Wilnsdorf: Unterirdische Maschinenhalle kommt ans Licht

Die imposante Maschinenhalle der Grube Landeskrone ist ein einmaliges Denkmal der frühen Industrialisierung. Im Vordergrund ist die Schachthalle und im Hintergrund das Podest der Dampfmaschine. © Deutsches Bergbau-Museum Bochum/Peter Thomas

Dunkel, nass und sehr beschwerlich war der Weg, den ein wissenschaftliches Team vor drei Jahren nehmen musste, als es den „Tiefen Grundstollen Landeskrone“ bei Wilnsdorf erkunden wollte. In der Maschinenhalle des stillgelegten Bergwerks fauchte einst die erste untertage eingesetzte Dampfmaschine im Siegerland.

Der seit Jahrzehnten verplombte Stollen wurde 2016 im Zuge der Bauarbeiten an der A45 geöffnet und Forschern des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und des Vereins für Siegerländer Bergbau zugänglich gemacht. Fast einen Kilometer weit mussten sich die Wissenschaftler durch Morast und teilweise brusthohes Wasser kämpfen, bevor sich ihnen die imposante Halle öffnete.

Virtuelles Modell im Museum
Besucher des Wilnsdorfer Museums werden diese industriehistorisch bedeutsame Stätte bald auf wesentlich angenehmere Art und Weise erkunden können, dank moderner 3D-Technologie und der finanziellen Förderung durch LEADER-Mittel. „Die Forscher nahmen 2016 nicht nur Ausgrabungen vor, sondern fotografierten die architektonisch beeindruckende Maschinenhalle lückenlos“, weiß Museumsleiterin Dr. Corinna Nauck zu berichten. „Aus diesen Aufnahmen werden wir ein virtuelles Modell der unterirdischen Anlage gestalten lassen, das unsere Besucher mit Hilfe einer VR-Brille sehen können, eine spektakuläre Erfahrung“, ist sich die Historikerin sicher.

In der Kulisse der »Sammlung Jung«, deren zahlreiche Exponate aus der Geschichte und dem Alltag des Siegerländer Bergbaus erzählen, konnte Museumsleiterin Dr. Corinna Nauck (m.) den LEADER-Fördermittelbescheid für die geplante virtuelle Maschinenhalle in Empfang nehmen. Über die Förderzusage freuen sich mit ihr: Annika Wolf, Roswitha Still (beide Regionalverein LEADER-Region 3-Länder-Eck e.V.), Wilnsdorfs Bürgermeisterin Christa Schuppler und Touristikerin Stefanie Wiegel (vlnr.).


Eine innovative Idee, die auch noch bestens zur bergbaugeprägten Region passt. Kein Wunder, dass das Projekt nun mit LEADER-Fördermitteln bedacht wird. Den Bescheid übergaben Roswitha Still, Vorsitzende des Regionalvereins LEADER-Region 3-Länder-Eck, und LEADER-Regionalmanagerin Annika Wolf im Beisein von Wilnsdorfs Bürgermeisterin Christa Schuppler und Tourismusstellenleiterin Stefanie Wiegel an das Museum Wilnsdorf. Von den förderungsfähigen Gesamtkosten in Höhe von knapp 77.900 € beläuft sich die LEADER-Förderung auf rund 50.600,00 € (davon Anteil ELER: 40.543,42 € / Anteil Land: 10.135,85 €). „Ich freue mich für die Gemeinde Wilnsdorf, dass wir mit der LEADER-Förderung zur Umsetzung dieser spannenden Idee beitragen können“, sagt Roswitha Still.

Schuppler: Geschichte wird buchstäblich erlebbar

Wilnsdorfs Bürgermeisterin Christa Schuppler teilte die Begeisterung ihrer Museumsleiterin für das gesamte Projekt von der ersten Sekunde an: „Die ‚Maschinenhalle Landeskrone’ wird Geschichte buchstäblich erlebbar machen, wie es seit jeher Motto des Museums Wilnsdorf ist“, sagt Schuppler. Und auch Wilnsdorfs Tourismusbeauftragte Stefanie Wiegel freut sich über die attraktive Ergänzung des kommunalen Angebots: „Dem Bergbau verdanken wir schon viele Sehenswürdigkeiten und einen Rundwanderweg, da fügt sich die Gelegenheit, eine unterirdische Maschinenhalle oberirdisch sichtbar zu machen, bestens ein“.

Um Platz für die virtuelle Maschinenhalle Landeskrone zu schaffen, wird das Naturkundliche Kabinett weichen, kündigt Dr. Nauck an. Stattdessen soll in diesem Raum die beeindruckende Atmosphäre der ziegelgemauerten unterirdischen Anlage wiedererweckt werden, mit entsprechender Wandgestaltung und einem authentischen Personentransportwagen aus dem Bergbau, in dem zwei Besucher Platz finden und mittels VR-Brillen die virtuelle Maschinenhalle besichtigen können.

Mediathek ergänzt neues Angebot
„Außerdem wollen wir in diesem Raum eine Mediathek einrichten, mit der nötigen technischen Ausstattung und Bildschirmen, um der Öffentlichkeit unser umfangreiches Foto- und Filmmaterial zugänglich machen zu können“, ergänzt die Historikerin. Das Museum Wilnsdorf darf mit Genehmigung der Lizenzbesitzer sehenswerte historische Filme zum Bergbau und zum Haubergswesen zeigen, außerdem ist es im Besitz zahlreicher Super-8-Filme aus den 1950er bis 1970er Jahren, aufgenommen vom Wilnsdorfer Mineraliensammler und Bergbaufachmann Günther Jung und in den vergangenen Jahren komplett digitalisiert. „All diese filmischen und weitere fotografischen Zeitzeugnisse konnten wir bisher nur eingeschränkt oder nach Ankündigung vorführen, in unserer nachgebauten Maschinenhalle werden sie allen Interessierten zu unseren Öffnungszeiten zur Verfügung stehen“, schwärmt Nauck.
Quelle: Gemeinde Wilnsdorf, 16.8.2019

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