Filmtipp: „Altenberg“

06. April 2022 – 20.00 Uhr, Viktoria Filmtheater Hilchenbach-Dahlbruch
Universität Siegen, Studentisches Filmprojekt: Architektur – Licht – Musik – Performance, Leitung: Prof. Ulrich Exner und Prof. Martin Herchenröder
Eintritt: 5 €

Foto: Ulrich Exner

„Fährt man die Straße zwischen den beiden Siegerländer Dörfern Littfeld und Müsen, so überquert man in der Mitte eine Passhöhe, den Altenberg. Heidelbeerbüsche, Gräser und ein paar Nadelbäume wachsen hier, Vögel zwitschern, aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen: Die merkwürdige, leicht wellige Landschaft ist irgendwie anders als Berge und Täler ringsum. Und in der Tat: Eine Sage berichtet, dass hier einst ein Dorf gestanden habe, das abgebrannt sei, als Strafe für die Habgier und den ausschweifenden Lebenswandel ihrer Bewohner. Ein verschwundener, ein verwünschter Platz? Nach einem Zufallsfund im Jahr 1963 erkundete man das Gelände archäologisch genauer und entdeckte Reste einer mittelalterlichen Siedlung und: Spuren ausgiebigen Silberbergbaus. Das Dorf war offenbar irgendwann aufgegeben worden, und die Natur hatte sich das Terrain über die Jahrhunderte zurückgeholt. Heute erinnern einzelne Überreste an Gebäude, Pingen und Schächte – ein magischer Platz, wo sich Natur und Kultur, uralte, vergessene und verborgene Geschichte und Gegenwart begegnen. Studierende der Fächer Architektur und Musik der Universität Siegen haben das Gelände erforscht und erkundet und machen es mit künstlerischen Mitteln wieder lebendig – filmisch, architektonisch, musikalisch. Dabei spielt die reale Geschichte des Platzes ebenso in die Gestaltung hinein wie die Phantasie, die dieser Ort so mächtig anregt. Und jetzt kann man die Filme, die dabei entstanden sind, erstmals sehen: im Viktoria-Kino, als Programmkino seit Jahrzehnten eine Siegerländer Institution und nur wenige Kilometer vom Altenberg entfernt! “
Quelle: Uni Siegen, Studio für neue Musik, Veranstaltungen, 27.1.2022

Umbenennung des Bernhard-Weiss-Saales durch die IHK Siegen

– auch eine erinnerungskulturelle Debatte

Ausriss Siegener Zeitung, 23.3.22

Die Siegener Zeitung berichtete unlängst – leider nur im Print – , dass das Präsidium der der IHK Siegen beschlossen habe, den repäsentativsten Veranstaltungsraum im Gebäude IHK umzubenennen. Der Raum soll zukünftig nicht mehr nach dem ehemaligen Präsidenten der IHK, Bernhard Weiss, benanntwerden. Gründe für die Umbenennung waren nicht nur die Haltung der von Weiss aufgebauten Firma SMS im Ukraine-Krieg, sondern auch die Rolle Weiss´ während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Kommentar der Siegener Zeitung stellte besonders den zweiten Aspekt in seinen Mittelpunkt.

Zu Bernhard Weiss liegt noch keine ausführliche Biographie vor, so dass lediglich auf folgende Links verwiesen werden kann:
Wikipedia-Eintrag
– Eintrag „Bernhard Weiss“ im Regionalen Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein

Die Rolle Weiss´ im Flick-Konzrern während des NS-Zeit beleuchten u. a. folgenden Titel:
-Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim Christian Priemel, Harald Wixforth: Der Flick-Konzern im Dritten Reich. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, Herausgegeben durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin in Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Oldenbourg Verlag, München 2008
Tim Schanetzky: Regierungsunternehmer. Henry J. Kaiser, Friedrich Flick und die Staatskonjunkturen in den USA und Deutschland. Wallstein Verlag, Göttingen 2015
Heute vor 70 Jahren: Die Verurteilung von Friedrich Flick vor den Nürnberger Prozessen am 22.12.1947

Einführend zur Firmengeschichte der SMS .s Heinz Bensberg, Vom Handwerksbetrieb Weiss zum Weltmarktführer der SMS Gruppe

Die zurzeit geführte „Diskussion“ findet vor allem auf dem Facebook-Account der Siegenenr Zeitung statt: Weiterlesen

Sekundarschule bereichert die Ausstellung im Heimatmuseum Netpherland

Beispiel-Lapbooks der Schülerinnen und Schüler © L. Reuter


Anfang des Jahres besuchte die Sekundarschule Netphen mit einigen Religionskursen die Ausstellung im Heimatmuseum in Netphen. Die Schüler waren sehr beeindruckt, was sich in dem Haus auf ihrem Schulweg verbirgt.

Motiviert durch die Ausstellung, in der sich die Schüler interaktiv und medial unterstützt, mit dem jüdischen Leben in Netphen auseinandersetzen konnten, entwickelten die Schüler schnell Eigeninitiative. Dadurch, dass die Lapbooks sehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bieten, setzten die Schüler eigene Schwerpunkte in ihren Arbeiten und beschäftigten sich interessengeleitet mit den Informationen und Themenbereichen, die ihnen jeweils persönlich ins Auge gefallen und wichtig waren. Weiterlesen

Bad Berleburg: Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus durch die Benennung der Odebornbrücke zwischen Poststraße und Ludwigsburgstraße

Sitzungsvorlage 310-XI für den Ausschuss für Soziales, Bildung, Sport und
Kultur am 23.03.2022 und Stadtverordnetenversammlung 28.03.2022:

Adele Krebs, Foto: Privatbesitz

„Sachverhalt:
Bezugnehmend auf den Antrag der SPD Fraktion vom 17.09.2021 zur Benennung einer Straße im Neubaugebiet am Sengelsberg nach Adele Krebs als Opfer des Nationalsozialismus fand am 15.02.2022 nach vorherigen Beratungen im Ausschuss für
Planen, Bauen, Wohnen und Umwelt eine Ältestenratssitzung statt, um gemeinsam über die weitere Vorgehensweise zu beraten. Dabei wurden die nachfolgenden Recherchen und eingeholten Informationen der Verwaltung zugrunde gelegt.
In Bad Berleburg sind mit jetzigem Forschungsstand 84 Personen mit jüdischer Herkunft verzeichnet, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. 50 Personen wurden deportiert, zum Teil von anderen Orten aus, davon 46 ermordet. Drei davon starben bereits 1938 in Buchenwald bzw. an den Folgen der Deportation ins KZ Sachsenhausen
und Buchenwald, eine 1937 in Bethel. Nur vier Personen überlebten die Deportation. 32 Personen konnten nach unseren Recherchen ihr Leben durch Auswanderung retten. Adele Krebs wurde am 27.07.1942 deportiert und ist am 25.04.1943 im
Konzentrationslager Theresienstadt ermordet worden.
Für 63 der damals bei uns polizeilich gemeldeten Personen mit jüdischer Herkunft wurden durch den Arbeitskreis für Toleranz und Zivilcourage mit Unterstützung der Stadt Bad Berleburg Stolpersteine verlegt. Weiteren 6 Personen jüdischer Herkunft, die in Elsoff gelebt haben, wird im Bereich des historischen Dorfrundgangs gedacht. Da der
Arbeitskreis für Toleranz und Zivilcourage in Bad Berleburg nicht mehr besteht, soll die Verlegung der Stolpersteine zukünftig zusammen mit den weiterführenden Schulen der Stadt Bad Berleburg erfolgen. Weiterlesen

Ukrainische Opfer des Nationalsozialismus im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein

Das Aktives Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus im Kreis Siegen-Wittgenstein führt 29 in der Ukraine geborene Personen  – 24 Zwangsarbeiter:innen und 5 rassisch Verfolgte – auf, die die Zeit des Nationalsozialismus im Siegerland nicht überlebt haben.

Name Link
Beskorwaina, Ljuba https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/beskorwaina-ljuba/
Borch, Wassily https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/borch-wassily/
Buchmiller, Peter https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/buchmiller-peter/
Dewidenko, Waldemar https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/dewidenko-waldemar/
Doliga, Peter https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/doliga-peter/
Fedorischen, Mikale https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/fedorischen-mikale/
Filipenko, Feodor https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/filipenko-feodor/
Hausmann, Fanny geb. Spiegel https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/hausmann-fanny-geb-spiegel/
Hausmann, Saul https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/hausmann-saul/
Hochmann, Mathilde geb. Spiegel https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/hochmann-mathilde-geb-spiegel/
Hochmann, Siegmund https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/hochmann-siegmund/
Hryb, Leon https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/hryb-leon/
Iwtschak, Tatjana https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/iwtschak-tatjana/
Iwtschenko, Warwara https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/iwtschenko-warwara/
Jurzinko, Viktor https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/jurzinko-viktor/
Kogut, David https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/kogut-david/
Melnik, Sergli https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/melnik-sergli/
Muschkawag, Fekla https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/muschkawag-fekla/
Musyka, Sebastian https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/musyka-sebastian/
Papeta, Uljana https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/papeta-uljana/
Pawluk, Peter https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/pawluk-peter/
Potemkina, Nadja https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/potemkina-nadja/
Rewa, Anna https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/rewa-anna/
Schistowskaja, Olga https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/schistowskaja-olga/
Schwez, Matya https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/schwez-matya/
Sik, Piotr https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/sik-piotr/
Sinowski, Franz https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/sinowski-franz/
Sopin, Jakob https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/sopin-jakob/
Zizenko, Roman https://aktives-gedenkbuch.de/opfer/zizenko-roman/

 

Gedenken an die Opfer der Bombenangriffe auf Erndtebrück

„Am 10. März 2022 jährt sich zum 77. Mal der Tag des schweren Bombenangriffes auf Erndtebrück, dem 86 Menschen zum Opfer fielen. Dieser Tag ist und bleibt für die Bürgerinnen und Bürger ein Gedenktag, ein Tag der Trauer um die Menschen, die ihr Leben verloren.

Zum Gedenken an die Opfer des 10. März 1945 sowie der beiden vorangegangenen Bombenangriffe am 16. Dezember 1944 und 22. Februar 1945 bei denen 6 bzw. 14 Menschen ums Leben kamen, findet am

Donnerstag, 10. März 2022, 14.00 Uhr,

eine stille Kranzniederlegung durch den Bürgermeister auf dem Friedhof „Ederfeld“ statt.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird in diesem Jahr, wie auch schon letztes Jahr, das stille Gedenken in kleinem Kreise durch mich und meine beiden Vertreter wahrgenommen. Falls Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde an diesem stillen Gedenken teilnehmen möchten, wird um die Beachtung der Abstandsregeln und das Tragen einer medizinischen oder FFP-2 Maske gebeten.“
Quelle: Gemeinde Erndtebrück, Mitteilungen, 3.3.22

Literatur:
Friedrich, Paul: Bomben auf Erndtebrück, Wittgensteiner Heimatbuch I, Baolve 1965, S. 394-399
Dietrich, Edgar: Als Bomben vom Himmel fielen, Erndtebrück 1995
Schmidt, Wilhelm: Erlebt und überlebt am 10. März 1945. Zwei Pferde und ein Fuhrmann in Erndtebrück, Wittgenstein, Jg. 105 (2017), Bd. 81, Heft 1, S. 55-57

„Fremde.Heimat.Erinnerung“ – Szenische Ausstellung zur Zwangsarbeit im Siegerland

Es werden Infoplakate zur Geschichte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus im Siegerland gezeigt und 6 Monologe von fiktiven Figuren, die das Jugendensemble nach Recherchen zum Thema entwickelt hat und an mehreren Orten im Kirchenraum vortragen wird.

Im Anschluss findet ein Stadtgespräch statt, Thema „Was geht uns heute und in Zukunft das Schicksal der Zwangsarbeiter*innen im Siegerland an?“
Zugesagt für das Podium haben Björn Eckert (DGB-Jugend), Hannes Wagener und Niklas Kirschey (Jugendensemble Junges Theater), Klaus Th. Vetter (Ehrenpräsiden IHK Siegen), Dr. Jens Aspelmeier (Leiter Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Siegen, Aktives Museum Südwestfalen, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes), Traute Fries (Ehrenvorsitzende Aktives Museum Südwestfalen), Dr. Astrid Grewe (Vorsitzende Gustav Heinemann Friedensgesellschaft), NN (Vertreter*in für den Austausch mit Osteuropa)- Moderation Peer Ball (Vorsitzender Junges Theater Siegen)

Jährliche Kranzniederlegung am 28. Februar Gedenken an die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Hilchenbach

Kranzniederlegung Gedenkstein 2021

Am Montag, 28. Februar, jährt sich der Tag der Deportation von Elisabetha „Gerti“ Holländer und ihrem zehnjährigen Sohn Lothar Holländer

An diesem Jahrestag veranstaltet die Stadt Hilchenbach eine Gedenkstunde, um an das schreckliche Schicksal der Hilchenbacher Jüdinnen und Juden, die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland geworden sind, zu erinnern. Am Gedenkstein an der Ecke Marktplatz und Hilchenbacher Straße wird dabei ein Kranz niedergelegt.

Bedingt durch die Corona-Pandemie findet auch in diesem Jahr keine öffentliche Gedenkstunde statt. Stattdessen werden Bürgermeister Kyrillos Kaioglidis und seine Stellvertreter Olaf Kemper und Jan Oliver Thomas sowie der stellvertretende Landrat André Jung im stillen Gedenken einen Kranz niederlegen. Weiterlesen

Literaturhinweis: Traute Fries „Das Leben des Hugo Herrmann.

Letzter Repräsentant der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Siegen“, Siegen 2022

Das Aktive Museum Südwestfalen und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (CJZ) haben gemeinsam die 64seitige Broschüre herausgegeben. Traute Fries hat die Informationen aus dem persönlichen Nachlass von Hugo Herrmann (1898-1993), den Klaus Dietermann übernommen hatte, zusammengestellt. Weiterlesen

Stellungnahme zur Diskussion um Straßenumbenennungen in Siegen

Gemeinsame Erklärung von Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland und Aktiven Museum Südwestfalen, 11. Februar 2022

„Straßennamen dienen zunächst der räumlichen Orientierung in einer Stadt. Sie prägen sich allein schon deswegen in das Bewusstsein und Alltagsleben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner ein. Vor allem aber sind sie sichtbarer Teil einer regional geteilten Erinnerung. Als solche markieren die gerade diskutierten Fälle der Lothar-Irle-Straße und (Adolf) Stöcker-Straße eine durchaus brisante Anwesenheit der Vergangenheit in der Gegenwart.

Die aktuelle öffentliche Berichterstattung zu den ersten Überlegungen des städtischen Arbeitskreises zur Aufarbeitung der historischen Hintergründe von Straßennamen verweist darauf, dass der Umgang mit Geschichte, konkret den historischen Personen und Ereignissen im öffentlichen Raum, nicht erst seit kurzem von hohem öffentlichen Interesse ist. Die Berichterstattung und Leserbriefe machen aber vor allem deutlich, dass Geschichte bisweilen nur von einigen wenigen gemacht wird. Die so entstehenden Deutungen und Erzählungen verraten mehr über die politische Grundhaltung der gegenwärtigen Akteurinnen und Akteure als über die geschichtlichen Hintergründe. Eine solche Praxis trägt kaum zur sachlichen Klärung bei. Die Fallbeispiele Adolf Stoecker und Lothar Irle sind fraglos diskussionswürdige Ehrungen, allerdings belegen die dazu kontrovers geführten Debatten in der lokalen Presse eindrucksvoll, dass nicht nur breitere Beteiligungsmöglichkeiten, sondern vor allem eine sachliche Fundierung sowie eine gute Moderation dringend von Nöten sind. Weiterlesen