#StolenMemory: Überlebende und Angehörige von Betroffenen gesucht

Caritasverband und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland präsentieren Wanderausstellung der Arolsen Archives


„#StolenMemory“ lautet der Titel einer Wanderausstellung, die der Caritasverband Siegen-Wittgenstein und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland vom 14. April bis 1. Mai 2022 am Jakob-Scheiner-Platz in Siegen zeigen werden. Initiator sind die Arolsen Archives, die mit der Kampagne zur Rückgabe persönlicher Gegenstände – sogenannter Effekten – ehemaliger KZ-Häftlinge an ihre Angehörigen beitragen möchten. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland setzt sich auch aktiv für die Bewahrung der noch erhaltenen, vielfältigen Zeugnisse jüdischer Geschichte ein und unterstützt daher diese wichtige Kampagne.

Ein regionales Beispiel ist der Nachlass von Maria Holowko, geb. 1926, die zwischen 1942 und 1945 im Walzwerk in Kreuztal-Eichen als Zwangsarbeiterin arbeitete. Sie verstarb in in der Marburger Universitätsklinik am 29.6.1945.

„Im Zweiten Weltkrieg haben die Nationalsozialisten den Menschen in den Konzentrationslagern ihre persönlichen Gegenstände abgenommen. Als Mitveranstaltende wollen wir gemeinsam mit der Arolsen Stiftung dazu beitragen, dass die Effekten an die Hinterbliebenen übergeben werden können“, berichtet Matthias Vitt, Vorstand vom Caritasverband Siegen-Wittgenstein. In den Arolsen Archives befinden sich noch rund 2.500 Umschläge mit persönlichen Gegenständen, die NS-Verfolgten aus über 30 Ländern gehörten – überwiegend aus Polen, Deutschland und der ehemaligen Sowjetunion. Die Effekten sind den Arolsen Archives in den 1960er Jahren mit dem Auftrag ausgehändigt worden, sie an Überlebende oder die Familien Betroffener zurückzugeben. „In den 1980er Jahren wurde die aktive Suche allerdings zunächst eingestellt, weil mit den damaligen Möglichkeiten immer weniger Familien gefunden werden konnten“, weiß Tobias Bender, Mitarbeiter der youngcaritas Siegen.

„Es ist höchste Zeit, den entgegengenommenen Auftrag aus den 60iger Jahren mit den heutigen technischen Mitteln abzuarbeiten. Wir alle stehen in der Pflicht dafür zu sorgen, dass die rechtmäßigen Eigentümer:innen wieder in den Besitz der geraubten Gegenstände kommen können. Zudem ist das Projekt wichtig, um daran zu erinnern, dass die Geschichte diese himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die in den Holocaust mündeten, niemals vergessen darf“, sagt Raimar Leng, der Ev. Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V..

Im Rahmen der Fördermaßnahme „Kultur in ländlichen Räumen“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurde nun eine mobile Wanderausstellung in einem Überseecontainer installiert, die zur Identifikation weiterer Angehöriger beitragen soll. Die #StolenMemory-Austellungscontainer werden durch eine Website, eine App sowie pädagogisches Bildungsmaterial begleitet, das über die individuellen Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus informiert. Gleichzeitig geht es darum, Aufmerksamkeit für die Arbeit der Organisation und damit auch neue Helferinnen und Helfer für die Suche zu gewinnen.

Dank der Unterstützung der U.S.-amerikanischen diplomatischen Vertretungen in Deutschland und Polen wandert die Ausstellung durch beide Länder und ist sowohl in Deutsch als auch in Polnisch verfügbar. Die Arolsen Archives sind ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfangreichsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus.

Die Ausstellung „#Stolen Memory“ am Jakob-Scheiner-Platz in Siegen kann von morgen bis 1. Mai 2022 täglich von 9 bis 19 Uhr besucht werden. Am Mittwoch, 20. April, findet um 16 Uhr eine Begleitveranstaltung statt, bei der es unter anderem eine inhaltliche Einführung zur Ausstellung durch eine Vertreterin der Arolsen Archives geben wird.

Weitere Infos zu den Arolsen Archives und der Ausstellung gibt es unter www.arolsen-archives.org.

s. a.
Ausstellungsflyer: Flyer #StolenMemory
Ausstellungsdossier: StolenMemory_Dossier

Quelle: Pressemitteilung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V.

Nachtrag 25.4.2022:

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