Vor 90 Jahren: Auswanderung aus dem Siegerland nach Brasilien

„Auswanderung nach Brasilien

Die hohe Arbeitslosigkeit führte zu einer Verelendung breiter Bevölkerungsschichten, denn die Arbeitslosen bekamen entweder gar keine Unterstützung oder eine so geringe, daß ein Leben in Würde unmöglich wurde. Bereits 1924 schrieb der Landrat des Kreises Siegen an den Regierungspräsidenten Arnsberg:

„Wie bereits in meinem vorherigen Berichte erwähnte, reichen die für die Arbeitslosen festgesetzten Unterstützungen nicht einmal zu Bestreitung des notwendigsten Lebensunterhaltes aus. ….“1)

Er berichtet weiter, daß viele Arbeitslose infolge ihrer Not aus dem Siegerland auswanderten. Hauptsächlich nach Brasilien. Es wurden hierzu sogar richtige Transporte organisiert, für die in den Tageszeitungen geworben wurde. Die Auswanderer waren nicht selten ältere, alt eingesessene Leute, die ihre Habe wie z. B. Grundstücke verkauften, um die nötigen Barmittel für die Überfahrt zu bekommen. So wurden z. B. im Januar 1924 48 Reisepässe und im Februar 1924 28 Reisepässe zu Auswanderungszwecken ausgestellt.“
Quelle: Detlef Wetzel/Hartwig Durt: Gewerkschaften im Siegerland bis 1933. Bekämpft. Verschwiegen. Zerschlagen, Siegen 1989, S. 131

1) Landesarchiv NRW, Abteilung Westfen, Bestand Regierung Arnsberg Nr 14250, S. 86

Linktipp: „Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus

in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein“

RegPersLexAus der Einleitung: „Nationalsozialismus im Siegerland und in Wittgenstein. Regionale Akteure

Seit den 1960er Jahren gibt es Personenlexika zum Nationalsozialismus, die – mehr oder weniger lückenhaft – die politische und soziale Führungsschicht auf der oberen und mittleren Ebene der Reichshierarchie abbilden.1 Zu Westfalen und Lippe gibt es seit einigen Jahren Zusammenstellungen von Funktionsträgern der NSDAP und der staatlichen Verwaltung der unterschiedlichen Ebenen.2 Sowohl in den Reichs- wie auch in den regionalen Überblicken erscheinen in einer Reihe von Fällen auch Personen aus dem heutigen Kreis Siegen-Wittgenstein. Weiterlesen

Broschüre zur Urkatasteraufnahme in Westfalen online

Gerald Kreucher, Die Urkatasteraufnahme in Westfalen (Veröffentlichungen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen 20) Düsseldorf 2008.

UrkatsterLAVDie Überlieferung aus den Katasterämtern gilt als sch…wierig zu benutzen, weil sie schwer zu durchschauen ist. Es gibt ganz unterschiedliche Karten und eine Reihe von Aktentypen mit Namen, die nicht selbsterklärend sind (Handrisse, Flurkarten, Mutterrollen, Berechnungshefte …). Die Staatsarchive, in denen diese Überlieferung vom Beginn der Vermessung 1822 bis zur Kommunalisierung des Katasters 1948 liegt, bieten mit ihren Findbüchern in der Regel auch nur ungenügende Hilfen beim Einstieg in die komplexe Materie: Die Findbücher setzen bereits eine genaue Kenntnis der Überlieferung voraus. Weiterlesen

Auflösung des Fotorätsel zum Tag der Arbeit

Knappschaftsgebüde am Herrengarten in Siegen

Knappschaftsgebüde am Herrengarten in Siegen

Das Fotorätsel zum Tag der Arbeit wurde von AndreasP gelöst. Herzlichen Glückwunsch!

Es handelt sich um ein Registraturhilsmittel der Knappschaft Siegen. Die dazugehörige Amtsbuchüberlieferung – hauptsächlich Mitgliederbücher – wurde vom Kreisarchiv aus Privatbesitz übernommen. Die ca. 150 Bände wurde vor der beabsichtigten Kassation gerettet. Der Bestand wird nach einer Überprüfung durch Restauratoren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Der Hinweis auf die Überleiferung stammte von den Kollegen des Siegener Stadtarchivs.

Heinrich Schickhardt in Herrenberg

Heinrich Schickhardt in Herrenberg from Rainer Wälde media on Vimeo.

Die Geschichte der Familie Schickhardt ist eng mit Herrenberg verbunden. Bereits um 1500 war dies ein aufstrebendes Landstädtchen, als sich der Schreiner Heinrich Schickhardt aus dem Siegerland hier niederließ. Er kaufte in der Tübinger Gasse ein Haus und erhielt die ehrenvolle Aufgabe, für die Stiftskirche das Chorgestühl mitzugestalten.

Als im Februar 1558 dann der Enkel Heinrich Schickhardt auf die Welt kommt, ahnt niemand, was aus diesem jungen Bürger Herrenbergs einmal werden wird: ein so renommierter Baumeister, dass die Menschen ihn sogar als „Schwäbischen Leonardo da Vinci“ rühmen.

Archivbestand zur Familiengeschicht: Hauptstaatsarchiv Stuttgart Q 3/54. Familienunterlagen Schickardt

Literatur (Auswahl) zu Heinrich Schickardt dem Älteren: Weiterlesen

Neue Archivnachrichten aus Hessen jetzt online

archivnachrichten2013Die neuesten Archivnachrichten aus Hessen stehen ganz im Zeichen der Exotik: „Dem Fremden auf der Spur“. Auf 80 Seiten widmen sich die Beiträge Weltreisen, Expeditionen, dem Tourismus und exotischen Pflanzen. Daneben werden Archivbestände präsentiert, archivwissenschaftliche Themen erörtert und archivische Projekte vorgestellt.
Besonders sei hier auf die virtuelle Wiederherstellung des Alten Dillenburgischen Archivs des Hauses Nassau-Oranien hingewiesen. Der Beginn des Projekts wird von Rouven Pons angeszeigt (S. 48). Den Hinweis, dass das Hessische Hauptstaatsarchiv jüdische Personenstandsregister online bereitgestellt hat (S. 51), sollte bei der jüdischen Familienforschung im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein beachtet werden.
Link zur Online-Fassung

Quelle: Archivalia, 12.12.13