung von Audio- und Bewegtbildmaterial“ finden sich Beiträge des LWL-Medienzentrums für Westfalen, des Schweizerischen Literaturarchivs, des Bundesarchivs, der Freien Universität Berlin und auch aus dem Landesarchiv NRW.

Daneben gibt es Einblicke in das Datenqualitätsmanagement im Montanhistorischen Dokumentationszentrum und den Einsatz eines Saugroboters im Magazin.

Literaturhinweis: Handbuch Oral History (2026)

„Was ist Oral History? Wie und wozu führt man Interviews? Wie geht man wissenschaftlich mit Erinnerungserzählungen um?

Dieses Buch stellt Studierenden und Interessierten, die in Gedächtnisinstitutionen tätig sind, zentrale Begriffe, Projekte und Institutionen vor und vermittelt ihnen grundlegende Kenntnisse im Umgang mit mündlichen Quellen – von der Interviewvorbereitung über die Durchführung und Auswertung bis zur Archivierung. Es enthält praktische Handreichungen, skizziert methodische und forschungsethische Debatten und liefert aktuelle Informationen über den Umgang mit Oral History auch in anderen Ländern.

Die Autor:innen verfügen über langjährige und vielfältige Erfahrungen. Viele von ihnen stammen aus dem Kreis der Teilnehmenden des im Jahr 2014 ins Leben gerufenen Netzwerks Oral History.“

Aus archivischer Sicht ist besonders auf folgende Beiträge hinzuweisen:
Almut Leh: Oral-History-Archive, S. 62 – 75
Hannah K. Ruff/Alexander J. Schwitanski: Oral History archivieren, S. 76 – 91

Quelle: Verlagswerbung

Historische Dokumente digitalisieren und zugänglich machen

Reblog des Blog der Firma bmd, Siegen v. 27. Mai 2026

„Historische Dokumente sind zentrale Quellen für die Forschung. Sie können selbst hunderte Jahre nach Entstehung ein Bild davon geben, was geschah und wie die Menschen zu dieser Zeit lebten. Doch auch für die Zukunft spielen sie eine wichtige Rolle, denn auch in mehreren Jahrzehnten oder Jahrhunderten wird es die Menschen interessieren, wie wir heute leben. Auch unsere heutigen Erzeugnisse werden früher oder später zu wichtigen Quellen.
Wichtig ist – egal in welchem Jahr wir leben –, dass Fragen an die Quellen gestellt werden, um sie zu verstehen. Nur so kann es gelingen, sie zu bewerten und in die jeweilige Zeit einzuordnen – ganz im Sinne der eigenen Forschung. Doch es gibt ein Problem: Papier, Pergament oder ähnliche Materialien, aus denen historische Dokumente häufig bestehen, unterliegen dem Verfall. Papyrus-Dokumente aus der Antike sind nur in einem sehr geringen Maße erhalten – und wenn, dann meist nur in Fragmenten.
Die Überlieferung historischer Dokumente war stets mit Medienwechseln verbunden. Früher wurden sie handschriftlich abgeschrieben, später mit der Erfindung der Buchpresse gedruckt – zumindest die wichtigsten Dokumente. Handschriftliche Tagebücher hingegen sind fast nur als Unikate erhalten. Um sie zu erhalten, steht heute ein weiterer Medienwechsel an: Historische Dokumente sollten digitalisiert werden, um zugänglich zu sein und um für die Nachwelt erhalten zu werden.
Doch bei der Digitalisierung von historischen Dokumenten stehen auch Gefahren an, sofern sie nicht richtig durchgeführt werden. Bereits einfaches Tageslicht kann das Material, aus dem diese Quellen bestehen, in kurzer Zeit stark beschädigen. Wir möchten Ihnen deshalb zeigen, warum es dafür spezielle Technik benötigt. Lernen Sie die Verfahren kennen, mit denen die Dokumente digitalisiert werden und wo der Vorteil in der Digitalisierung liegt.

Warum historische Dokumente digitalisieren?
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Online: Archivpflege in Westfalen-Lippe (104/2026)

Themen in diesem Heft (PDF):

Was ist Erschließungsrückstand?
Daten- und KI-Kompetenzen in Kommunalarchiven
Die Gefahr der Sekundären Traumatisierung im Archiv
Bildungsarbeit effizient ausbauen
Der Klimawandel im Büro. Schäden an Archivalien
Schiedsamtsakten als Quelle der Orts-, Rechts- und Sozialgeschichte
Die Fotosammlung des Stadt- und Kreisarchivs Paderborn

Gewalttaten als Gefahr für Kultureinrichtungen

Neues Kapitel im SicherheitsLeitfaden Kulturgut (SiLK)

In Anbetracht der zunehmenden weltweiten Auseinandersetzungen, kriegerischen Konflikte und gesellschaftlichen Spannungen zählen „Gewalttaten“ zu den potentiellen Bedrohungen für kulturelle Einrichtungen und damit auch für Archive. Wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, werden in kriegerischen Konflikten oder auch bei Sabotagen immer wieder bewusst Kulturgüter ins Visier genommen und vernichtet. Die Kultureinrichtungen in Deutschland sind daher aufgefordert, bei ihrer Notfallplanung neben z. B. Gefahren durch Umwelteinflüsse auch diese Aspekte künftig mit zu bedenken. Weiterlesen

Video (engl.): Restoring Rubens.

Louvre Paris readies to save dozens of Flemish masterpieces from ruin“

Der Louvre in Paris bereitet ein ehrgeiziges Restaurierungs- und Reparaturprojekt für jahrhundertealte Gemälde des flämischen Meisters Peter Paul Rubens vor, um sie vor dem Verfall zu retten.

77. Westfälischer Archivtag in Castrop-Rauxel

Der 77. Westfälische Archivtag findet am 17. und 18. März 2026 in Castrop-Rauxel statt.
„Für die Eröffnungssitzung ist eine Diskussion vorgesehen, die sich mit der Lage und dem Selbstverständnis der Archive in Zeiten auseinandersetzen soll, in der die Demokratie und ihre Grundwerte nicht mehr so unverrückbar und unumstritten scheinen, wie es viele Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg der Fall war. Gegenstand der Diskussion werden die Felder Überlieferungsbildung und historische Bildungsarbeit sein, in denen kommunale Archive zwischen Politik, Verwaltung sowie Nutzerinnen und Nutzern agieren und als Hüter authentischer Quellen und Vermittler gefordert sind. Weiterlesen

KRITIS-Dachgesetz ignoriert Kulturgüter: „Historisches Gedächtnis bleibt ungeschützt“

Der VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare kritisiert eine gravierende Lücke im neuen Gesetz zur Sicherung kritischer Infrastrukturen (KRITIS-Dachgesetz). Archive und andere Einrichtungen des kulturellen Gedächtnisses bleiben im Gesetz vollständig unberücksichtigt.
„Der Staat schützt Stromnetze, Wasserwerke und Verkehrssysteme – aber sein eigenes historisches Gedächtnis lässt er ungeschützt“, erklärt der VdA-Vorsitzende Dr. Michael Ruprecht. „Dass Archive im neuen KRITIS-Gesetz keinerlei Rolle spielen, ist kaum
nachvollziehbar.“ Weiterlesen