#Archiverinnerungskultur – eine nicht nur archivische Blogparade

Anlässlich seines 9. Geburtstag startet  siwiarchiv auch in diesem Jahr eine Blogparade
Das Verhältnis von Archiven und Erinnerungskultur ist das Thema dieser Blogparade. Archive verstehen sich auch als zentrale Anlaufstelle für die Geschichte ihres Trägers.  Größere kommunale Archive machen dies dies zum Teil durch die Umbenennung in Institut für Stadtgeschichte deutlich – manchmal erzwungernermaßen. Dieses Selbstverständnis rückt einerseits die Kooperation von Archiven mit anderen erinnerungskulturell tätigen Einrichtungen (Museen, Gedenkstätten, oder im weitesten Sinne historischen Vereinen etc.) in den Fokus der Blogparade. Andererseits sind Archive an der erinnerungskulturellen Arbeit ihrer Träger oftmals alleinverantwortlich tätig, z. B. bei Jubiläen oder gutachterlichen Stellungnahmen bei Benennungen oder zur historischen Bewertung von Persönlichkeiten oder Ereignisse.
Von grundsätzlichen Überlegungen zum Verhältnis erinnerungskultureller und archivischer Arbeit bis hin zu (best/worst-)practise-Beispielen ist im Rahmen der Blogparade alles möglich. Interessant dürfte neben der archivischen Sicht auch der Blick der übrigen in der Erinnerungskultur Tätigen auf die Rolle der Archive in der Erinnerungsarbeit sein.
Zur Teilnahme gebeten sind neben den archivischen Weblogs daher auch die Geschichtsblogosphäre und (geschichts)kulturaffine Bloggende. Beiträge werden bis zum 28. Februar 2021 15. März 2021 angenommen. Wir sind gespannt und freuen uns auf jedes einzelne „Geburtstagsgeschenk“!
Tanja Praske gibt übrigens 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade: Weiterlesen

„Neuer Alltag“ mit Corona in einem südwestfälischen Kreisarchiv

Ein Beitrag zur Blogparade #KulturAlltagCorona von Thomas Wolf

Mit dem Lockdown in Nordrhein-Westfalen Mitte März war auch das Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein unmittelbar von der Pandemie „betroffen“. Alle Funktionseinheiten der Kreisverwaltung wurden aufgefordert Mitarbeitende zu benennen, um u. a. die sogenannte Corona-Hotline des Kreises zu unterstützen. Aus diversen Gründen habe ich mich für diese Aufgabe gemeldet und komme dieser bis heute nach. Neben der Hilfe für die Anrufenden (hoffentlich?) kristallisierte sich ein Mehrwert für die zukünftige Archivarbeit heraus: das Kennenlernen der vielfältigen Aspekte der Pandemie wird in die zukünftige Überlieferungsbildung des Archivs einfließen – nicht nur durch einen Aufruf zur Dokumentation der Pandemie im Kreisgebiet, sondern auch durch die Berücksichtigung der am Telefon gemachten Erfahrungen bei der Bewertung des behördlichen Schriftgutes auf dessen Archivwürdigkeit hin.
Bald bestand für zwei Mitarbeitende des Kreisarchivs eine unkomplizierte Möglichkeit des tageweisen home office. Die Neustrukturierung der Archivarbeit muss sich zwar noch einspielen, stellt sich aber bisher als praktikabel heraus. Eine signifikante Serviceeinschränkung ist jedenfalls nicht erkennbar. Weiterlesen

#archivesindnichtneutral – Fazit einer Blogparade

#archivesindnichtneutral fokussierte sich fast ausschließlich auf die Diskussion in den Kommentaren zum Aufruf über die vermeintliche Neutralität archivischer Bewertungsentscheidungen. Andere Aspekte archivischer Arbeit – Erschließung, Zugänglichmachung – blieben unberücksichtigt. Die Rolle der Archive in der demokratischen Gesellschaft blieb ebenfalls undiskutiert.
Lediglich das Stadtarchiv Darmstadt weitete mit seinem Beitrag den Blick auf das Thema.
Welches Fazit kann man nun ziehen? Ist den Archivierenden wie auch den Archivnutzenden gleichgültig, ob Archive neutral sind bzw. sein sollten? Wenn ja, wie steht es dann um die Bedeutung von Archiven als systemrelevante Eckpfeiler einer demokratischen Gesellschaft – in Zeiten, in denen diese von einer nicht mehr zu vernachlässigenden Anzahl von Bürger*innenin Frage gestellt wird?

Siwiarchiv-Blogparade: #Archivesindnichtneutral ?

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass siwiarchiv an seinem Geburtstag eine Blogparade startet.

Im September 2018 verabschiedete der Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands eine vieldiskutierte Resolution zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie. In der deutschen Archivwelt ist es zu weder zu einer Diskussion über die Neutralität der Archive in einer gefährdeten demokratischen Gesellschaft gekommen, geschweige denn zu einer Resolution.

Dies führt zu Fragen, um die die Texte der Blogparade kreisen können: Wie neutral  müssen Archive aus Sicht der Archivnutzenden oder der Archivträger sein? Fehlt eine vergleichbare Resolution der deutschen Archivwelt zur Demokratie? Wenn ja, wie könnte dies aussehen? Wie neutral sind archivische Arbeitsweisen, z. B. bei Bewertungsfragen, in ihrer Öffentlichkeitsarbeit oder bei der Archivpädagogik? Ist Neutralität ein Faktor in der alltäglichen Archivarbeit?

Zur Teilnahme gebeten sind neben den archivischen Weblogs daher auch die Geschichtsblogosphäre und (geschichts)kulturaffine Bloggende. Beiträge werden bis zum 29. Februar 2020 angenommen. Wir sind gespannt und freuen uns auf jedes einzelne „Geburtstagsgeschenk“!
Tanja Praske gibt übrigens 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade: Weiterlesen

Was bedeutet Demokratie für Archive?

Ein Beitrag zur Blogparade „Was bedeutet mir die Demokratie? #DHMDEMOKRATIE“

Dem Thema der Blogparade des Deutschen Historischen Museums möchte ich mich mit der Beantwortung von zwei Fragen nähern.
1) Was bedeutet Demokratie für ein kommunales Archiv?
Demokratie bedeutet für ein Kommunalarchiv zunächst einmal Arbeit. Das Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein dokumentiert die Überlieferung der demokratischen Institution seines Trägers, des Kreises Siegen-Wittgernstein, und dessen Vorgängern die Kreises Siegen und Wittgenstein. Dokumentation „umfasst die Aufgaben Unterlagen zu erfassen, zu bewerten, zu übernehmen und das übernommene Archivgut sachgemäß zu verwahren, zu ergänzen, zu sichern, zu erhalten, instand zu setzen, zu erschließen, zu erforschen, für die Nutzung bereitzustellen sowie zu veröffentlichen.“ – so formuliert das Archivgesetz Nordrhein-Westfalen die zu bewerkstelligenden archivischen Arbeiten in § 2 (7).
Zurzeit umfasst die politisch-demokratische Überlieferung des Kreisarchivs 641 Archiveinheiten – Protokolle von Kreistagssitzungen und Ausschusssitzung. Die Überlieferung beginnt im Jahr 1866 und reicht bis in die 2000er Jahre. Alle Unterlagen sind nach Maßgabe des o. g. Archivgesetzes benutzbar.

Spannender als diese archivische Routinearbeit ist die Frage, wie weit sich Archive öffnen? Offene Archive, Partizipation sind die Schlagworte in der aktuellen archivischen Grundsatzdiskussion. Die Beteiligung der demokratischen Gesellschaft an der archivischen Bewertung, der Auswahl des archivwürdigen Dokumentationsgutes und der Vernichtung des nicht archivwürdigen, wird zurzeit sehr intensiv diskutiert. Strittige Bewertungsentscheidungen waren ja unlängst publik geworden. Schweizer Erfahrungen stimmen allerdings optimistisch und regen auch zu Pilotprojekten bei Kommunalarchiven an.

1) Geht Demokratie eigentlich ohne Archive? Weiterlesen

Warum #Archivpolitik? Was folgt aus der siwiarchiv-Blogparade:

Offensichtlich sind Archivar*innen vorsichtig und behutsam. Die sparsame Beteiligung an der aktuellen Blogparade lässt dieses Fazit zu. Einschlägigen Beiträgen in der Fachzeitschrift, den prominent besetzten Eröffnungsvorträgen auf deutschen Archivtagen oder einen Diskussionsrunde auf dem ersten deutschen ArchivCamp in Duisburg bleiben wir diskret – obwohl die Skandale, Merkwürdigkeiten, etc. ….. nicht abreißen: Einsturz des Hostorischen Archivs der Stadt Köln, Verlegung des Staatsarchivs Würzburg nach Kitzungen, verschwundene Geheimdienstakten, Bundeslöschtage, geplante Legalisierung des Verkaufs von kommunalen Archivgut in NRW, die gelöschten E-Mails vvon Ministerpräsident Mappus in Baden-Württemberg ….. oder zuletzt die Mittelstreichungen für des Archiv für alternatives Schrifttum (afas) in Duisburg. Ganz zu schweigen von dem üblichen Kampf um Ressourcen (Raum, Personal, Geld). Weiterlesen

Siwiarchiv-Blogparade: „#Archivpolitik“

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass siwiarchiv an seinem Geburtstag eine Blogparade startet.

Auf dem diesjährigen Rostocker Archivtag betonte Hans-Christian Ströbele die Kontrollfunktion von Archiven in der Demokratie und die daraus resultierende Einbindung in die Verwaltung. Ein Archiv sollte “ …. in eine eigenständige Körperschaft überführt werden, um so dessen Unabhängigkeit zu stärken….. “ Schon auf dem Bremer Archivtag (2011) hatte Heribert Prantl die „Demokratierelevanz“ der Archive formuliert. Er führte weiter aus: “ ….. Der archivarische Schöpfungsakt ist ein politischer Akt, weil er auswählt, weil er darüber urteilt, was zukunftsbedeutsam ist und was nicht. Der homo conservator ist ein homo politicus. Sein Schöpfungsakt entscheidet, welche Quellen versiegen und welche aus der Vergangenheit in die Zukunft fließen; er entscheidet, welche Texte, Töne und Bilder später einmal die Erinnerung und das kollektive Gedächtnis stimulieren können. Der Archivar formt aus einem Haufen von geschriebenen, gedruckten und gespeicherten Materialien einen Kosmos der Ordnung.
….“ Helge Kleifeld hat sich  unlängst in seiner Dissertation „Archive und Demokratie“ eingehender mit der Thematik auseinandergesetzt.
Die mehrfach formulierte Bedeutung von Archive für die demokratische Gesellschaft korreliert aber nicht immer mit der aktuellen Tagespolitik, wie z. B. jüngst die Mittelstreichungen für das Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg gezeigt haben.
Dieses Spannungsverhältnis führt zu Fragen, um die die Texte der Blogparade kreisen können: Was erwarten Archive von der Politik? Umgekehrt: Was die Politik von den Archiven? Welchen Wünsche, Forderungen etc.  haben die Archivnutzenden an Politik und Archive? Wie sah die Rolle der Archive in anderen politischen Systemen aus?

Zur Teilnahme gebeten sind neben den archivischen Weblogs daher auch die Geschichtsblogosphäre und (geschichts)kulturaffine Bloggende. Beiträge werden bis zum 28. Februar 2019 angenommen. Wir sind gespannt und freuen uns auf jedes einzelne „Geburtstagsgeschenk“!
Tanja Praske gibt übrigens 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade: Weiterlesen

Siwiarchiv-Blogparade: „Zukunft der Archive – Archive der Zukunft“

Es ist bereits zu einer Tradition geworden, dass siwiarchiv an seinem Geburtstag eine Blogparade startet.

In diesem Jahr soll der Blick in die Zukunft gerichtet werden. Auf dem Wolfsburger Archivtag „wagte“ der Vertreter des transkribus-Projekts aus dem Blickwinkel der immensen Fortschritte in der automatischen Handschriftenerkennung die These, dass sich die archivische Arbeit in den kommenden Jahren radikal verändern werde. Der Weg der Archive zu ihren Kunden in der digitalen Welt verändert bereits heute die archivische Arbeit. Open Goverment und der Wandel in der Welt der (Verwaltungs-)Arbeit haben ebenfalls Auswirkungen auf das Archivieren.
Daher bittet siwiarchiv um Texte, die folgende Fragen zu beantworten versuchen: Wie werden Archive und Archivierende in der Zukunft arbeiten? Was wünschen sich die Nutzerinnen und Nutzer? Was die Archivträger?

Zur Teilnahme gebeten sind neben den archivischen Weblogs daher auch die Geschichtsblogosphäre und (geschichts)kulturaffine Bloggende. Beiträge werden bis zum 28. Februar 2018 angenommen. Wir sind gespannt und freuen uns auf jedes einzelne „Geburtstagsgeschenk“!
Tanja Praske gibt übrigens 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade: Weiterlesen

„Welche archivischen Blogs Ihr schon immer schreiben wolltet, aber nicht zu tun wagtet“

Blogparade: siwiarchiv wird 5 Jahre alt

Heute vor fünf Jahren erschien der erste Eintrag auf siwiarchiv. Es hat uns Spaß gemacht – doch genug der Rückschau. Unlängst wurde die schwierige Lage der deutschsprachigen,  archivischen Weblogs von Klaus Graf beleuchtet. Wir sind allerdings der Meinung, dass da noch mehr möglich ist und wollen mit Hilfe einer Blogparade – aber auch Kommentare von Nicht-Bloggenden sind gerne gesehen – die Möglichkeiten für archivische Blogs ausloten.

Das Thema der siwiarchiv-Blogparade ist, welche Archive sollten mit dem Bloggen beginnen oder es ausbauen? Welche archivischen Themen sollten in einem Blog behandelt werden? Welche eigenen Blogideen, die die archivische Arbeit berühren, habt Ihr? Als Anregung findet Ihr hier ein Liste aktiver und inaktiver deutschsprachiger Archivweblogs.
Zur Teilnahme gebeten sind neben den archivischen Weblogs daher auch die Geschichtsblogosphäre und (geschichts)kulturaffine Bloggende. Beiträge werden bis zum 28.2.17 angenommen. Wir sind gespannt und freuen uns auf jedes einzelne „Geburtstagsgeschenk“!
Tanja Praske gibt übrigens 10 Tipps für die erfolgreiche Teilnahme an einer Blogparade:: Weiterlesen

Vor 36 Jahren kamen die ersten Vietnam-Flüchtlinge in das Siegerland

Ein Beitrag zur Blogparade #refhum: Flüchtlinge und Migration in den Geisteswissenschaften

refhumBei den Aufräumarbeiten in den Kellern des Kreishauses stieß ich 2004 auf Akten des Kreissozialamtes, die sich mit Aufnahme vietnamesischer Flüchtlinge im Kreisgebiet beschäftigen.
Am 28. November 1979 erreichten die ersten 35 Flüchtlinge (6 Familien und 4 Einzelpersonen) per Bus aus dem Durchgangslager Unna-Massen kommend die Gemeinde Burbach. Die Initiative ging von der Burbacher Aktionsgruppe „Vietnam-Flüchtlinge“ aus, der neben dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde Burbach, Hartmut Hering, kirchliche Gruppen und auch ein Vertreter eines örtlichen Kreditinstituts angehörten. Am 25. September 1979 hatte der Rat der Gemeinde Burbach die Unterstützung der Arbeitsgruppe beschlossen und sich damit einverstanden erklärt, „daß über das festgelegte und bereits erfolgte Kontingent hinaus Asyl-Bewerber, sofern es sich um Flüchtlinge aus Vietnam handelt, in Burbach aufgenommen werden sollen.“ Die Arbeitsgruppe sah ihre Aufgaben in der Wohnraum- und Arbeitsplatzbeschaffung, Betreuung bei Einkäufen, Arztbesuchen sowie Behördengängen und in der Unterstützung der finanzielle Hilfe.
Probleme bereiteten den Neuankömmlingen vor allem das ungewohnte Klima sowie die neu zu lernende Sprache.

Anhang: Chronologische Auswertung: Kreisarchiv Siegen Wittgenstein, Sozialamt, Aktenband Vietnamflüchtlinge, Aktenzeichen  50 62 04: Weiterlesen