Außen Neugotik – innen Überraschung!

Wie bei der Weihe von St. Augustinus Keppel in Hilchenbach-Dahlbruch ein Bischofsstab zu Bruch ging

Der 22. September des Jahres 1900 ist ein großer Tag für die Diasporagemeinde St. Augustinus Keppel in Dahlbruch, einem heute der Stadt Hilchenbach zugehörigen Ort im nördlichen Siegerland. Der Paderborner Bischof Dr. Wilhelm Schneider, erst seit wenigen Wochen im Amt, kommt eigens zur Weihe der im neugotischen Stil errichteten Kirche angereist. Es ist nicht irgendeine Dorfkirche. Nein, die Augustinus-Kirche ist das neue bauliche Zentrum einer Missionspfarrei, der neugotische Turm ein katholisches Leuchtfeuer in der sonst protestantischen Region. Bald schon wird das Gotteshaus ob seiner imposanten Erscheinung den Beinamen „Keppeler Dom“ tragen. Nun stößt Bischof Schneider, wie es Brauch ist, mit seinem Hirtenstab gegen das verschlossene Kirchenportal. Als früherer Professor für Moraltheologie ist Schneider wahrlich kein Haudrauf. Vielleicht liegt es an seiner Nervosität und Unerfahrenheit. Womöglich hatte der Krummstab schon vorher einen Knacks. Jedenfalls gerät der Schlag etwas zu wuchtig. Der Stab geht entzwei. Weiterlesen

Vortrag: Dr. André Hellmann (Aachen): „Historischer Kobalterzbergbau im Siegerland:

Vom Erz zum Kobaltblau“
25. Mai 2023, 18.30 Uhr (Einlass ab 18.00 Uhr), Eintrachtsaal (Siegerlandhalle), Eintritt frei

Grenzer Gang im Grenzer Stollen des Bergwerks „Alte Buntekuh“ (Foto: Karsten Binczyk, Valbert)

In der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ wird sich der Aachener Geologe Dr. André Hellmann mit den Spuren des Kobaltbergbaus im Siegerland beschäftigen.
Weit weniger bekannt als der Bergbau auf Eisenstein im Siegerland ist der Bergbau auf Kobalterze als Rohstoff zur Herstellung blauer Farben. Der Kobalterzbergbau im Siegerland hatte seinen Ursprung in Gosenbach auf Grube Storch im Jahr 1737, bereits 30 Jahre vor dem in Philipp Becher „Mineralogischer Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande nebest einer Geschichte des Siegenschen Hütten- und Hammerwesens“ (Marburg 1789) erwähnten Datum. Ab 1767 verbreitete sich der Kobalterzbergbau allgemein im Siegerland. Bekannte Bergwerke mit klangvollen Namen wie Grüner Löwe, Junkernburg, Wilderbär, Buntekuh und Philippshoffnung sind hiermit verknüpft. Die Einstellung des Kobalterzbergbaus im Siegerland erfolgte 1856 durch Verbreitung des künstlichen Ultramarins und dem damit einhergehenden Preisverfall. Zwischen 1885-1906 erfolge kurzzeitig ein Wiederaufleben des Kobalterzbergbaus. Die vorerst letzten Versuche einer Wiederaufnahme erfolgten im Rahmen des Vierjahresplanes der N.S.-Zeit auf Philippshoffnung.
Quelle: Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein, Terminplanung Siegener Forum

Literaturhinweis: Ulrich Friedrich Opfermann: „Stets korrekt und human“

Der Umgang der westdeutschen Justiz mit dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma

„Das Buch gibt erstmals einen systematischen Überblick zu einem bislang vernachlässigten Bereich der justiziellen Aufarbeitung des NS-Systems: dem Umgang mit den Verbrechen an den Sinti und Roma in westdeutschen NSG-Verfahren unter Einbezug des Tatraums Osteuropa. Die akribisch recherchierte Studie stellt zahlreiche Verfahren vor. Sie informiert über die rechtlichen Voraussetzungen des westdeutschen justiziellen Sonderwegs, zeichnet den Verfahrensgang nach und fragt nach den Rollen der Beschuldigten und Zeugen sowie des Justizpersonals. Im Mittelpunkt steht das als Großverfahren neben dem ersten Auschwitz-Prozess geplante Sammelverfahren zum „Zigeunerkomplex“ (1958–1970), das entgegen seinem Anspruch kaum Resonanz entfaltete und heute weitgehend vergessen ist.“

586 Seiten , Format 15,5 x 23,5, Hardcover, ISBN: 978-3-96822-197-7

Quelle: AG Universitätsverlage

Literaturhinweis zur westfälischen Mühlengeschichte

Für die Westfälisch-Lippische Mühlenvereinigung legte Christian Hoebel die Publikation „Topographie der historischen Windkraftanlagen. Zusammenstellung der erhaltenen Standorte in Westfalen-Lippe. III/Bereich Regierungsbezirk Arnsberg“ (Steinfurt 2023) vor. Die Publikation verweist für das Kreisgebiet auf die Lohwindmühle am Siegener Lindenberg.

Literaturhinweis: Dieter Bald: „Frieda Claudy – Poesie aus Wittgenstein.

Gedichtsammlung und Anmerkungen zu ihrem Lebenswerk“

„Sie halten das Ergebnis einer zweijährigen Recherche in Ihren Händen und ein Novum zugleich: Frieda Claudy (1880-1946) hatte ihre Gedichte über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in diversen Zeitungen veröffentlicht. Der Umfang ihres Gesamtwerkes war bisher unbekannt und konnte nunmehr erstmalig in dieser Form herausgegeben werden.
Die Suche nach Gedichten von Frieda Claudy führte uns zu 182 Werken, die es wert schienen, für die Nachwelt erhalten zu werden und die wir Ihnen im Rahmen dieser Dokumentation hier vorstellen wollen.
Einige Gedichte wurden bisher nie veröffentlicht und erleben in diesem Buch eine Premiere. Viele Gedichte waren längst vergessen, schlummerten in diversen Zeitungsarchiven, in der Bibliothek des Wittgensteiner Heimatvereins, in Pralinenschachteln, auf Dachböden privater Haushalte oder gehörten zu Nachlässen, die man hütete wie einen Schatz.
Zusammen mit der Gedichtsammlung werden einige spannende Anmerkungen zum Leben der Dichterin vorgestellt.“

Paperback, 340 Seiten, ISBN-13: 9783734769238

Quelle: Verlagswerbung

Ausstellung: „Siegen. Der subjektive Blick auf die Stadt“

Siegerlandmuseum, bis 17. 09. 2023

„Kommen Sie mit uns auf eine visuelle Zeitreise. Entdecken Sie Siegen anhand vertrauter und unbekannter Stadtansichten aus unterschiedlichen Zeiten neu. Erkunden Sie zudem Ihren eigenen, individuellen Blick auf die Stadt. Denn so viel ist klar: Den einen Blick auf die Stadt gibt es nicht, sondern ganz viele. Die Ausstellung weckt persönliche Erinnerungen, Emotionen und Assoziationen und macht selbst vor künstlicher Intelligenz nicht Halt. Ausgestattet mit sogenannten magischen Lupen können Sie selbst beeinflussen, was sie sehen, und sich einen Eindruck davon verschaffen, wie sich die Stadt wandelt und wie sie mit dem jeweiligen Zeitgeist verwoben ist. In fünf thematischen Ausstellungsbereichen wird Stadtgeschichte erkennbar und aus verschiedenen Richtungen befragt. Weiterlesen

Kunst im Treppenhaus: Plakativ


Sie informieren, mobilisieren, werben und provozieren: akkurat gerahmt oder anarchisch auf alles geklebt, was mehr oder weniger still hält‚‘verzieren‘ Plakate weltweit Mauern und Litfaßsäulen, Fenster und Schilder. Seit Jahrhunderten gehören ihre oft emotionalen Aussagen zum internationalen Stadt- und Landschaftsbild und sind längst Kulturgut der Aufmerksamkeitsökonomie. Ihr pointierter Blick auf die Zeitgeschichte macht sie darüber hinaus auch als visuelles Sammlungsgut für Archive interessant, da ihre graphische Gestaltung so manch schriftliche Überlieferung von Weltruhm treffend ergänzt oder regionale Geschichte erleb- und nachvollziehbar macht.
Unter Federführung des Kreisarchivs greift das Kultur!Büro. des Kreises Siegen-Wittgenstein nun in Zusammenarbeit mit den Archiven der Städte Kreuztal und Siegen und der Ausstellungsreihe „Kunst im Treppenhaus“ ihre besonderen zeitgeschichtlichen Aspekte im Siegener Kulturhaus Lÿz auf und präsentiert Exponate vor allem mit regionalhistorischem Bezug. So zeigt ein Plakat des Siegener Stadtarchivs das Innere des schon fast vergessenen ehemaligen Stadtbades am Kaisergarten und informiert augenzwinkernd über Öffnungszeiten und Ausstattung des Schwimmbades. Ein weiteres lädt 1949 zu einem Goethe-Vortrag ein und regt damit heute Forschungen zur Kulturarbeit an. Manchmal dokumentieren Plakate aber auch Weltgeschichte: Von der Siegener Schacholympiade 1970 – anstelle des Austragungsortes Budapest – bis hin zum ältesten Plakat aus den Beständen des Siegener Stadtarchivs, das die Kapitulation Frankreichs am Ende des deutsch-französischen Krieges 1871 bezeugt. Doch auch Subkultur(en) oder neue soziale Bewegungen haben sich oft plakativer Mittel bedient, um ihre Anliegen bekannter zu machen, sodass eine große Plakatwand von der Geschichte der regionalen Rockmusik kündet oder ein weiteres Exponat die Siegener Hausbesetzerszene bildlich zu Wort kommt lässt.

Die Ausstellung „Plakativ“ ist vom 1. Mai bis 1. September jeweils von Montag bis Freitag zu den Geschäfts- und Öffnungszeiten des Siegener Kulturhauses Lÿz kostenlos zugänglich. Weitere Infos: www.lyz.de

„Der Hauberg“: Filmabend im Museum Wilnsdorf

Das Museum Wilnsdorf holt den historischen Film „Der Hauberg“ aus dem Archiv (Foto: Filmausschnitt)

Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Wahlbacher Filmemachers Gerhard Schäfer und als besonderes Highlight im „Museumsgeburtstagsjahr“ zeigt das Museum Wilnsdorf am Sonntag, 21. Mai, den in den frühen 1970er Jahren entstandenen Farbfilm „Der Hauberg„.
Der Film wurde mit zahlreichen Statisten im südlichen Siegerland gedreht und hält alle Stationen der traditionsreichen Haubergswirtschaft in einem einzigartigen Filmdokument fest.

Vorab anmelden

Da das Museum nur über die begrenzte Anzahl von 75 Sitzplätzen verfügt, wird der Film am gleichen Abend zweimal gezeigt werden, ab 18.00 Uhr und ab 19.30 Uhr. Alle Interessenten werden gebeten, sich telefonisch unter 02739 802-211 oder persönlich während der Öffnungszeiten des Museums (Mi-So, jeweils 14 bis 18 Uhr) anzumelden. Der Eintritt ist frei.

Bei mehr als 150 Anmeldungen wird es im Herbst noch einmal eine Vorführung des Filmes geben.
Quelle: Gemeinde Wilnsdorf, Aktuele Nachrichten, 8.5.2023

Unterschiedliche Blickwinkel sorgen für Konflikte

Bürgerwissenschaften – ist gemeinsames Forschen von Experten und Laien möglich?

neutsch

Der Soziologe Prof. Dr. Cornelius Schubert (TU Dortmund) moderierte die Diskussion rund um das Theam „Citizen Science“. Fotos: kk

Universitäten haben mittlerweile drei Aufgabenbereiche: Forschung, Lehre und Transfer. Der Wissen(schafts)-Transfer gilt als „dritte Mission“ und gewinnt an Bedeutung vor allem auch mit Blick auf die Bewilligung von Drittmitteln. Citizen Science – also Bürger*innenwissenschaften – können ein Aspekt dieser „dritten Mission“ sein. Grundsätzlich beschreibt Citizen Science einen Ansatz, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse von Personen, die nicht hauptberuflich in der fachzugehörigen Wissenschaft tätig sind, mit oder ohne Beteiligung von hauptamtlich Forschenden, gewonnen werden. „Citizen Science als Konfliktfeld zwischen Experten- und Laienwissen“ lautete der Titel einer Podiumsdiskussion, mit der die öffentliche Vortragsreihe Forum Siegen ins Sommersemester startete. Das Schwerpunktthema wurde dem Wissenschaftsjahr 2023 „Unser Universum“ entlehnt. Weiterlesen

Kultur auf dem Scheiterhaufen

Lesung mit Superintendent Stuberg am Evangelischen Gymnasium Siegen-Weidenau

„Ihr seid die Zukunft der Erinnerung in Deutschland“, adressiert Dr. Aspelmeier vom Aktiven Museum Südwestfalen an die jungen Zuhörenden, die sich im Selbstlernzentrum des Evangelischen Gymnasiums Siegen-Weidenau (Evau) versammelt hatten. Eine sehr passende Ortswahl, wie Aspelmeier hervorhob, handelt es sich doch um eine Bibliothek.

Der Film „Im Westen nichts Neues“, kürzlich mit vier Oskars ausgezeichnet, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque von 1929. Die Erzählung stand  im Projekt „Kultur auf dem Scheiterhaufen“ exemplarisch für Literatur, die im Nationalsozialismus verfemt und verbrannt wurde. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein, Peter-Thomas Stuberg, las den gebannt lauschenden Schülerinnen und Schülern des Evaus daraus vor. Veranstaltet durch das Aktive Museum Südwestfalen in Kooperation mit dem Germanistischen Seminar der Universität Siegen, soll die Veranstaltungsreihe junge Menschen über die dramatischen Geschehnisse von vor 90 Jahren informieren und soll sie sensibilisieren, eine Herzensangelegenheit von Dr. Jens Aspelmeier und Dr. Jana Mikota, Germanistin an der Universität Siegen. Weiterlesen