Fortführung der Arbeit des Stadtarchivs Hilchenbach

Niederschrift über die 11. Sitzung des Schul- und Kulturausschusses der Stadt Hilchenbach vom 12. Juni 2018:
„Darius Schürmann stellt sich als Nachfolger von Reinhard Gämlich und zukünftiger
Stadtarchivar kurz persönlich vor. Er weist darauf hin, dass neben dem Stadtarchiv
auch weiterhin der Sitzungsdienst sowie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu seinen
Aufgaben gehören werden.
Hans-Jürgen Klein betont einleitend zur Personalsituation, dass der Bürgermeister in
seinem Ausblick im Rat der Stadt Hilchenbach am 25. April 2018 bereits darauf hing
ewiesen hat, dass die Nachfolgebesetzung im Bereich des Stadtarchivs eine
große Herausforderung ist. Dies gilt in besonderem Maße für den betroffenen Fachbereich Bürgerdienste und die dort Beschäftigten, da die zunehmenden Tätigkeiten nicht durch mehr Personal abgedeckt werden.
Die Verteilung zusätzlicher Aufgaben auf vorhandene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
führt bei diesen zu einer großen Aufgabenvielfalt, was für die Erledigung eine sehr große Herausforderung darstellt und hohe Flexibilität erfordert. Den Dienstbetrieb weiterhin so zu gewährleisten, wie er sich dies als Fachbereichsleiter wünscht, wird durch diese Personalproblematik zunehmend schwieriger.
Konkret erläutert Hans-Jürgen Klein, dass die personelle Gesamtsituation im Fachbereich Bürgerdienste für die Nachfolge von Darius Schürmann als Stadtarchivar bedeutet, dass er diese neue Tätigkeit mit 50 % bis bestenfalls 70 % seiner Arbeitszeit ausüben kann, da sein Einsatz darüber hinaus insbesondere im Sitzungsdienst weiterhin benötigt wird. Entsprechend wird seine Anwesenheit in der Wilhelmsburg auch nur rund 50 % seiner Arbeitszeit betragen.
Erreicht wird dies durch die Verringerung der Öffnungszeiten des Stadtarchivs in der
Wilhelmsburg, und zwar auf insgesamt 21 Stunden pro Woche. Dies entspricht dem
bisherigen Ansatz der Stadtbücherei, der auch im Hinblick auf die Maßgabe der Mi
ndestöffnungszeit für das Erhalten einer Landesförderung bei interkommunalen Projekten beibehalten werden soll.
Allerdings wird die Wilhelmsburg wie das Rathaus am Mittwochnachmittag geschlossen. Im Gegenzug für die an diesem Tag entfallenden 3 Stunden bei der Stadtbücherei werden die Öffnungszeiten am Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils um eine Stunde erweitert.
Positiver Nebeneffekt der einheitlichen Öffnungszeiten für die Wilhelmsburg unter Sicherheitsgesichtspunkten ist, dass auch an Tagen mit über das übliche Dienstende im
Rathaus hinausgehender Öffnung grundsätzlich zwei Beschäftigte in der Wilhelmsburg
anwesend sind, also neben einer Mitarbeiterin in der Bücherei in Zukunft auch der
Stadtarchivar Darius Schürmann.
Formal bedarf die Änderung gegebenenfalls noch eines Beschlusses im Rat der Stadt
Hilchenbach am 4. Juli 2018, da die derzeitigen Öffnungszeiten Bestandteil der Benutzungsordnung für die Stadtbücherei Hilchenbach sind.
Die neuen Öffnungszeiten sollen zum 1. August 2018 gültig werden. Hans-Jürgen Klein merkt an, dass Reinhard Gämlich offiziell zum 31. Juli 2018 ausscheidet, aber Darius Schürmann zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Nachfolger zur Verfügung steht. Dieser kann erst nach Abschluss seines Lehrgangs im Januar 2019 seine neue Tätigkeit tatsächlich ausüben.
Um im Zeitraum von August 2018 bis Januar 2019 den Betrieb im Stadtarchiv zumindest in bescheidenem Umfang aufrechtzuerhalten, hat sich Reinhard Gämlich erfreulicherweise bereit erklärt, im Rahmen eines Minijobs an einem Tag in der Woche weiterhin dort tätig zu sein.
Andreas Bolduan dankt Reinhard Gämlich für seine langjährige Tätigkeit als Stadtarchivar und Museumsleiter der Stadt Hilchenbach. Gemeinsam mit Olaf Kemper überreicht er als Anerkennung einen Präsentkorb“

Quelle: Stadt Hilchenbach, Ratsinformationssystem

8 Gedanken zu „Fortführung der Arbeit des Stadtarchivs Hilchenbach

  1. Ich finde, Kommunen sollten sich ihre Archive mit angemessener Personalausstattung leisten. Es ist doch ein Armutszeugnis, wie eine wichtige Kommune des Kreises hier um Stunden feilscht.

  2. Ich gebe Herrn Graf insofern recht, dass man ein Archiv, wenn man eins einrichtet, auch richtig ausstatten muss, insbesondere auch in Hinblick auf Digitalisierung und elektronische Langzeitarchivierung. Allerdings sollte man auch von den vielen kleinen Gemeinden in den ländlichen Kreisen wie z.B. Siegen-Wittgenstein, im Hochsauerlandkreis, aber z.B. auch im Oberbergischen Kreis, nicht zu viel erwarten. Hilchenbach hat laut Wikipedia gerade mal 15.000 Einwohner, die Finanzkreaft der Gemeinde ist also vermutlich eher übersichtlich (oder bringt die Siemag soviel Gewerbesteuer?). Vielleicht muss man in diesen Kreisen irgendwann doch mal über Kreiszentralarchive nachdenken. Das ist sicherlich für die lokale Forschung nicht optimal und entfernt das Archiv emotional und im Wortsinne interessierten Bürgerinnen und Bürgern, andererseits muss man sich auch fragen, ob ein kleines, u.U. schlecht untergebrachtes und nur mit ein paar Stunden von irgendeiner Verwaltungskraft ohne Fachausbildung betreutes Gemeindearchiv, das dann auch nur dementsprechende eingeschränkte Öffnungszeiten hat, wirklich besser ist als ein zentrales Archiv mit einer angemessenen personellen und finanziellen Ausstattung und einem vernünftigen Magazin.

  3. Der Kommunalpolitik kann man nur den Besuch des Rheinischen Archivtages in Frechen empfehlen, der heute in die Endrunde geht. Der Servicegedanke beginnt im Kopf. Hier hat gestern ein berufstätiger Nutzer zahlreicher öffentlicher Archive geschildert, wo er sich in der Nutzung behindert fühlt und was er sich zukünftig für seine Archivbenutzung wünscht. Dazu gehören auf jeden Fall verlängerte Öffnungszeiten, und zwar möglichst an allen Tagen und bis in den frühen Abend hinein. Das wird man tatsächlich in Hilchenbach nicht leisten können. Ein Verbund im Sine eines Kreiszentralarchives wäre vielleicht tatsächlich die praktikabelste Lösung…

    • Liebe Frau Schmidt-Czaja, öffnet man damit nicht die Büchse der Pandora, indem man den klammen Kommunen einen Vorwand liefert, ihre Archive dicht zu machen? Die Stärke der ‚kleinen‘ Archive (Einmann-, Einefrau-Archive) liegt doch eben darin, dass diese ortsnah, die Archivare/innen resp. Archivverantwortlichen idR im Ort verwurzelt sind, mit der Geschichte ihrer Kommunen und mit ihren Verwaltungen bestens vertraut sind. Man muss nicht nur den beachtlichen Verzeichnungsstand in Hilchenbach heranziehen, um zu beurteilen, dass ein Kreiszentralarchiv (personelle Ausstattung?) zu solchen Leistungen kaum in der Lage ist. Kurzfristig mögen mehr Nutzer zu verlängerten Öffnungszeiten kommen, langfristig bleiben diese aus, wenn der Verzeichnungsstandard nicht mehr den Ansprüchen genügen kann. Sollte man nicht eher alle Kräfte bündeln, damit auch kleine Kommunen in die Lage versetzt werden, fachlich gut besetzte und eingerichtete Archive zu haben. Die Frage nach den Öffnungszeiten regelt sich dann von alleine …

      • Lieber Herr Burwitz, Sie haben sicher nicht ganz unrecht, allerdings muss es ja nicht zwangsläufig ein Kreiszentralarchiv sein. Denkbar wären ja auch „Archivehen“, in denen Gemeinden eine/n Archivar/in und ein Archiv gemeinsam finanzieren. Grundsätzlich gehe ich einfach davon aus, dass Kooperationen hier ein vermutlich nicht perfektes, aber doch besseres Gesamtergebnis erzielen, da man dabei Ressourcen bündeln kann, die sonst in der Breite verpuffen, ganz abgesehen davon, dass ausgebildete Fachkräfte in der Regel nicht nur 10h / Woche arbeiten wollen (man muss natürlich dafür sorgen, dass hier dann nicht zusätzlich versucht wird, Geld einzusparen, dann kann das Modell natürlich nicht funktionieren). Die Kräfte zu bündeln, wäre sicher schön nur…wessen Kräfte will man hier bündeln? Die Landgemeinden schaffen es ja teilweise schon kaum, die „klassischen“ archivischen Arbeitsfelder abzudecken, wie sollen hier Probleme wie die Digitale Langzeitarchivierung bewältigt werden, die noch weitergehende Kosten verursachen?

        • @alle: Zunächst vielen Dank für die bisherigen Beiträge – so macht siwiarchiv besonders Spaß!
          Neben der klassischen, hier in die Diskussion eingebrachten Lösung der Probleme durch ein Kreiszentralarchiv Warendorfer oder Viersener Prägung, die bisher nicht die Linie des Kreisarchivs ist und auch noch nicht politisch diskutiert wurde, gäbe es noch die sich in Dormagen herauskristallisierende Lösung eines dezentralen Kreiszentralarchivs; dort wird das Archiv des Rhein-Kreises Neuss zukünftig das Archiv der Gemeinde Jüchen betreuen. Die Archivalien bleiben in Jüchen und werden dort von einer Mitarbeiter/in des Kreisarchivs betreut ……. Diese Lösung umgeht die umständlichen Fahrten der Nutzerinnen und Nutzer an den Ort des klassischen Zentralarchivs und stellt eine archivfachliche Bearbeitung des Archivgutes und der Betreuung der Nutzenden sicher. Finanziell wird die Gemeinde entlastet, allerdings fallen auf Kreisseite Kosten, die sicher nicht durch eine spezifizierte Kreisumlage abgefedert werden.
          Nun genug der unterschiedlichsten Kooperationslösungen – s. dazu auch die 2. Arbeitskreissitzung des diesjährigen Westfälischen Archivtages in Greven: https://archivamt.hypotheses.org/6257. Denn der Kern des Problems – die fehlende Akzeptanz für die archivische Aufgabenerledigung bei Archivträgern – wird m. E. dadurch nur gelindert – und dies wäre schon positiv. Die Lösung der Probleme ist die Beantwortung der Frage: wie wird die Akzeptanz für Archive in der Gesellschaft erhöht? Denn nur mit einer erhöhten Akzeptanz wird eine archivfachliche Besetzung kleiner Kommunalarchive erreicht werden können; die Gründe, die für diese „Maximal“forderung sprechen, hat Kollege Burwitz formuliert. Archive – und in diesem das Stadtarchiv Hilchenbach – haben das Ihrige getan. Wir müssen also „Verbündete“ finden und diese aktivieren …..

    • Liebe Frau Dr. Schmidt-Czaja, Kollege Burwitz hat ja schon einmal die hier auch bei mir vorherrschenden „Bauchschmerzen“ bezüglich eines Kreiszentralarchivs dargelegt. Allerdings würde ich gerne auch auf den Aspekt der „Kundenwünsche“ eingehen. Richten sich diese nicht eigentlich an den Archivträger und nicht an die Archive? Fotografieren im Lesesaal, 100%-Digitalisierung, 24/7-Öffnung ….. Diese verständlichen Wünsche können wir Archive nicht ansatzweise, nicht einmal durch „praktikable“ Lösungen erfüllen. Wenn dies gewünscht wird, dann müssen Archive mit ihren Kunden kooperieren. Dann können eventuell alle Wünsche wahr werden: fachlichen Ansprüchen genügende, dezentrale Kommunalarchive mit umfangreichen Öffnungszeiten (Lesesaal wie digital) und hoher Digitalisierungsrate.

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