Workshop „Schatzungs- und Steuerlisten als Quellen der landesgeschichtlichen Forschung“

Wer sich mit der älteren Landesgeschichte Westfalens beschäftigt, wird mit zahlreichen, heute fremdartig erscheinenden Quellengattungen konfrontiert. Dabei gibt es in diesen Aufzeichnungen sowohl für Historiker als auch für Familienforscher vieles und auch noch viel Neues zu entdecken. Mit einer Reihe quellenkundlicher Workshops möchte die Historische Kommission für Westfalen die Scheu vor der Benutzung altertümlich erscheinender Quellen abbauen, zu ihrer Lektüre und Auswertung einladen. Nach den Amtsbüchern im Jahr 2011 stehen in diesem Jahr Schatzungs- und Steuerlisten im Mittelpunkt der Veranstaltung. Weiterlesen

„Adelige über sich selbst“

Fachtagung in Münster

Was sagen historische Tagebücher und Briefe über das Selbstverständnis des vor-modernen Adels in Deutschland und den Niederlanden aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich am 6. und 7. Juni in Münster eine Fachtagung über Selbstzeugnisse in nordwestdeutschen und niederländischen Adelsarchiven.

Das Symposium ist die dritte länderübergreifende Tagung, die vom deutsch-niederländischen Arbeitskreis für Adelsgeschichte (Nederlands-Duitse Kring voor Adelsgeschiedenis) veranstaltet wird. Der Arbeitskreis, ein Zusammenschluss von Archivaren und Historikern aus den Niederlanden und Deutschland, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Adels auf beiden Seiten der Grenze zu beleuchten. Mitveranstalter der Tagung sind die Vereinigten Westfälischen Adelsarchive e.V. und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Weiterlesen

Heilstätte Hengsbach 23

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Zusammengefasste Daten aus den „Erhebungsbögen für Krankenanstalten“

Jahr

Pe

rs

on

al

  Plan- Pflege- Todes- behand.
  Ärzte Kr.schw./-pfleger Med.-Techn, Verwltg.  Wirtsch/Haus betten tage fälle Kranke
1953 2 13 1 2 19 109 37.886 2 457
1954 4 17 1 3 21 120 40.994 4 (?) 502
1955 4 12 1 5 25 120 43.875 3 384
1956 4 12 1 5 25 120 43.952 5 478
1957 4 14 1 5 25 120 44.029 3 356
1958 4 14 1 5 30 120 44.028 3 462
1959 4 14 1 5 26 120 43.580 6 447
1960 4 14 1 5 23 120 43.353 6 390
1961 4 15 1 5 27 120 43.012 7 407
1962 4 13 1 5 32 120 41.749 2 424
1963 4 13 1 5 31 120 43.630 7 461
1964 4 13 1 5 33 120 43.738 4 430
1965 4 14 1 5 29 120 43.814 5 405
1966 3 13 1 5 26 120 40.935 7 326
                   

 

Autorin: Dagmar Spies

Heilstätte Hengsbach 22

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Bei den Abrechnungen mit den Kostenträgern der Tbc-Heilbehandlung begegnet einem relativ häufig der Medikamentenname „Neoteben“.

 

Dazu eine vielleicht spannende Geschichte:

„Neoteben“ bekam seinen Namen etwa 1951 und ging hervor aus dem Mittel „OS 711“, das von dem Nobelpreisträger Gerhard Domagk entwickelt wurde. Es ist chemisch ein Iso-Nikotinsäure-Hydrazid. In zwanzigmillionenfacher Verdünnung verhinderte das Pulver im Reagenzglas Tuberkelbazillen am Wachsen. Das Pulver war damit im Laboratoriumsversuch allen bisher bekannten Tbc-Mitteln um das Zwanzigfache überlegen.

 

Die ersten Versuche mit dem Medikament wurden im September 1951 in den Städtischen Krankenanstalten von Wuppertal bei Professor Philipp Klee  vorbereitet. In der Regel werden solche Versuche in aller Stille zwei Jahre hindurch geführt, bis sich die Wirkung eines Medikaments genau übersehen läßt.

 

Aber diesmal blieb diese Zeit zur Erforschung nicht, da bereits im Februar 1952 in der Weltpresse zu lesen war, dass amerikanische Ärzte ein sensationelles Mittel gegen Tuberkulose gefunden hätten. [Rimifon (Fa. Hoffmann La Roche),  Marsilid (Fa. Hoffmann La Roche),  Nydrazid (Fa. J. R. Squibb & Sons] Diese Mittel nun enthielten die gleichen Wirkstoffe bzw. waren auf der gleichen chemischen Grundlage entwickelt wie das „deutsche“ Neoteben. Die parallelen Forschungen in Deutschland und Amerika waren wohl von unterschiedlichen Quellen ausgegangen, ebenso wie sie nichts voneinander wussten.

  

Die Amerikaner haben nur ihr Schweigen früher gebrochen als die Deutschen: So ließen sich die beteiligten amerikanischen Forscher im Januar 1952 bei einem Treffen über die chemischen Grundlagen und die klinische Anwendung des Rimifon aus. Im Februar kam dann jene Veröffentlichung in die Presse, während fast gleichzeitig Professor Klee in Wuppertal einige ausgewählte Fachärzte mit den bisher in der Stille erzielten Fortschritten des Neoteben vertraut machte.

„In diesem in der Geschichte der Pharmazie einzigartigen Wettlauf um ein Heilmittel waren die Bayer-Werke also um eine Nasenlänge zurückgeblieben, obwohl die Chemikalien etwa zur gleichen Zeit (Sommer 1950) entdeckt wurden. Die wissenschaftliche Veröffentlichung kam in den USA sieben Wochen, die Pressemitteilung sieben Tage früher heraus.“ (Quelle: www.spiegel.de/spiegel/print/d-21976793.html)

 Autorin: Dagmar Spies