Heute vor 28 Jahren: Urteil im Prozess gegen Ernst August König

Staatlich geplanter Massenmord oder der Sadismus eines Einzelnen? Teil 1 from Zeit-und-Zweitzeugen on Vimeo.

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“Von 1987 bis 1991 fand in Siegen der Prozess gegen Ernst August König statt, einen ehemaligen SS-Rottenführer im “Zigeunerlager” in Auschwitz-Birkenau. Es war der einzige Prozess gegen ein Mitglied der SS-Wachmannschaft. Dirk Frenking, Richter am OLG Hamm, ist darüber im Gespräch mit Klemens Mehrer, Oberstaatsanwalt i.R., der damals am Prozess beteiligt war.
Das Gespräch wurde am 28.11.2018 im Justizzentrum Gelsenkirchen aufgezeichnet.”

Zum Prozess gegen Ernst-August König weist Ulrich Opfermann in “Siegerland und Wittgenstein im Nationalsozialismus. Personen-Daten-Literatur, Siegen 2001, S. 90 – 96, folgende lokale Zeitungsartikel aus:

  • Anspach, Maria: Berleburger des Mordes n 6 Auschwitz-Häftlingen und der Beihilfe zur Massentötung angeklagt. Einer der letzten NS-Prozesse begann, Westfälische Rundschau, 6.5.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: NS-Prozess: König als “Opfer” von Auschwitz? Anklägerwucht bestürzt Anwalt?, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 6.5.1987
  • Krause, Wolfgang: “Mit den Kindern habe ich sogar schön gespielt.” , in: Westfalenpost, 6.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: König Mörder in Auschwitz-Hölle?, Regionalteil Wittgenstein, 6.5.1987
  • Zentralrat der Roma und Sintiübt heftige Prozeß-Kritik, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 7.5.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Von Morden nichts gewußt. “Häftlinge nannten mich Engel.”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 7.5.1987
  • Krause, Wolfgang: Tumultartige Szenen beim zweiten Prozesstag gegen SS-Blockführer König. “In Birkenau wurde ich Engel genannt.”, in: Westfalenpost, 7.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Auschwitzprozeß: Tumulte vor dem Saal, in: Westfalenpost, Regionalteil Wittgenstein, 7.5.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: “Der Blockführer, der Johanna Schenk erschoß, hieß König”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 13.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Holländer erinnert sich an “Blockführer König”, in: Westfalenpost, Regionalteil, 13.5.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Schlechte Kost “nur für SS”. Die Opfer verließen den Saal, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 14.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Tumulte nach Aussage des SS-Rapportführers. “Schlechte Verpflegung der SS”, Regionalteil Siegen, 14.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Wieder Eklat im Auschwitz-Prozeß, Regionalteil Siegen, 20.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: SS-Arzt blieb im Dienst, in: Westfalenpost, Regionalteil Siegen, 21.5.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Protokolle von toten Zeugen – Zitate von Tätern. Hitler: “Das Gewissen ist eine Erfindung von Juden.”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 27.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: “Hier werden die Opfer verhöhnt.”, in: Westfalenpost, Regionalteil Siegen, 27.5.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Im König-Prozess noch nicht viel über König, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 28.5.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Der Historiker hakt ein, in: Westfalenpost, Regionalteil Siegen, 28.5.1987
  • Siegener Schwurgerichtskammer flog [nach] Polen. Zigeunerlager erschlägt, in Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 6.6.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Gericht: Ortsbesichtigung in Auschwitz-Birkenau, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 6.6.1987
  • KZ Auschwitz-Birkenau: Siegener Schwurgericht am Ort des Verbrechens, in: Westfalenpost/Regionalteil Siegen, 6.6.1987
  • Zeugin Martha Ernst berichtet, wie ihr Vater von König gequält wurde. “Den Vater getreten und den Onkel mit Spaten erschlagen”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 10.6.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: “Der König hat meinen Vater totgeschlagen”, in: Westfalenpost, Regionalteil Wittgenstein, 10.6.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: “Zwei Onkel gingen drauf durch König bewim Sport.” “Wenn die Wunde aufplatzt, dann drehe ich immer durch.”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 11.6.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: “Er war der Liebling der Frauen im KZ Birkenau, in: Westfalenpost, Regionalteil, 11.6.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Weiterer Anklagepunkt im NS-Verfahren – “Er war tot und wurde von der Liste mit Nummern gestrichen, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 17.6.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: “Das waren Teufel, nicht Menschen.”, Regionalteil Siegen, 17.6.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Wieder ein Augenzeuge: König schlug und trat die Schwangere, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 24.6.1987
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Schwurgericht fürchtet um das Prozeßklima, in: Westfalenpost, Regionalteil Wittgenstein, 24.6.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Auschwitz-Kommentator und -Häftling als Zeuge. “Eine Hornhaut über die Seel´bekommen.”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 25.6.1987
  • rai [=Hellwig, Raimund]: “Hornhaut.” Hermann Langbein als Zeuge im NS-Prozeß, in Westfalenpost, Regionalteil Siegen, 25.6.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Vernehmung in Hannover: “Und so etwas läuft frei herum.” Geben Sie uns den König, wir bestrafen ihn richtig, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Siegen, 1.7.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: “Ich kam direkt ins Krematorium.”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 2.7.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Zeuge: Bin Zigeuner und fühle mich als Deutscher. “Ich sah, wie mein Vater totgeschlagen wurde.”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 8.7.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: “Konservierende Macht der Gefühle” bei Aussagen, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 9.7.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Nummer auf Menschenhaut als notwendige Hilfsmittel im Verfahren gegen König, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 16.7.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: In einem einzigen Punkt scheint König entlastet, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil,22.7.1987
  • MA[=Anspach, Maria]: Hartnäckiges “Verteidigungsspiel”. “Befangenheit” gegenüber Richtern nun gleich viermal, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 8.11.1988
  • MA[=Anspach, Maria]: Verteidegerspiel setzt sich fort. König: “Ich kann nichts mehr von alledem begreifen”, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 19.11.1988
  • MA[=Anspach, Maria]: Lebenslängliche aus Auschwitzprozess als Zeugen nach Siegen?, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 30.11.1988
  • MA[=Anspach, Maria]: Verteidiger erheben massive Vorwürfe gegen Nebenkläger, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 14.12.1988
  • MA[=Anspach, Maria]: Würde des Gerichjts durch den Auschwitzhäftling verletzt? Staatsanwalt wünscht “Vorführung” der Zeugen, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 20.12.1988
  • MA[=Anspach, Maria]: Prozeß: Kindererlebnisse und Dezemberbilder Auschwitz 1943. Gestreut: Krematoriums-Asche, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Wittgenstein, 24.12.1988
  • MA[=Anspach, Maria]: Zeugin erlebte 1943 Deportation von Berleburg nach Auschwitz. Damals mit König in einem Lager. Heute mit ihm in derselben Stadt, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 11.1.1989
  • woka [=Krause, Wolfgang]:KZ-Opfer zu SS-Blockführer: “Stehen Sie auf!”, in: Westfalenpost, Regionalteil Siegen, 11.1.1989
  • MA[=Anspach, Maria]: Zeuge war SS-Mann im Lager. Für Rampendienst Sonderzuteilung an Schnaps und Tabak, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil Siegen, 24.1.1989
  • woka [=Krause, Wolfgang]: Mit dem LKW nach Birkenau, in: Westfalenpost, Regionalteil Siegen, 24.1.1989
  • MA[=Anspach, Maria]: “Sachaufklärung jetzt nicht mehr möglich.” Siegener zeigen zum Finale Interesse an NS-Prozeß, in: Westfälische Rundschau, Regionalteil, 19.12.1990

Im Bestand 3.19 (Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V.) des Kreisarchivs Siegen-Wittgenstein finden sich unter Nr. 81 neben Zeitungsartikeln auch Prozessprotokolle einer Vertreterin des Arbeitskreises gegen den Faschismus im Kreis Altenkirchen aus der der Anfangsphase der Gerichtsverhandlungen.

s. a. Siegener Forum, 17.1.2019

2 Gedanken zu „Heute vor 28 Jahren: Urteil im Prozess gegen Ernst August König

  1. Die zentrale archivische Überlieferung zu diesem Prozess ist im Landesarchiv NRW zu erwarten:
    1) In der Abteilung Rheinland in Duisburg befindet sich die Überlieferung (Ermittlungsakten) der zuständigen Staatsanwaltschaft Köln – Zentralstelle für NS-Massenverbrechen Gerichte (Rep. 0118, Rep. 0158, Rep. 0267, Rep. 0434).
    2) In der Abteilung Westfalen in Münster befindet sich die Überlieferung des Landgerichtes Siegen (Signatur Q 352), dort sind die Prozessakten zu erwarten.
    In den Beständen des Berliner Bundesarchivs befindet sich im Bestand “Gewneralstaatsanwalt der DDR” (DP 3) unter der Nr. 2251 ein einschlägiger Aktenband aus dem Jahr 1985, der sich u. a. mit deutsch-deutscher Rechtshilfe für das Ermittlungsverfahren gegen Ernst-August König beschäftigt. Dies legt wiederum eine Überprüfung des Bestände der Stasiunterlagenbehörde nahe.
    Stichprobenartige Überprüfungen ergaben auch erfolgversprechende Funde in den überregionalen (Print-)Medien. Eine genauere Überprüfung dürfte auch hier einiges zu Tage fördern.

  2. Ganz interessant, wenngleich keine Überraschung, dass es keine oder nahezu keine Prozessberichterstattung durch die Siegener Zeitung gab, was ja, wie ich hörte, auch Herr Mehrer so feststellte. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat er jemand von der Zeitung darauf angesprochen, um von dort zu hören, das Thema interessiere die Leserschaft nicht, daher die Nichtberichterstattung. Das stand natürlich in einem scharfen Gegensatz zu den fortlaufenden Prozessberichten der legendären Gerichtsreporterin Maria Anspach von der Westfälischen Rundschau, die aufmerksam verfolgt wurden.
    Nein, “keine Leserinteresse” ist eine billige Ausrede und zutiefst unglaubwürdig. Es war halt eine der zahlreichen Entscheidungen derer, die das redaktionelle Wort in der Zeitung sprachen und dies selbstverständlich im Sinne ihrer politischen Grundauffassung zu Fragen der Zeitgeschichte und dem Umgang damit. Da stand man eben anderswo als die WR.
    Der Blick zurück belegt ja, dass da was zu verbergen und aus der Diskussion zu halten war. In Weimar war nichts zur Verteidigung des Verfassungsstaats gekommen, lieber hatte man schon in den 1920er Jahren die Verteidigungsreden von Hitler nach dem Putschversuch am 9. November 1923 publziert. Und nach dem Machtübergang auf die Nazis und ihre deutschnationalen Bündnispartner hatte die die „Heimatzeitung“ sich bereits im Mai 1933 zum „Organ des nationalsozialistischen deutschen Staates und des unter Adolf Hitlers Führung erwachten Volkes“ ausgerufen.
    Das waren ungünstige Voraussetzungen für ein Interesse an Aufarbeitung. Als die Verbrechen mit dem Ende des Regimes endeten und vor Gericht verhandelt wurden, gehörte die Zeitung folglich eher zu den Bremsern. Als 1951 etwa ein Gruppenführer einer Volkssturmeinheit in Siegen vor Gericht stand, der in seiner Kompanie den Beinamen „der Henker“ hatte, sich bei Erschießungen vordrängte, auch „öfter Russen erschossen“ hatte und sich nun für die geradezu sadistisch vollzogene Mordtat an dem Betriebsleiter Ignaz Bruck einer Weidenauer Grube zu verantworten hatte, da erklärte die SZ ihn zu einem „Verführten“, also zu einem NS-Opfer, und zu einem „Werkzeug verbrecherischer Kräfte”. Mit einem Urteil müsse „vor allem endlich ein endgültiger Schlußstrich unter die Geschehnisse jener unseligen Zeit“ gezogen werden.
    Immer noch gegen den Strich ging der Zeitung dann wohl der König-Prozess drei, vier Jahrzehnte später. Er fand deshalb so spät statt, weil in Jahrzehnten viel versäumt wurde. Die Bremser waren lange erfolgreich gewesen.

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