Systeminterne Langzeitspeicherung ist keine Archivierung!

„Viele Anbieter von Fachverfahren (z. B. Gewerbe-, Melderegister, Sozialhilfe, Ausländerbereich,Bauwesen etc.) haben in letzter Zeit sogenannte Archivierungsangebote entwickelt. Hierbei handelt es sich in der Regel aber nicht um eine digitale Langzeitarchivierung nach archivfachlichen Standards, sondern um eine fachverfahrensinterne Langzeitspeicherung. ….“
In der Publikation (PDF)werden die Argumente angeführt, die gegen derartige Lösungsansätze sprechen. Die Handreichung der Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag wurde am 25.09.2018 in Rostock beschlossen.

Literaturhinweis: „Die Maus Mitza im Archiv“ (Kinderbuch)

Reblog vom Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

„Ein Kinderbuch und die altehrwürdige, vielleicht etwas altmodisch wirkende Welt der Archive – geht dies zusammen? Es kann funktionieren, besonders wenn das Archiv von der vermutlich kleinsten „Archivpädagogin“ der Welt, der Maus Mitza, präsentiert wird.

Im Kinderbuch werden die Tätigkeiten von Archivarinnen und Archivaren für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter erklärt. Die kleine Maus erlebt zusammen mit dem Archivgespenst Ferdi einen spannenden Tag in einem Stadtarchiv und dessen Magazinen, in geheimen Gängen und Räumen, in der Welt historischer Dokumente und Urkunden. Selbst ein kindgerechtes Glossar wichtiger Archiv-Begriffe umfasst das Buch. Es basiert auf einer slowenischen Originalversion, dem Kinderbuch zweier Archivarinnen des Historischen Archivs in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. In Slowenien besteht die Maus Mitza-Reihe aktuell bereits aus drei Kinderbüchern, die jeweils von slowenischen Künstlerin Tina Brinovar sehr ansprechend illustriert worden sind. In Slowenien haben die Abenteuer der Maus Mitza teils auch Eingang in den Schulunterricht und in Theaterstücke gefunden.“

Die Maus Mitza im Archiv, Neustadt an der Aisch 2018 (Verlag Ph.C.W. Schmidt). ISBN: 978-3-87707-138-0. Preis: 14,90 Euro.

Erhältlich im Buchhandel sowie direkt im Stadt- und Stiftsarchiv bzw. beim Verlag.

Leiter des LWL-Archivamts ist neuer Vorsitzender der Bundeskonferenz der Kommunalarchive

Bei der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) ist Dr. Marcus Stumpf einstimmig zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt worden.
Foto: LWL

Bei der Herbstsitzung der Bundeskonferenz der Kommunalarchive (BKK) ist Dr. Marcus Stumpf, seit 2008 Leiter des LWL-Archivamtes für Westfalen, beim Deutschen Städtetag einstimmig zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt worden. Er übernimmt diese Aufgabe als Nachfolger von Dr. Ernst Otto Bräunche, Stadtarchivar von Karlsruhe, der seit 2002 Vorsitzender der BKK gewesen ist. „Es ist ehrenvoll und zugleich eine spannende Herausforderung für mich, die Interessen der vielen Gemeinde- und Stadtarchive in Deutschland zu vertreten, denn die Kommunalarchivarinnen und -archivare bilden zahlenmäßig die größte Archivcommunity in Deutschland“, sagt Stumpf. Der LWL-Chefarchivar ergänzt, dass er sich auf Bundesebene besonders auch für die Belange der vielen kleinen Archive einsetzen werde, was ja in Westfalen ohnehin Aufgabe des LWL-Archivamtes sei.

Quelle: LWL, Pressemitteilung v. 5.10.2018

Stolperstein zur Erinnerung an Kurt Buchheim

In Schwarzenau wurde am 17. September ein weiterer Stolperstein verlegt

Ferna Kreuger, Martina Schady-Singmann, Hartmut Prange und Dr. Gerda Achinger (von links) gehören zum Bad Berleburger Arbeitskreis für Toleranz und Zivilcourage, auf dessen Initiative hin der Stolperstein für Kurt Buchheim verlegt wurde.

Seit Mitte September 2016 erinnern diese Stolpersteine in Schwarzenau an Emma und Max Buchheim.

Am Montag, 17. September, wurde auf Initiative des Bad Berleburger Arbeitskreises für Toleranz und Zivilcourage an der Alexander-Mack-Straße ein weiterer Stolperstein verlegt. Dieser trägt den Namen von Kurt Buchheim, der am 20. Oktober 1912 in Schwarzenau geboren wurde. Sein Vater Siegfried fiel 1915 im Ersten Weltkrieg für das Deutsche Reich. Kurt musste deshalb ohne Vater aufwachsen und wurde in Berleburg zum Kaufmann ausgebildet. Er arbeitete dort und half zudem seiner Mutter Emma in ihrem Kolonialwarengeschäft in Schwarzenau. 1938 beantragte er die Ausstellung eines Reisepasses und floh nach Bogota in Kolumbien. Das war ein Ziel, wohin bereits vorher einige Wittgensteiner Juden geflüchtet waren. Dennoch fasste er dort allein offenbar nie richtig Fuß. Im Alter von nur 31 Jahren (Korrektur am 20. September 2018) starb Kurt am 28. Mai 1944 in Südamerika, fernab seiner Wittgensteiner Heimat. Und dennoch soll künftig ein Stolperstein neben dem für seine Mutter und dem für seinen Onkel an den gebürtigen Schwarzenauer erinnern. Weiterlesen

Forum Archivrecht der Archivschule Marburg zu amtlichen Unterlagen in Parteiarchiven


Teils seit vielen Jahrzehnten befinden sich wesentliche Teile von Politikernachlässen in Archiven parteinaher Stiftungen oder auch in privater Obhut, und zwar auch dann, wenn es sich um Unterlagen aus amtlicher Tätigkeit handelt. Viel diskutiert wird zum Beispiel über die Nachlässe der Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl, doch die gleichen Fragestellungen treten auch auf kommunaler und auf Landesebene auf. Und weil es sich um Problem des Verhältnisses von Staat und Parteien handelt, ist auch das Selbstverständnis des demokratischen Rechtsstaats betroffen.

Nach der Eröffnung durch die Leiterin der Archivschule, Dr. Irmgard Christa Becker, widmete sich der Archivrechtler Prof. Dr. Thomas Henne einem aktuellen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Thema der Tagung. Prof. Dr. Ewald Grothe vertrat die Friedrich-Naumann-Stiftung und bejahte die im Tagungstitel gestellte Frage, weil eine Trennung zwischen amtlich/nicht-amtlich kaum durchführbar sei, und diese Archivierung sei auch zulässig. Beiden Thesen widersprach der Präsident des Bundesarchivs, Dr. Michael Hollmann: Es gäbe zwar einen „Graubereich“ zwischen amtlichen und nichtamtlichen Unterlagen, über den verhandelt werden müsse. Im Übrigen seien aufgrund der Anbietungspflicht für amtliche Unterlagen staatliche Archive zuständig.

Birgit Krüger-Penski präsentierte eine archivübergreifende, kooperative Lösung der Helmut-Schmidt-Stiftung für den Nachlass des Altkanzlers. Anschließend beschrieb Prof. Dr. Frank Bösch als Vertreter des Verbandes der Historikerinnen und Historiker seine Erfahrungen als recherchierender Archivnutzer. Er machte deutlich, dass für die Historiker die Zugänglichkeit der Unterlagen und die Gleichbehandlung beim Zugang im Vordergrund stehen. Dr. Marc Steinert von der Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag brachte die Position der Kommunalarchive ein. Hier wurde deutlich, dass Nachlässe von kommunalen Amtsträgern in den parteinahen Stiftungsarchiven selten sind. Die Historikerin und Journalistin Dr. Gabriele Weber berichtete zusammen mit ihrem Rechtsanwalt Raphael Thomas über das aktuelle Gerichtsverfahren gegen das Bundeskanzleramt, das die von Frau Weber gewünschten Unterlagen in den 1960er Jahren an das Archiv einer parteinahen Stiftung abgegeben hatte. Dr. Jost Müller-Neuhof, rechtspolitischer Korrespondent des Tagesspiegels, informierte über ein paralleles Gerichtsverfahren, in dem er vom Bundeskanzleramt Auskunft darüber verlangt, welche amtlichen Unterlagen in den letzten Jahren und Jahrzehnten an Private und Archive der parteinahen Stiftungen abgegeben wurden. Weiterlesen

Archivierungsmodell „Natur, Umwelt und Verbraucher“ des Landesarchivs NRW

Das Landesarchiv NRW hat unlängst den Abschlussbericht der Projektgruppe Archivierungsmodell Natur, Umwelt und Verbraucher. Der 416 Seiten starke Bericht liegt als PDF-Datei vor. Er dokumentiert die Bewertungsentscheidungen des Landesarchivs für die Behördenunterlagen aus den drei Aufgabengruppen.

50 Jahre Stadt Kreuztal (1969- 2019)

Fotowettbewerb zum runden Geburtstag der Stadt Kreuztal

Kreuztal hat viele schöne Geschichten zu erzählen. Und wer könnte diese Geschichten besser in Bildern ausdrücken und festhalten, als die Menschen, die in Kreuztal leben und deren Heimat die Stadt am Kindelberg ist?

Bürgermeister Walter Kiß: „Die Stadt Kreuztal feiert im nächsten Jahr ihren 50. Geburtstag und wir wollen von den Bürgerinnen und Bürgern die schönsten fotografischen Eindrücke und Blickwinkel des vergangenen halben Jahrhunderts unserer Stadt bekommen. Ob Altbekanntes oder Neuentdecktes, Lieblingswinkel oder Panoramen. Teilen Sie mit uns ihre persönliche Kreuztaler Stadtgeschichte, zeigen Sie uns Ihren Blickwinkel auf den Wandel der Stadt in den vergangenen Jahren.“

Wie sah Dreslers Park vor der Öffnung zum Stadtpark aus?
Welche Mode bevorzugten die Kreuztalerinnen und Kreuztaler in den 60er-und 70er-Jahren?
Welche Kinderspiele waren und sind die schönsten?
Welches Lebensgefühl herrschte in der Stadt?
Was war und ist für Kreuztal unverwechselbar? Weiterlesen

Rückblick: 88. Deutscher Archivtag in Rostock

Tagungsort: Stadthalle Rostock

Verlässlich, richtig, echt, unabhängig (!)
Rund 700 Archivarinnen und Archivare trafen sich in der vergangenen Woche um sich unter dem Motto „Demokratie braucht Archive – Verlässlich, richtig, echt“ auszutauschen. In seinem Eröffnungsvortrag erweiterte Hans-Christian Ströbele das Archivtagsmotto – und es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass das Motto sinnvollerweise erweitert wurde. In seiner engagierten Rede stellte Ströbele die Unabhängigkeit der Archive heraus. Archive müssten außerhalb der Verwaltungshierarchien als eigenständige Körperschaft oder Stiftung existieren (vgl. den Rechnungsprüfungsinstitution). Nur so können Archive ihrer Kontrollfunktion für das Herrschaftswissen  gerecht werden und bspw. auf die problematischen Aktenvernichtungen reagieren.  Weiterlesen