Malaria – Spuren einer Krankheit

„Malaria hat Süditalien über Jahrhunderte hinweg geprägt. Zwei neue Forschungsprojekte von Dr. Lene Faust und Privatdozent Dr. Christian Franke untersuchen zum einen, wie die Krankheit bis heute gesellschaftliche Strukturen beeinflusst und was das für andere Pandemien bedeuten könnte. Zum anderen geht es um die Entwicklung von Malaria-Medikamenten in den 1920er- und 30er-Jahren in Italien und Deutschland.

Die Malariakommission des Völkerbundes bei einer Studienreise in die Hauptmalariagebiete Siziliens 1926. (Foto: Archiv des Völkerbunds/Collage: Stephanie Axt))

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Vortrag: Kinderverschickung in Westerwälder Erholungsheime

Einladung zum Vortragsabend im Landeshauptarchiv Koblenz, Karmeliterstraße 1-3, Dienstag, 14. April 2026, 18:00 Uhr

Zwischen den 1950er und den 1990er Jahren wurden in Deutschland schätzungsweise acht bis zwölf Millionen Kinder zu Kur- oder Erholungsaufenthalten in Heime geschickt. Auch im Westerwald existierten zahlreiche solcher Einrichtungen, die Kinder aus dem gesamten Bundesgebiet aufnahmen. Die Heime warben unter anderem mit den besonderen klimatischen Bedingungen des Mittelgebirges. Höhenlage, besondere Luftverhältnisse und günstige Sonnenbedingungen galten als förderlich für die Gesundheit und Erholung von Kindern.

Der Vortrag führt in das noch junge Forschungsfeld der sogenannten Kinderverschickung ein und beleuchtet deren Bedeutung für die Region des Westerwaldes. Im Mittelpunkt stehen erste Forschungsergebnisse zu Erholungsheimen in evangelischer Trägerschaft in Asbach, Altenkirchen und Rehe. Grundlage der Untersuchung sind sowohl archivalische Quellen als auch erste Erfahrungsberichte ehemaliger Verschickungskinder. Während die Archivalien Aufschluss über Gründung, Organisation und Alltag der Heime geben, eröffnen die Erfahrungsberichte eine zusätzliche Perspektive auf das Leben in den Einrichtungen aus Sicht der Kinder.

Abschließend gibt der Vortrag einen Ausblick auf offene Forschungsfragen und geplante zukünftige Forschungsprojekte.
Der Vortrag richtet sich sowohl an interessierte Bürger*innen als auch an regionale Historiker*innen.
Wir freuen uns, Sie zu dieser kostenlosen Veranstaltung einladen zu dürfen!
Bei einem Glas Wein wird sich die Möglichkeit für intensiven Austausch und Gespräch ergeben.

Kontakt: Dr. Christine Goebel, c.goebel@lav.rlp.de, Tel. 0261 9129-117
Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz, 26.2.26

Beiträge auf siwiarchiv zum Thema Verschickungskinder

Siegener Beiträge 30 (2026) erschienen

„Die Geschichtswerkstatt Siegen legt ihr 30. Jahrbuch vor. Mit 300 Seiten ist es prall gefüllt mit Aufsätzen zur regionalen Geschichte. Sie decken ein breites Spektrum ab und behandeln so unterschiedliche Themen wie Archäologie in Berg [Leander Wilhelm Kühn] und Bunker [Thomas Poggel], nähern sich den Biografien des unternehmerisch tätigen Theologen Tuchtfeld [Johannes Burkardt], des naturkundlich orientierten Lehrers Suffrian [Peter Kunzmann] und des Siegener Fotografen Siebel [Josef Wiesmann] an. Die Zeitgeschichte Siegens bildet mit den Anfängen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) [Bernd Plaum und Torsten Thomas], mit »Siegens neuer Mitte« [Katrin Minner] und mit dem Bunker auf dem Rosterberg einen eigenen Schwerpunkt des Bandes. Dazu zählt in einer gewissen Wese auch der Artikel zu Brambachs Haus [Christian Brachthäuser], der die jahrzehntelangen Forschungen zum Standort von Rubens Geburtshaus in Siegen abschließend zusammenfasst und umfassend präsentiert. Weiterlesen

Hohe Auszeichnung für Pastor Thomas Ijewski

Hexen, Pietismus und Denkmalpflege

„Ehrenamtliches Engagement ist die Superkraft unserer Gesellschaft.“ Mit diesen Worten begrüßte Mona Neubauer, stellvertretende Ministerpräsidentin, verdiente Persönlichkeiten in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Der Freudenberger Pastor Thomas Ijewski und 14 weitere hoch engagierte Bürgerinnen und Bürger aus NRW wurden mit den Verdienstorden des Landes ausgezeichnet. Damit ehrt die Landesregierung traditionell den herausragenden Einsatz für das Gemeinwohl und das Land Nordrhein-Westfalen.

 [Klicken, um das Bild zu schließen. Pfeiltasten für vorheriges / nächstes Bild.] Düsseldorf, 23.03.2026: Die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur überreicht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. © Foto: Land NRW / Ralph Sondermann

Düsseldorf, 23.03.2026: Die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur überreicht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Thomas Ijewski wurde begleitet von seiner Familie und Bürgermeisterin Nicole Reschke. In der Laudatio heißt es: „Thomas Ijewski ist evangelischer Pastor im Siegerland – genauer: im Fachwerkstädtchen Freudenberg. Seit etwa zwei Jahrzehnten engagiert er sich dort auch ehrenamtlich. Weiterlesen

Neue Handreichung der Diakonie Deutschland zu Aufbewahrungsfristen von Akten im Kontext der Hilfen zur Erziehung

Aufbewahrungspflicht „Teil des Leistungsumfangs der Hilfen zur Erziehung“ – nicht der öffentlichen Archive

Foto: Diakonie Deutschland

Die Diakonie Deutschland hat gemeinsam mit dem Evangelischen Erziehungsverband e. V. (EREV) im November 2025 eine Handreichung mit dem Titel „Anforderungen zur Aufbewahrungsfrist und Umsetzung der Archivierung von Akten im Kontext der Hilfen zur Erziehung nach dem Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“ veröffentlicht. Die Publikation richtet sich an diakonische Träger sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und bietet ihnen eine Orientierung bei der Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben.
Ausgangspunkt ist der neu eingefügte § 9b SGB VIII, der im Zuge des „Gesetzes zur Stärkung der Strukturen gegen sexualisierte Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“ die Aufbewahrungs- und Einsichtspflichten für Unterlagen aus der Kinder- und Jugendhilfe, sogenannte HzE-Akten, deutlich erweitert. Öffentliche und freie Träger sind nun verpflichtet, Erziehungshilfe-, Eingliederungshilfe-, Heim-, Vormundschafts- und Pflegschaftsakten sowie weitere einschlägige Dokumentationen im Sachzusammenhang bis 70 Jahre nach Vollendung des 30. Lebensjahres der betroffenen Person aufzubewahren und bei berechtigtem Interesse Einsicht zu gewähren. Weiterlesen

Open access: Jens Gründler/Katharina Tiemann (Hg.): Kinderkuren in Deutschland 1945 bis 1990

Perspektiven aus archivarischer und historischer Sicht. Forschungen zur Regionalgeschichte, Band 93, Paderborn 2026, Link

Die Autorinnen und Autoren eröffnen ein Panorama unterschiedlicher Dimensionen aus archivischer und historischer Perspektive von Kinderkuren, die in Deutschland zwischen 1945 und 1990 nach Schätzungen bis zu 13 Millionen Kinder und Jugendliche betroffen haben. Die Archivarinnen und Archivare präsentieren Bestände verschiedener Archive sowie rechtliche und praktische Fragen der Nutzung im Zusammenhang von Aufarbeitungsinteresse und Persönlichkeitsrechten. Die Historikerinnen und Historiker sondieren neue Forschungsfragen – u.a. zur longue durée der Kinderkuren oder der Kinderkurheime als andere Orte (Foucault) –, unternehmen in Fallstudien erste Erkundungen des Feldes in internationaler Perspektive und präsentieren Forschungsergebnisse zu „Medikamentenmissbrauch“ oder der Heimaufsicht. Zudem werden methodische Fragen im Kontext von Oral History und Auftragsforschung thematisiert sowie die museale Vermittlung im Kontext einer ausgewogenen Darstellung der Kinderkuren austariert.

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Vortrag: Der Elsoffer Bauernaufstand von 1725

Ein Kampf um Recht und Macht. Von Georg Braun

Donnerstag, 12. Februar 2026 Beginn: 19:00 Uhr 
Stadtbücherei Bad Berleburg, Dritter Ort – Bücherei der Zukunft, Poststraße 42, 57319 Bad Berleburg
Eintritt: 3,00 €
Eine Zeitreise 300 Jahre zurück in die Vergangenheit: 1725 sind die Elsoffer Bauern nicht mehr bereit, die hohen Belastungen durch Frondienste und Abgaben hinzunehmen. Es kommt zu einem blutigen Aufstand, der nicht folgenlos für Elsoff bleibt. Georg Braun beleuchtet in seinem Vortrag „Der Elsoffer Bauernaufstand von 1725 – Ein Kampf um Recht und Macht“ am Mittwoch, 19.11.2025, auch die Situation Wittgensteins in den Jahren 1690 bis 1725. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im „Dritten Ort – Bücherei der Zukunft“ in Bad Berleburg. Ein besonderes Augenmerk richtet Georg Braun auf die Rolle des Reichskammergerichts und auf Graf August David, Mitregent auf Schloss Laasphe 1719. Der Vortrag findet in Kooperation mit dem Wittgensteiner Heimatverein und dem Elsoffer Heimatverein im Rahmen der Reihe „Wittgenstein historisch“ statt.
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Stadtteilfest in der Fritz-Erler-Siedlung im Wandel der Zeit

Fotoausstellung von Henry Sterman im Kreuztaler Rathausfoyer

Bis 28. November lädt der Fotograf Henry Sterman die Besucherinnen und Besucher der Kreuztaler Rathauses auf eine kleine Zeitreise ein: Das Stadtteilfest in der Fritz-Erler-Siedlung im Wandel der Zeit. Von 2008 bis heute hat er immer wieder Fotos von diesem geselligen und friedlichen Miteinander gefertigt, die er nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Dabei wird auch die Bedeutung dieses Festes für den Stadtteil deutlich: „Das Stadtteilfest ist über die Jahre zu einem unverzichtbaren Teil des Lebens in der Fritz-Erler-Siedlung geworden“, so Henry Sterman. „Es wird von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern organisiert, was auch für das friedliche Miteinander in allen Bereichen verantwortlich ist. Für viele ist dies auch eine Gelegenheit, mit Stolz ihre Landestracht zu zeigen, ohne Vorurteile zu fürchten.“ Der Stolz auf die eigene Herkunft und die herzliche Einladung, die Traditionen und Landesküchen kennen zu lernen, ist Kernelement des Stadtteilfestes. An zahlreichen Ständen werden landestypische Speisen angeboten; mit einem großen abwechslungsreichen Bühnenprogramm wird die Veranstaltung zu einem bunten und fröhlichen Fest. Dreh- und Angelpunkt für die Organisation ist das Stadtteilbüro, in dem die vielen Ideen der Helferinnen und Helfer zusammenlaufen und koordiniert werden.

Bürgermeister Walter Kiß: „Die Ausstellung von Herrn Sterman zeigt eindrucksvoll die positive Entwicklung der Fritz-Erler-Siedlung anhand ihres Stadtteilfestes. Hier wird das friedliche Miteinander der Kulturen gefeiert und gleichzeitig Berührungsängste abgebaut – all das wird durch die Fotos von 2008 bis heute deutlich. Ich lade alle Interessierten herzlich ein, diese lebhafte Ausstellung im Kreuztaler Rathaus zu besuchen.“
Quelle; Stadt Kreuztal, Aktuelles, 15.10.2025

LWL-Video: Die soziale Frage in Westfalen

Eine kurze Geschichte Westfalens in der Moderne 02/04

„Die zweite Episode der neuen Staffel der „Kurzen Geschichte Westfalens“ in der Moderne widmet sich der „Sozialen Frage in Westfalen“. Im Mittelpunkt steht dabei die Märzrevolution von 1848/49. Eine größer werdende Bevölkerung und knappe Ressourcen führten nicht nur in Deutschland zu einer großen Schere zwischen Armut und Reichtum. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den herrschenden Ungerechtigkeiten führten zu Aufständen und Tumulten und letztendlich zur großen Nationalversammlung.

In Westfalen gilt die Revolution in 1848 häufig als „vergessene“ Revolution – zu unrecht. Denn auch die westfälische Bevölkerung zeigte ihre Unzufriedenheit im Widerstand und forderte unter anderem größere Freiheiten und Gleichheit. Was jedoch konnten die Aufstände erreichen? Wurden ihre Forderungen umgesetzt? Und wie kam die Revolution zu ihrem Ende?“

Erster bundesweiter Forschungsbericht zu ehemaligen Kinderkurheimen online

Elisabethheim Nauheim, Badehaus © Archiv für Diakonie und Entwicklung

– Link: HU-Studie Geschichte der Kinderkuren
– Link: Verzeichnis der Kindererholungs-, -kurheime und -heilstättenin der Bundesrepublik 1945–1989 (Stand: Mai 2025)

Der Deutsche Caritasverband, die Diakonie Deutschland, das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Rentenversicherung veröffentlichen heute eine umfassende und unabhängige Untersuchung zur Aufarbeitung des bundesdeutschen Kinderkurwesens zwischen 1945 und 1989. Die wissenschaftliche Arbeit hat ein Forschungsteam der Humboldt-Universität zu Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Nützenadel verantwortet. Das Forschungsteam arbeitete grundlegende Strukturen der Kindererholungskuren auf und ordnete diese in dem nun vorliegenden Forschungsbericht empirisch, sozialrechtlich, historisch und konzeptionell ein. Zum ersten Mal wurde das einstige bundesdeutsche Kinderkurwesen grundlegend und umfassend als Gesamtphänomen untersucht. Dafür haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler historische Dokumente aus rund 60 Archiven analysiert und zahlreiche Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt. Begleitet wurde die Forschung durch einen Projektbeirat. Diesem gehörten auch Vertreterinnen von Betroffeneninitiativen an.

Zwischen 1951 und 1990 verbrachten laut Schätzung der Autorinnen und Autoren 11,4 Millionen Kinder und Jugendliche Aufenthalte in Kinderkur- und -erholungsheimen sowie -heilstätten. Ziel der damaligen Kinderkuren war in der Regel die gesundheitliche Stärkung bei guter Ernährung und an frischer Luft. Verschickt wurden Kinder aus allen sozialen Schichten. Das Kinderkurwesen der alten Bundesrepublik war durch eine komplexe Struktur von Trägern, Fach- und Interessensverbänden, Entsendestellen und nicht zuletzt durch eine große Zahl von Heimen geprägt. Die Kuren wurden meist von Ärzten verschrieben oder von der „Fürsorge“, zum Beispiel von Jugend- und Gesundheitsämtern, veranlasst. Die Kosten trugen meistens Krankenkassen und damalige Rentenversicherungen. Die Einrichtungen waren überwiegend in privater Trägerschaft oder wurden von Wohlfahrtsverbänden, Kommunen oder anderen staatlichen Akteuren betrieben. „Auch wenn Kinder und Jugendliche positiv oder neutral von ihren Kuren berichten, war die Realität in den Heimen häufig eine andere. Das Kinderkurwesen erwies sich bis in die 1980er Jahre hinein als sehr beständiges Massenphänomen. Umso schwerer wiegt, dass sich erhebliche strukturelle Missstände ausmachen lassen, unter denen zahlreiche Kurkinder zu leiden hatten „, so Professor Nützenadel. Weiterlesen