„Neuer Alltag“ mit Corona in einem südwestfälischen Kreisarchiv

Ein Beitrag zur Blogparade #KulturAlltagCorona von Thomas Wolf

Mit dem Lockdown in Nordrhein-Westfalen Mitte März war auch das Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein unmittelbar von der Pandemie „betroffen“. Alle Funktionseinheiten der Kreisverwaltung wurden aufgefordert Mitarbeitende zu benennen, um u. a. die sogenannte Corona-Hotline des Kreises zu unterstützen. Aus diversen Gründen habe ich mich für diese Aufgabe gemeldet und komme dieser bis heute nach. Neben der Hilfe für die Anrufenden (hoffentlich?) kristallisierte sich ein Mehrwert für die zukünftige Archivarbeit heraus: das Kennenlernen der vielfältigen Aspekte der Pandemie wird in die zukünftige Überlieferungsbildung des Archivs einfließen – nicht nur durch einen Aufruf zur Dokumentation der Pandemie im Kreisgebiet, sondern auch durch die Berücksichtigung der am Telefon gemachten Erfahrungen bei der Bewertung des behördlichen Schriftgutes auf dessen Archivwürdigkeit hin.
Bald bestand für zwei Mitarbeitende des Kreisarchivs eine unkomplizierte Möglichkeit des tageweisen home office. Die Neustrukturierung der Archivarbeit muss sich zwar noch einspielen, stellt sich aber bisher als praktikabel heraus. Eine signifikante Serviceeinschränkung ist jedenfalls nicht erkennbar.

Die aus den Abstands- und Kontaktbeschränkungen resultierende Schließung öffentlicher Gebäude machte persönliche Benutzungen und Besprechungen mit mehr als drei Personen zunächst unmöglich. Ferner zwangen sie anstehende historische Jubiläen (z. B. 125 Jahre Omnibus oder 50 Jahre Schacholympiade), an denen das Kreisarchiv mitwirkte, in das kommende Jahr zu verschieben. Während für Nutzungen und Besprechungen digitale Ersatz(?)formen vorhanden warem, waren digitale Konzepte für historische Feierlichkeiten weder entwickelt noch durchführbar. Allerdings zeigen die vielfältigen, regionalen Streaming-Angebote (z. B. Virtueller Hut, Bruchwerk-Theater) oder open-air-Ausstellungen Möglichkeiten für die Zukunft auf.
Das Blog siwiarchiv, das u. a. vom Kreisarchiv administriert wird, ist das zentrale digitale Medium, um archivische und regionalhistorische Themen zu transportieren.Das Blog erfuhr und erfährt während der Corona-Krise eine höhere Aufmerksamkeit als im Vorjahreszeitraum:

Vor allem der Verweis auf digitale Quellen, Literatur etc. erreichte eine hohe Leserschaft. Erstaunlichaus meiner Sicht war und ist es immer noch,, dass ebenfalls Beiträge zur „Spanischen Grippe“ (1918-1920) offensichtlich gerne gelesen wurden. Ich war davon ausgegangen, dass eher unterhaltende, bzw. nicht auf die aktuelle Situation bezogene Inhalte gelesen werden.
Der Ausbau weiterer digitaler Formen (Web-Seminare, Online-Ausstellungen …..) ist aus Ressourcengründen noch nicht erfolgt, bzw. wird eventuell in Kooperation (z. B. mit der Kreis-VHS) zukünftig realisiert werden können. Denn sie stellen eine weitere Möglichkeit dar, die Archive im Kreisgebiet  bzw. das Kreisarchiv in der Region Siegen-Wittgenstein zu präsentieren und (!) mit den Nutzer*innen dieser neuen Angebote unmittelbar in Kontakt zu kommen.
Bei aller Freude über die Entwicklung neuer Formate geht das Persönliche, das Soziale der Archivarbeit verloren. Es kann m. E. nicht in vollem Umfang durch die neuen Formen ersetzt werden. Wer bspw. die Onlinekonferenzen Revue passieren lässt, weiß, dass die gemeinsamen Kaffeepausen oder das gemeinsame Essen oft analoge Gelegenheiten waren, die meist Anderes als das Konferenzthema förderten.

4 Gedanken zu „„Neuer Alltag“ mit Corona in einem südwestfälischen Kreisarchiv

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