150 Kilo Zeitzeugen oder „Kaasd dau och moal laache?!“

Fotosammlung Mudersdach im Gemeindearchiv Burbach

„Im letzten „Burbacher Brief“ hatten wir unter der Überschrift „Das Dorf-Gedächtnis fit halten“ geschrieben: „Eine andere Aktion führte auf einen Burbacher Ollern, um zwischen Spinnweben und altem Krempel ausgefallene Fundstücke und eine zwar verstaubte, aber wertvolle Fotosammlung zu entdecken.“
Inzwischen hat sich Werner Kreutz, der ja sowieso aufgrund der Corona-Entwicklung keine Nachtwächterführungen durchführen konnte, in seiner „Arbeitslosigkeit“ über Tage, Wochen, ja Monate diesem besonderen Speicherfund, also der umfangreichen Fotosammlung von Johannes Mudersbach angenommen. Die Durchsicht ergab, dass in 8 großen Umzugskartons 48 Aktenordner (alle picke-packe voll Fotos) ruhten und auf 2.592 Fotoblätter (DIN-A-4) rund 21.000 (!) Portrait-Aufnahmen zu finden und weitere 4 Ordner mit Industrie-Aufnahmen der Firmen Waldrich, Ingersoll, Seewer und Hering-Bau gefüllt waren. Entstanden ist diese Sammlung in den Jahren 1972 bis 1986.

Jeder Ordner enthält alphabetische Register mit den Namen aller abgelichteten Personen, die mehrheitlich aus den beiden Großgemeinden Burbach und Neunkirchen stammten. Die Portrait-Aufnahmen zierten Bewerbungsschreiben, Führerscheine, Personalausweise und sonstige Dokumente oder waren fürs Familienalbum (Kinder- und andere Geburtstage, Konfirmationen und Kommunionen, Hochzeiten und Jubiläen u.v.a.m.) gedacht. Und alle Aufnahmen wurden feinsäuberlich aufbewahrt sowohl in schwarz/weiß-Abzügen sowie dazugehörigen Color-Negativen.
Wenn auch die Aufnahmen im Studio des Fotogeschäft Mudersbach entstanden sind, so zeigen sie doch deutlich das „Gesicht der damaligen Zeit“. Frisuren, Kleidung, Haltung, usw. spiegeln eine 14-jährige Epoche unseres Dorfes und bereiten heutzutage sicherlich manches Schmunzeln, zugleich aber auch das ein oder andere erstaunte Wiedererkennen: „Ja genau – so war es damals!“
Und überm Blättern meint man die sonore Stimme von Johannes Mudersbach beim Ablichten der Personen zu hören: „Gerächder Schdrijesagg! Kaasd dau och moal laache? Dau mächsd joo e Gesichde wii drai Daach Rääwäerer! Oder giiesd dau emmer ii de Keller wenn dau moal laache welld?“
Inzwischen wurde alles ordnungs- und vorschriftsgemäß mit Archiv-Heftern in 48 säurefreien, stabilen Kartons archiviert und beschriftet. Die Einlagerung ins Gemeindearchiv Burbach und damit die sichere Aufbewahrung erfolgt in Kürze. Da der
Heimatverein in Absprache mit dem Gemeindearchivar jederzeit Zugriff auf die wertvolle Fotosammlung hat, kann Interessierten gerne Auskunft und Einblick gegeben werden. Sowohl der Vorstand wie auch die Archivgruppe des Heimatvereins Burbach danken Werner Kreutz für seine kenntnisreiche und sorgfältige Geduldsarbeit und würdigen seinen Verdienst um ein gutes Stück jüngerer Dorfgeschichte.“
Quelle: Heimatverein Burbach, Burbacher Brief 2 (2021)

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