Klang in der Denkmalpflege


Wie durch ein Wunder überstand der Glockenturm der Nikolaikirche die Zerstörung der Siegener Altstadt im Zweiten Weltkrieg. Eine erst kurz zuvor eingebaute Brandschutztür verhinderte, dass auch der Turm nach einem Bombenangriff in Brand geriet.
Bis heute prägt der Glockenturm nicht nur die Silhouette, sondern auch den Klang der Stadt Siegen. Seine fein aufeinander abgestimmten Glocken bilden einen Klangteppich, der die ganze Stadt verbindet. Während die Stundenglocke von 1463 in der Dachlaterne hängt, befinden sich fünf weitere Glocken im Glockenstuhl. Vier von ihnen stammen aus dem Mittelalter, eine fünfte kam beim Wiederaufbau der Kirche im Jahr 1947 hinzu. Gemeinsam bilden sie die ältesten und mächtigsten Musikinstrumente der Stadt Siegen.
Für den charakteristischen Glockenklang ist der Turm mit seiner Glockenstube, den Schallarkaden, dem Glockenstuhl und den Tragjochen von entscheidender Bedeutung. Bautechnische und dendrochronologische Untersuchungen der Bauforschung des LWL-Denkmalfachamts zeigten, dass die aufwendige Zimmermannskonstruktion und mit ihr der Glockenturm im Jahr 1463 grundlegend erneuert wurden. Damit besitzt die Nikolaikirche den ältesten erhaltenen Glockenstuhl Westfalens.
Der Glockenstuhl wurde aus mehr als 40 Eichenstämmen gezimmert. Über 130 Knotenpunkte fertigten die Zimmerleute an und verbanden sie mit mehr als 180 Holznägeln. Die Konstruktion ist außerordentlich stabil und zugleich elastisch verstrebt. Besonders sind die geneigten äußeren Stuhlwände sowie die Aussteifung durch Zapfenschlösser. Der Glockenstuhl musste die heftigen Schwingungen der teils tonnenschweren Glocken aufnehmen – denn diese würden das gotische Mauerwerk des Turms sonst schon nach kurzer Zeit beschädigen.
Mehr als 500 Jahre hat der Glockenstuhl der Nikolaikirche zu Siegen bereits überdauert. Ein Modell, das unser Bauforscher Frank Högg eigens angefertigt hat, macht anschaulich, welche technische Meisterleistung hinter dieser außergewöhnlichen Konstruktion steckt.

Quelle: Denkmalpflege in Westfalen, Facebook-Eintrag v. 14.7.26

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