„Die ersten beiden Kaffeebohnen kamen 1951 von Hamburg nach Siegen und wurden anfangs auf der Fensterbank über der Heizung gezogen.
Nach einigen Jahren wurden sie aus Platzgründen in eine Gärtnerei umgezogen. Die erste Ernte von den 23 Pflanzen gab es im Jahr 1956. Die weitere Verarbeitung erläutert Hobby-Züchter [Otto] Georg im Filminterview.“
“ ….[Am 14. August 1958 morgens wurde] in der Gärtnerei Wiczoreck am Brüderweg der erste „Original-Siegerland-Mokka“ geerntet … . Es herrschte wieder einmal Siegener „Einheitswetter“ mit Dauerregen, und Schweiß war beim Abernten der rund 300 Kaffeebohnen auch nicht zu vergießen. Dafür aber sind Kaffeebäume in unseren Breiten auch eine Einmaligkeit.
Vor etwa sieben Jahren kam Otto Georg, der Inhaber der Firma Georgs-Kaffee, auf den Gedanken, doch einmal die Probe aufs Exempel zu machen, ob echter Columbia-Mokka nicht auch im Siegerland (im Treibhaus, versteht sich!) gedeihen könnte. Er pflanzte an einem warmen Junitag einige ungeröstete Columbia-Bohnen in einen Blumentopf und stellte diesen auf die Zentralheizung. Vor zwei Jahren nun trieb diese Kaffeepflanze, inzwischen im Treibhaus der Gärtnerei Wiczoreck gelandet, die ersten Blüten, vor Jahresfrist konnten bereits 23 Kaffeebohnen geerntet werden, und heute morgen gab sich die Gelegenheit zur Riesenernte von rund 300 der roten Kaffeekirschen, die jeweils je zwei Bohnen enthalten. Die noch glitschig-nassen, gelblichen Bohnen werden nun erst einmal gewaschen und in der Sonne getrocknet. Dann kommt in etwa acht Tagen für die Firma Georg der „historische Moment“: die erste Probe des selbstgezüchteten Mokkas. Von jedem Baum werden es etwa 125 Gramm sein, von denen man ein edles Siegerländer Getränk aufbrühen kann. Bei den nur 23 Bohnen vom Vorjahr gelang das noch nicht ganz, denn just als man die gelben Rohbohnen zum Trocknen bringen wollte, hatte sie doch zu allem Unglück eine Putzfrau aus Versehen weggeschüttet.“
„Nach einer gut überstandenen Kopfoperation verstarb am Samstag [5. Dezember 1959] in der Universitätsklinik Köln plötzlich und unerwartet im 57. Lebensjahr der Kaufmann Otto Georg, Inhaber der Siegener Firma Emil Georg K.G., Kaffeegroßrösterei und Lebensmittelgroßhandlung.
Der Verstorbene war der Sohn des im Alter von 54 Jahren verstorbenen Firmengründers Emil Georg, der seit 1912 aus den kleinsten Anfängen heraus eines der führenden Unternehmen der Lebensmittelbranche und des Kaffeeimportes im Siegerland aufbaute. Sein Sohn Otto trat im Jahre 1923 in die Firma ein, drei Jahre später wurde er Prokurist und übernahm nach dem frühen Tode seines Vaters im Jahre 1929 die Leitung des Unternehmens. Seit 1935 war Otto Georg persönlich haftender Gesellschafter. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre stellten an den Siegener Kaufmann sehr schwere Anforderungen. Das Unternehmen war völlig zerstört und wurde nach dem Zusammenbruch unter der Leitung des Verstorbenen zu seiner heutigen Bedeutung wieder aufgebaut. Die Kaffeeprodukte des Siegener Unternehmens werden in über 4000 Einzelhandelsgeschäften im Ruhrgebiet, in der Eifel, im Schwarzwald, im Raum Stuttgart und Kassel abgesetzt.“
Quellen: WDR, 15.8.1958; Siegener Zeitung, 14.8.1958, 7.12.1959,; Lothar Irle, Siegerländer Persönlichkeiten- und Geschlechter-Lexikon, Siegen 1974, S. 105

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„ungerüstete Columbia-Bohnen“ => „ungeröstete Columbia-Bohnen“
Danke! Korrigiert.
Im „VEB“, dem orange gestrichenen Gebäude am Kreisel „Schleifmühlchen“ in Siegen soll sich eine Kaffeerösterei befunden haben. Es sollen dort im Keller in den Ecken sogar noch vereinzelt Kaffeebohnen zu finden sein. Könnte es sich um das Betriebsgebäude der Firma Georgs-Kaffee handeln?
Da bedarf es wohl eines Blicks in die Adressbücher. Wegen der räumlichen Nähe der Gärtnerei, die die Pflanzen in ihren Gewächshäuser beheimatete, ist dies allerdings eine stimmige Hypothese!
Das heutige VEB an der Marienbornerstraße war früher Produktionsstätte von Georgs Kaffee Rösterei. Im Film ist dies bei Sequenz ca.2:15 mit dem Blick aus dem Fenster (Auf dem Fensterbrett liegen die Kaffeebohnen) gut zu erkennen. Man sieht den Platz des heutigen Kreisel und erkennt die alten Wellblechhallen die mittlerweile abgerissen wurden.
In welchem Zeitraum die Firma Georg dort ansässig war, kann ich nicht sagen.
Danke für Bestätigung!
– Der Werbeslogans des Kaffees lautete laut: Dieter-Martin Funk/Hellmut Lietz: ABC der Werbeslogans, Kirchheim/Teck 1951, S. 251:
Georgs Kaffee …..mit Kunst gemischt, mit Genuß getrunken
– Bilder einer Kaffeedose finden sich hier: https://www.sampor.de/index.php?id=5583