Online-Vortrag: „75 Jahre Justiz NRW – Erinnerungen an den Auschwitz-Prozess am Landgericht Siegen 1986 bis 1991“

Wann: 10. November 2021,17:00 Uhr
Wo: Online übertragen aus dem Schwurgerichtssaal des Landgerichts Siegen

Modell des Vernichtungslagers Ausschwitz-Birkenau im Aktiven Museum Südwestfalen e.V. Bildvorlage: Klemens Mehrer.

Was: Der Vortrag beleuchtet das auch heute noch bedeutsame Strafverfahren gegen Ernst August König, der wegen einer Vielzahl von Tötungsdelikten in den Jahren 1943/44 im damals sog. „Zigeunerlager“ des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Siegen angeklagt war. Dieser Mammut-Prozess vor dem Landgericht fand von Mai 1987 bis Januar 1991 an insgesamt 179 Verhandlungstagen, 38 davon an auswärtigen Gerichtsorten, statt. 123 Zeugen wurden vernommen. Der Angeklagte wurde schließlich wegen Mordes in drei Fällen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, im Übrigen wegen weiterer Mordvorwürfe freigesprochen. Im Laufe des von ihm angestrengten Revisionsverfahrens beging der Angeklagte Selbstmord.
Referenten: Vorsitzender Richter am Landgericht a.D. Wolfgang Münker – damals beisitzender Richter und Berichterstatter der Schwurgerichtskammer
Oberstaatsanwalt a.D. Klemens Mehrer – damals Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft Köln
Um Anmeldung per E-Mail an 75JahreNRW@lg-siegen.nrw.de wird gebeten; ein Betreff oder ein sonstiger Inhalt sind nicht erforderlich. Der Teilnahmelink zur Online-Veranstaltung wird interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern anschließend automatisch zugesandt. Es wird darauf hingewiesen, dass die Teilnehmerzahl aus technischen Gründen begrenzt ist.
Quelle: Veranstaltungsflyer

s. auch folgende Einträge auf siwiarchiv:
1) Heute vor 28 Jahren: Urteil im Prozess gegen Ernst August König
2) Vortrag: Klemens Mehrer (Siegen): Blick in ein düsteres Kapitel: Erinnerungen an den 1991 beendeten NS-Prozess gegen SS-Rottenführer Ernst-August König in Siegen

Goslar: Einweihung einer Gedenkplatte in Erinnerung an Walter Krämer im Fliegerhorst

Quelle: ITS Arolsen, 1.1.5.3/KRAI KRANS/00127507/0005, Archivnummer 9999)


Der Verein Spurensuche Harzregion und die Stadt Goslar laden ein zur Einweihung einer Gedenkplatte in Erinnerung an den Widerstandskämpfer Walter Krämer, dessen Ermordung im Außenlager Goslar des KZ Buchenwald sich am 6. November 2021 zum 80. Mal jährt.

Als Mitglied der KPD blieb der gelernte Schlosser nach dem Reichstagsbrand 1933 bis zu seinem Tod ein Gefangener des NS-Staats. Seit 1937 war Krämer Insasse des Konzentrationslagers Buchenwald. Hier eignete er sich im Selbststudium medizinische Kenntnisse und Fähigkeiten an und rettete im Häftlingskrankenbau zahlreichen Gefangenen das Leben. Im November 1941 wurde er in das Außenlager Goslar verlegt und bei Hahndorf am 6.11.1941 von einem Wachposten ermordet.

Krämer wurde im Jahr 2000 posthum durch den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für die Rettung von Juden durch die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem geehrt.

In Erinnerung an Walter Krämer und den am gleichen Tag ermordeten Karl Peix sind im neuen Stadtteil Fliegerhorst inzwischen die Walter-Krämer-Straße und der Karl-Peix-Weg benannt worden.

An der Einweihung der Gedenkplatte werden seitens der Stadt Goslar Bürgermeisterin Renate Lucksch und Erster Stadtrat Burkhard Siebert teilnehmen sowie der Verein Spurensuche Harzregion und Schülerinnen und Schüler des Christian-von-Dohm-Gymnasiums. Die Beteiligung der interessierten öffentlichkeit ist erwünscht.

Quelle: Spurensuche Harzregion e.V., Michael Ohse

Link- und Hörtipp: „29 Orte gegen das Vergessen. NS-Erinnerung in NRW“ – ein Gedenkstätten-Podcast

Welche Geschichten erzählen die Orte, die Verfolgten und die Täter:innen? Was können wir daraus für die Gegenwart, Zukunft und für uns als Gesellschaft lernen? Welche Bedeutung haben Gedenkstätten und NS-Erinnerung heute noch? Die Podcasterinnen Nina Höhne und Pauline von Moll reisen in den kommenden anderthalb Jahren durch NRWs Gedenkstätten und an Orte der Erinnerungskultur.

Die einzelnen Podcast-Folgen gibt es hier: https://linktr.ee/Der_Gedenkstaettenpodcast

Rundgang zu Stolpersteinen in Hilchenbach

Di. 09.11.2021, 15:30 Uhr – 17:30 Uhr


 Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erinnert Hilchenbach an ehemalige jüdische Mitbürger*innen.
Nur ein paar Jahrzehnte lang hat jüdisches Leben in Hilchenbach gedauert. Die letzten Personen jüdischen Glaubens waren Gerti Holländer und ihr 10-jähriger Sohn Lothar, beide mussten am 28.02.1943 ihren Heimatort verlassen. Dann hieß es offiziell: „Hilchenbach ist judenrein“! In dieser kurzen Zeitspanne sind dennoch Spuren und Erinnerungen zurückgeblieben, an die wir bei einem Rundgang gedenken wollen. Die ehemaligen Wohnstätten, früherer Beetsaal sowie der jüdische Friedhof sind Ziele dieses Erinnerns. Auch heute noch gibt es Verbindungen zu Nachfahren einiger Hilchenbacher Juden.
Wir treffen uns hinter dem Bahnhof Hilchenbach, Mühlenweg 25 und gehen von dort aus Richtung Marktplatz und weiter zum jüdischen Friedhof. Männliche Teilnehmer sollten an eine Kopfbedeckung denken.

Die kostenlose Veranstaltung wird von der Volkshochschule Siegen-Wittgenstein in Zusammenarbeit mit der Touristikinformation Hilchenbach angeboten und von der beliebten Gästeführerin i.R. Rosel Six durchgeführt.

Quelle: Kreis-VHS Siegen-Wittgenstein, Programm

Vortrag und Rundgang in Kreuztal: Stolpersteine: Die Familien Moses, Meier und Rosenhelm 1797 bis 1943

Mi. 27.10.2021, 17:30 Uhr – 20:00 Uhr
In Kooperation mit dem Heimatverein Littfeld-Burgholdinghausen e.V. : Mit Benjamin Moses und seiner Frau ließ sich 1797 in Burgholdinghausen die erste jüdische Familie im Siegerland nieder. Als deren Nachfahren lebten über vier Generationen rund einhundert Angehörige der Familien Meier und Rosenhelm in Littfeld und in Krombach – mehr oder weniger akzeptiert und respektiert von der christlichen Mehrheitsbevölkerung bis zur Entrechtung, Vertreibung und Deportation im Nationalsozialismus. Anhand einer Vielzahl von schriftlichen und bildlichen Quellen zeichnet der Vortrag das Erwerbs-, Alltags- und kulturelle Leben der Familien Meier und Rosenhelm während vier aufeinanderfolgender politischer Systeme im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach.
Für diejenigen, die es zeitlich einrichten können: Weiterlesen

Vortrag: Jakob Saß M.A. „Der Fall Adolf Haas:

Warum die Nachkriegsjustiz bei der Strafverfolgung des verschwundenen KZ-Kommandanten scheiterte.
Do. 21.10.2021, um 18.30 Uhr im Atriumsaal der Siegerlandhalle (Einlass ab 18.00 Uhr)

Buchumschlag zur aktuellen Publikation von Jacob Saß. Vorlage: Autor

Dem erfolglosen, in Siegen geborenen Bäcker Adolf Haas bot die SS alles, was er wollte: Karriere, Macht, Wohlstand und Affären. Dafür war er zu allem bereit, auch zum Massenmord. 3026 Menschen starben nachweislich unter ihm als KZ-Kommandant der Lager Niederhagen/Wewelsburg (1940-1943) und Bergen-Belsen (1943-1944). Vor Gericht musste sich Adolf Haas jedoch nie verantworten.

Der Berliner Zeithistoriker Jakob Saß stellt am Donnerstag, den 21. Oktober 2021, um 18.30 Uhr im Atriumsaal der Siegerlandhalle seine aktuelle Buchveröffentlichung „Gewalt, Gier und Gnade. Der KZ-Kommandant Adolf Haas und sein Weg nach Wewelsburg und Bergen-Belsen“ vor. In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ blickt er hinter die Fassade des Massenmörders, der kurz vor Kriegsende spurlos verschwand und den bundesdeutsche Behörden jahrzehntelang nicht finden konnten – oder wollten. Die ernüchternde Strafverfolgung von Haas vergleicht Jakob Saß mit ähnlichen Verfahren am Landgericht Siegen. Weiterlesen

Vortrag: „Der Siegerländer Gemeinschaftsverband in Nationalsozialismus“

13. Oktober 2021, 19:30 – 21:00, Gemeindezentrum Rödgen, Rödgener Str. 109, 57234 Wilnsdorf

„An diesem Abend geht es um den Neupietismus im Nationalsozialismus. Beispielhaft beleuchtet am Siegerländer Gemeinschaftsverband. Dr. Mathias Plaga-Verse wird der der Frage nachgehen: War der Siegerländer Gemeinschaftsverband (Verein für Reisepredigt) tatsächlich in der Bekennenden Kirche aktiv und dem NS-Staat gegenüber misstrauisch bis ablehnend eingestellt? So, wie der langjährige Präses Jakob Schmitt, dies in den 1950er und 1970er Jahren darzustellen versucht hat? Hatten Schmitts Ausführungen womöglich eher als verteidigenden Charakter? An welchen Punkten ist es den Siegerländer Gemeinschaftsleuten während der NS-Diktatur tatsächlich gelungen, Bekenntnis- und Staatstreue in Einklang zu bringen und wo gerade nicht? Dr. Mathias Plaga-Verse hat sich im Rahmen seiner Dissertation intensiv mit dieser Problematik auseinander gesetzt und dazu eine Quellenstudie unternommen. In dieser Quellenstudie hat er die Ausgaben der Mitgliederzeitschrift des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes ( „Der Evangelisten aus dem Siegerland“) aus der NS-Zeit gründlich analysiert und ausgewertet und dabei wichtige Erkenntnisse gewinnen können. Der Vortrag wird aufgezeichnet und kann später online gehört werden.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich. Information und Anmeldung: Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Siegen, Heike Dreisbach, 0271 – 5004 275 oder heike.dreisbach@kirchenkreis-siegen.de
Quelle: Evangelisches Erwachsenenbildungswerk Westfalen-Lippe, Bildungsangebot

Erndtebrück: Kriegsgräbereinsatz auf größtem deutschen Soldatenfriedhof

Soldaten des Einsatzführungsbereiches 2 und Reservisten der Kreisgruppe Südwestfalen des Verbandes der Reservisten führten kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Pflegeeinsatz auf dem deutschen Soldatenfriedhof Lommel in Nordbelgien durch.

Umfangreicher Arbeitsauftrag

Auch 93 Baumwurzeln mussten im Laufe des Arbeitseinsatzes weichen. © Luftwaffe/Erhard Lauber

Unweit der belgisch-niederländischen Grenze in der Provinz Limburg liegt der größte deutsche Soldatenfriedhof des 2. Weltkrieges in Belgien. Hier ruhen 39.094 Gefallene. Nach einem Jahr Zwangspause aktivierte Stabsfeldwebel Erhard Lauber, neben seinem aktiven Dienst in Erndtebrück auch Geschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für das Wittgensteiner Land, wieder einmal freiwillige Helfer für einen Pflegeeinsatz dieser Kriegsgräberstätte. Zu den Aufgaben der vier aktiven Soldaten und vier Reservisten gehörten vielfältige Pflegearbeiten auf dem Friedhof. So wurde der circa 1250 m lange Erdwall um den Friedhof gemäht und zahlreiche Grabkreuze und Bäume freigeschnitten. Die circa 350 m lange und bewachsene Friedhofsmauer wurde vom Unkraut befreit und von 93 gefällten Bäumen die Baumstümpfe entfernt und entsorgt. Untergebracht waren die fleißigen Helfer direkt auf dem Friedhofsgelände in der internationalen Jugendbegegnungsstätte Lommel. Zum Gedenken legten die Soldaten zum Abschluss ihres Einsatzes einen Kranz für die dort bestatteten Kriegstoten nieder und gedachten auch ihrer gefallenen Bundeswehrkameraden. Weiterlesen