studentische Vorschläge für einen Gedenkort am zukünftigen EDEKA-Markt
„Studierende am Fachgebiet Architekturgeschichte der Universität Siegen haben im Sommersemester 2026 im Rahmen eines Semesterprojektes (betreut von Eva v. Engelberg und Lilian Kraft) einen Gedenkort konzipiert. Vier Vorschläge setzen unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte des Gedenkens am authentischen Ort.
In der Fludersbach wurde von 1942 bis 1945 ein sog. Hilfskrankenhaus für „Ostarbeiter“ (Zwangsarbeiter aus Osteuropa) betrieben. Die Einrichtung gehörte zum Städtischen Krankenhaus Siegen, befand sich aber abgelegen am Stadtrand nahe einer Müllkippe. Behandelt wurden Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus dem damaligen Arbeitsamtsbereich Siegen. Ziel war es, deren Arbeitskraft schnellstmöglich wieder herzustellen. Eröffnet wurde das Hilfskrankenhaus in den Gebäuden eines 1941 für französische Kriegsgefangene errichteten Lagers. Es war für 120 Kranke angelegt und umfasste eine eigene Gebärstation. 1943/44 wurde das Hilfskrankenhaus für die Aufnahme von 400 Kranken erweitert. 1944 entstand in der Nähe ein Friedhof für verstorbene Zwangsarbeiter und deren Kinder. 1960 wurden beim Bau der Kaffeerösterei Georg (das spätere Kaufland-Gebäude) zwei weiträumige Kelleranlagen des Hilfskrankenhauses integriert. Für den geplanten neuen EDEKA-Markt entstehen dort die Kundenstellplätze, die Kelleranlagen werden dabei zerstört.
Um am Ort des Geschehens der Zwangsarbeiter und ihren Schicksalen zu gedenken, haben die Studierende Gedenkorte konzipiert. Ein Vorschlag fokussiert die Opfer, an die neben dem EDEKA-Markt erinnert werden soll (Sarah Bock). Drei Stelen nennen dazu die über 200 namentlich bekannten Toten. Zudem soll die Lage der vormaligen Baracken durch Betonstreifen im Asphalt markiert werden.
Ein zweiter Vorschlag informiert anhand eines in den Boden eingelassenen Zeitstrahls und acht kleiner Stelen über die wichtigsten Ereignisse um das Hilfskrankenhaus (Gizem Sarak). Der Zeitstrahl verläuft entlang des Fußweges von der Zufahrt bis zum Eingang des Marktes.
Ein dritter Vorschlag nennt auf kleinen Stelen Siegerländer Branchen und Betriebe, die Zwangsarbeiter beschäftigt haben, und macht so die Verbreitung von Zwangsarbeit in der Region sichtbar (Jana Parzinski). Die Lage der früheren Baracken wird im Bereich des Parkplatzes im Bodenbelag gekennzeichnet.
Ein vierter Vorschlag platziert zwei erhaltene Türen aus den Kellern an deren Fundorten, integriert in einen kleinen Schutz- und Informationspavillon (Seyedehshirin Ghaderiafshar).
Die studentischen Arbeiten zum Gedenkort liegen der Stadt Siegen und EDEKA vor. EDEKA unterstützt ein Gedenken am Ort des zukünftigen Supermarktes.“
Quelle: Pressemitteilung des Fachgebiets Architekturgeschichte der Universität Siegen

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