Möglichkeiten eines weiteren Standorts der LWL-Industriemuseen mit Blick auf die kulturhistorische Bedeutung der Eisenverhüttung in der Region des Siegerlandes

Antrag der FDP-FW-Fraktion für die heutige Kulturausschusssitzung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe:

Quelle: FDP Kreisverband Siegen-Wittgenstein, Homepage

Beschlussvorschlag:

Die Verwaltung wird beauftragt, Möglichkeiten eines weiteren Standorts der LWL-Industriemuseen mit Blick auf die kulturhistorische Bedeutung der Eisenverhüttung in der Region des Siegerlandes zu prüfen. Die Verwaltung wird im Kreis Siegen-Wittgenstein nach möglichen Kooperationspartnern suchen, mit denen sich eine erweiterte Darstellung der Industriegeschichte Westfalens umsetzten ließe.

Begründung:

Das Siegerland ist eines der ältesten Industriereviere in Europa. Der Bergbau im Siegerland hat eine etwa 2.500 Jahre alte Geschichte. Die Region war lange von der Eisenerzgewinnung und dessen Weiterverarbeitung geprägt. Der aktive Bergbau fand 1965 sein Ende. Allerdings zählt noch heute die metallverarbeitende Industrie zu den Stärksten im Siegerland.

Erste Spuren der Eisenverhüttung reichen bis in die frühe Eisenzeit um das Jahr 600 v. Chr. zurück. Die ab 500 v. Chr. von Süden kommenden Kelten bauten die an der Oberfläche liegenden Erzgänge ab. Die Kelten nutzten ihr umfangreiches Montan-Wissen zur Verhüttung des Erzes in Rennöfen. Es wurden vor allem im südlichen und südwestlichen Siegerland über 140 Verhüttungsplätze nachgewiesen.

Ab dem 7. Jahrhundert wurden die ersten Stollen angelegt, da die oberflächennahen Vorkommen erschöpft waren und der Stollenbau effektiver war. Diese wurden ab 900 n. Chr. vermehrt angelegt und lösten im 10. Jahrhundert den oberflächlichen Abbau fast vollständig ab.

Im 19. Jahrhundert wurde im Zuge der Industrialisierung mehr und mehr Erz gebraucht. Das Siegerland entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren des Eisenerzbergbaus und dessen Weiterverarbeitung in Europa. Im Jahr 1853 waren 660 Gruben aktiv.

In der Folge entwickelte sich das Siegerland zu einer der wichtigsten Regionen der Eisenverhüttung und behielt diese Bedeutung trotz des Aufstiegs des Ruhrgebiets auch im 19. Jahrhundert. Noch heute hat die Metallverarbeitung deine enorme Bedeutung für die Region. Die Darstellung der Vorgeschichte des modernen Industrielandes NRW und deren Basis in der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen stellt eine Ergänzung zu den bestehenden Freilicht-und Industriemuseen in Hagen und im Ruhrgebiet dar. Der LWL sollte hier seiner Aufgabe gerecht werden und zur Erforschung und musealen Aufbereitung dieses Aspekts unserer Industriegeschichte beitragen.

Aktuell ist der LWL mit keinem Museumsstandort im Siegerland vertreten. Die Darstellung der Industriegeschichte, besonders der Montanindustrie, erfolgt derzeit ruhrgebietszentriert, dies kann nicht dem Anspruch des LWL entsprechen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein wird mit Blick auf die lange Industriegeschichte und die Bedeutung der Eisenverhüttung sein Interesse an einem Museumsstandort bekunden und das Vorhaben mit der aktiven Suche nach potentiellen Standorten und Kooperationspartnern unterstützen.“
Quelle: LWL, Sitzungsdienst, Vorlage 15/0199

Zur Einbringung des Antrags in den Kreisausschuss Siegen Wittgenstein s. http://www.siwiarchiv.de/einrichtung-eines-lwl-industriemuseums-im-siegerland/. Ein Vergleich der Antragsbegründungen lohnt!

6 Gedanken zu „Möglichkeiten eines weiteren Standorts der LWL-Industriemuseen mit Blick auf die kulturhistorische Bedeutung der Eisenverhüttung in der Region des Siegerlandes

  1. Sorry, ich denke eine Partei möchte sich hier in Erinnerung rufen und ohne konkrete Pläne und Finanzierungszusagen Aufmerksamkeit „erzeugen“. Fordern und kritisieren (wie in den vergangenen Wochen) geht ja immer, hauptsache Öffentlichkeit. Pläne für ein Museum lagen z.B. beim Reinhold-Forster-Stollen bereits vor. Die Umsetzung konnte bis heute aus verschiedenen Gründen nicht realisiert werden. Leider. Glück Auf P.S. „FDP: Die Verwaltung wird beauftragt, Möglichkeiten eines weiteren Standorts der LWL-Industriemuseen mit Blick auf die kulturhistorische Bedeutung der Eisenverhüttung in der Region des Siegerlandes zu prüfen. Die Verwaltung wird im Kreis Siegen-Wittgenstein nach möglichen Kooperationspartnern suchen, mit denen sich eine erweiterte Darstellung der Industriegeschichte Westfalens umsetzten ließe.“ … Wahlkampf!

    • Danke für den Kommentar! Wann waren die Pläne um den Reinhold-Forster-Erbstollen akut? Mir bekannt sind Ideen aus dem Jahr 1984 zur Nutzung des Alten Brauhauses in Siegen und Diskussion um das Jahr 2000.

  2. Die Betrebungen der FDP-Kreistagsfraktion sind ja recht anerkennenswert, jedoch stellt sich hier die Frage, warum die „Polit-Aktivisten“ sich bisher denn niemals um dieses schon jahrzehntealte Thema gekümmert haben. Ist denn niemandem bisher aufgefallen, dass es keinen authentisch historischen Ort innerhalb des Siegerlandes mehr gibt, wo noch irgendein Original Zeugnis der alten Montan-Industriekultur erhalten geblieben ist. Einen geeigneten verkehrsgünstigen historischen Ort für den erforderlichen Neubau, oder Ausbau eines Siegerländer-Industriemuseums kann man vielleicht ja u.U. noch finden (s.a. div. Vorschläge i.d. Literatur), aber man wird vom LWL oder der NRW-Landesregierung sicher keinerlei finanzielle Unterstützung erwarten können, wenn sich nicht zuvor die Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein mit der Stadt Siegen einig wird, um gemeinsam einen bestgeeigneten Ort für ein derartiges Industriemuseum als Außenstelle des Siegerlandmuseums im Siegerland (und nicht ausschließlich in der Stadt Siegen) zu finden.
    Die Latenezeitlichen Ausgrabungen in Niederschelden- Gerhardseifen liegen dafür wohl verkehrsmäßig etwas zu ungünstig.

    Die Bestrebungen der Stadt Siegen den Burgstraßenbunker für eine Erweiterung des Siegerlandmuseums (Abt. Siegerländer Montan-Industriekultur) für über 16 Mio Euro mit Landes-Steuermitteln erst einmal publikumsbegehbar zu machen, ohne auch nur einen einzigen historischen örtlichen Bezug zum Thema und auch nebenbei ohne die erforderlich günstige Verkehrsanbindung bieten zu können, sollte doch zumindest Herrn Landrat Müller und eigentlich auch der FDP-Kreitagsfraktion bekannt sein.

    s.a. auch unter :

    http://www.siwiarchiv.de/siegen-foerderverein-sammelte-2-millionen-euro-fuer-museumserweiterung/

    Es wäre eigentlich recht schade, wenn sich diese begrüßenswerte Aktivität mehr oder weniger nur als eine Wahl-Werbung der Kreistags-FDP herausstellen sollte.

    • Danke für den Kommentar! Die Skepsis mag angebracht sein, nicht bezüglich der regionalen Bedingungen, sondern auch bezüglich der Einbettung eines solchen Projektes in die LWL-Museumsstrategie.

  3. Auszug aus der Niederschrift der LWL-Kulturausschusssitzung vom 9.6.2021:
    “ ….. Herr Arens (FDP) erläutert, dass es ein Defizit gebe, was den Inhalt in Bezug auf die Industriegeschichte im Siegerland angehe. Zudem sei der LWL dort bisher nur schwach vertreten.
    Herr Stilkenbäumer (CDU) begrüßt den Antrag der FDP. Das Siegerland falle hinter der Förderung anderer Regionen zurück. Da in der Region aber auch noch andere Aspekte beleuchtet werden müssten, solle der Beschlussvorschlag angepasst werden.
    Frau Dr. Rüschoff-Parzinger (LWL) weist darauf hin, dass ein kulturpolitisches Konzept erarbeitet worden sei, in dem auch festgestellt wurde, dass Südwestfalen weniger repräsentiert sei. Sie halte es also für sinnvoll den gesamten Bereich zu beleuchten. Die Errichtung eines weiteren Standorts des LWL-Industriemuseums, die die FDP-FW-Fraktion in ihrem Antrag gewünscht habe, könne als Beispiel mit in den Antrag aufgenommen werden.
    Frau Hegerfeld-Reckert (SPD) macht den Vorschlag, dass die Anträge zukünftig digital über die Beamer angezeigt werden. Frau Rüschoff-Parzinger hält dies für sinnvoll.
    Nach eingehender Diskussion einigt sich der Kulturausschuss auf einen Kompromiss zwischen dem Vorschlag von Herrn Stilkenbäumer und dem Antrag der FDP-FW-Fraktion und empfiehlt dem Landschaftsausschuss einstimmig folgenden Beschluss:

    „Die Verwaltung wird auf Grundlage des kulturpolitischen Konzeptes beauftragt, dem Kulturausschuss einen Bericht über die kulturelle Infrastruktur in Südwestfalen zu geben und zu prüfen, ob Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen dem LWL und den schon vorhandenen kulturbedeutsamen Infrastrukturen in Südwestfalen bestehen. Unter anderem soll die Möglichkeit eines weiteren Standortes der LWL-Industriemuseen mit Blick auf die kulturhistorische Bedeutung der Eisenverhüttung in der Region des Siegerlandes geprüft werden.“
    Quelle: LWL, Sitzungsdienst

  4. FDP-Wunsch (22.8.21): „… der Wunsch für das von der FDP geforderte neue LWL-Industriemuseum den Standort Wilnsdorf zu prüfen …“
    Quelle:

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