Kultur und Inklusion: Schweigen und Langsamkeit zulassen

Die Siegener Junior-Professorin Dr. Juliane Gerland hat die Tagung organisiert. Prof. Dr. Grabriele Weiß ist Prorektorin für Bildungswege und Diversity.

Die Siegener Junior-Professorin Dr. Juliane Gerland hat die Tagung organisiert. Prof. Dr. Grabriele Weiß ist Prorektorin für Bildungswege und Diversity.

Zwei Tage lang haben Expert*innen an der Uni Siegen über Inklusion in Kunst und Kultur gesprochen. Im Mittelpunkt der Tagung “Kultur.Inklusion.Forschung” standen zahlreiche Praxisbeispiele wie Museumsführungen für Demenzkranke.

Ein Museumsprogramm speziell für Menschen mit Demenz. Das gibt es am „Museum of Modern Art“ in New York – und seit März auch am Museum für Gegenwartskunst (MGK) in Siegen. Mitarbeiterin Kirsten Schwarz bietet die speziellen Führungen an. Bei der Tagung „Kultur.Inklusion.Forschung“ an der Universität Siegen hat sie jetzt von ihren Erfahrungen berichtet. Wissenschaftler*innen und Fachleute aus ganz Deutschland und der Schweiz waren ins Artur-Woll-Haus gekommen, um sich über Möglichkeiten der Inklusion in Kunst und Kultur auszutauschen. Ihre zentrale Frage: Wie können wir Menschen mit Behinderung Kunst und Kultur zugänglich machen? Weiterlesen

LWL veröffentlicht Buch zu “Inklusion und Exklusion”

Gesellschaftliche Teilhabe und Ausgrenzung im 19. und 20. Jahrhundert

WF6516

Das Internationale Kriegs-Opfer-Bulletin – hier eine Ausgabe aus dem Jahr 1930 – steht mit seinen Grafiken und Fotos, die Schlachtfelder mit toten Soldaten, Kriegsverletzte und Gefangene mit abgemagerten und entstellten Körpern zeigen, in starkem Kontrast zu anderen Bildern, die die Integration der Kriegsversehrten zu zeigen versuchten. Foto: LWL

Die verschiedenen Entwicklungen, Phänomene sowie Praktiken von Teilhabe und Nicht-Teilhabe in den vergangenen 200 Jahren sind das Schwerpunktthema im Band 65 der Westfälischen Forschungen, der jährlich erscheinenden Zeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) versteht sich als “Motor der Inklusion”, um gleichwertige und selbstbestimmte Lebensverhältnisse von Menschen mit und ohne Behinderung zu ermöglichen. Das heutige Verständnis von Inklusion als sozial-, bildungs- und kulturpolitische Programmatik ist eine junge Definition. Erst seit den 1990er Jahren dient das Begriffspaar “Inklusion/Exklusion” zur kritischen Selbstbeschreibung westlicher Gesellschaften.

  • Die Autoren der elf Beiträge thematisieren unter Kategorien wie kultureller Identität, Nationalität, Klasse, Schicht, (Nicht-)Behinderung, chronische Krankheit und sexuelle Orientierung, was im jeweiligen historischen Kontext zum Beispiel von staatlicher und kirchlicher Seite als “normal” angesehen wurde und was nicht. Fallstudien – unter anderem zum Umgang mit Armut auf dem Land, über den Strafvollzug in der Weimarer Republik, zur Heimerziehung und zu den Auswirkungen der Psychiatriereform in Westfalen – veranschaulichen Inklusions- und Exklusionsprozesse in der Geschichte. Sie vermitteln zudem neue Einsichten zum gesellschaftlichen Umgang mit menschlicher Verschiedenheit. “Das Begriffspaar In- und Exklusion hilft, sich darüber klar zu werden, dass niemand nur ‘anders‘ beziehungsweise nur ‘ausgegrenzt‘ ist”, sagt Dr. Elsbeth Bösl, Herausgeberin des Themenschwerpunktes der Westfälischen Forschungen 2015. Die Verfasser der Beiträge haben an Beispielen des 19. und 20. Jahrhunderts eine Vielzahl von Ein- und Ausschlüssen mit Widersprüchen, Uneindeutigkeiten und Ungleichzeitigkeiten zutage gefördert.” Während etwa linke Kriegsopferverbände die Bilder von Verstümmelungen als politisches Druckmittel einsetzten, betonten andere die Chancen einer (begrenzten) Integration – je nach politischer Zielsetzung wurden also unterschiedliche Stufen der Inklusion und Exklusion angedeutet. Weiterlesen