Siegen: Sichtbarmachung von Frauen im Stadtbild mittels eines Kunstwerks.

Abstimmung im morgigen Kulturausschuss über zwei von einer Fachjury ausgewählten Vorschläge im Rahmen des Wettbewerbs (Vorlage 144 /2026)

„Die Stadt Siegen beabsichtigt, zur Würdigung der gesellschaftlichen Leistung von Frauen ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum zu realisieren. Das Vorhaben steht im Kontext der Erinnerungskultur und der kommunalpolitisch diskutierten Frage, wie dieser historisch wenig erforschte und im Bewusstsein der Öffentlichkeit wenig präsente Beitrag sichtbar gemacht werden kann. In einem dauerhaft angelegten Kunstprojekt, realisiert im Innenstadtbereich von Siegen, wird eine Option gesehen. Es sind 50.000 Euro im Haushalt 2026 bereitgestellt.
Bei der Vorgehensweise hat die Kommunalpolitik ExpertInnen zu Rate gezogen, die einen Kriterienkatalog als Grundlage für die Ausschreibung eines geschlossenen Teilnahmewettbewerbs erstellt haben. Dies sind:
• Dr. Eva Schmidt, ehemalige Leiterin des Museums für Gegenwartskunst Siegen, aktuell freie
Kuratorin und Vorsitzende des Kunstvereins Siegen e. V. sowie
• Prof. Dr. Christian Berger, Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Siegen.
Folgende Personen wurden neben den beiden oben genannten in die Jury berufen:
• Jennifer Cierlitza, künstlerische Leiterin des Kunstvereins Siegen
• Dr. Karin Kolb, Direktorin des Siegerlandmuseums, Siegen
• Thomas Thiel, Direktor des Museums für Gegenwartskunst Siegen
• Susanne Titz, Direktorin des Städt. Museums Abteiberg, Mönchengladbach
• Sybille Schwarz, damals: Mitglied/heute: Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Siegen
Von der Jury wurden sechs KünstlerInnen benannt, die um die Abgabe einer Konzeptidee für das Kunstobjekt gebeten wurden. Dem Schreiben wurden
– Siehe Anlage 1: Fact Sheet zum Kunstprojekt
– Siehe Anlage 2: Themen- und Kriterienkatalog
– Siehe Anlage 3: Lageplan Innenstadtbereich
als Informationsgrundlage beigelegt.
Aus den eingegangenen Bewerbungen wurden in einem mehrstufigen Beratungsverfahren zwei Vorschläge herausgearbeitet. Die Jury hat bei ihrer Bewertung den Entwurf „Charms“ von Silke Wagner als ideale Umsetzung des Themas „Sichtbarmachung von Frauen im öffentlichen Raum“ präferiert und diesen somit auf den ersten Platz gesetzt. Der Entwurf „Echo Orte“ von Anys Reimann wurde ebenfalls favorisiert, jedoch auf dem zweiten Platz eingestuft.

Zusammenfassung der beiden Vorschläge:
Silke Wagner: „Charms“
Der Entwurf „Charms“ verfolgt einen bewusst unkonventionellen Ansatz der Erinnerungskultur. Vorgesehen ist eine Serie von 14 individuell gestalteten Schmuckanhängern („Charms“), die jeweils einer bedeutenden Frau der Siegener Stadtgeschichte (Anna Cäcilia Wilhelmine Hellmann, Charlotte Dresler, Charlotte Petersen, Dina Herter, Elisabeth Köhne, Emmi Braun, Frieda Dresler, Hedwig Heinzerling, Helge Pross, Hilde Fiedler, Juliane von Stolberg und Wernigerode, Margarethe Lenz, Maria Rubens, Therese Giehse) gewidmet sind. Die Anhänger sollen anlassbezogen in die Amtskette des Bürgermeisters integriert und bei offiziellen Terminen getragen werden. Ergänzend ist eine Vitrinenpräsentation im Rathaus Siegen vorgesehen, in der die Schmuckstücke dauerhaft öffentlich gezeigt werden können. Das Konzept versteht sich als nicht abgeschlossen und ausdrücklich erweiterbar. Es bricht mit klassischen Denkmalformen und verlagert die Sichtbarmachung von Frauen in den Bereich symbolischer, protokollarischer Repräsentation.
Im Rahmen des für das Kunstprojekt vorgesehenen Kostenrahmens von 50.000 € ist die Realisierung sämtlicher 14 Goldanhänger aufgrund inzwischen gestiegener Materialkosten eventuell nicht möglich; das Projekt würde daher in einer ersten Umsetzungsphase mit zunächst etwa 6 bis 10 Anhängern gestartet.

Anys Reimann: „ECHO_Orte“
Der Entwurf „ECHO_Orte“ sieht eine dezentrale künstlerische Intervention im öffentlichen Raum vor. Vorgeschlagen ist eine Serie lebensgroßer plastischer Abgüsse weiblicher Unterarme und Hände, die aus Mauern oder Fassaden im Stadtgebiet hervortreten. Die Skulpturen stehen für unterschiedliche Gesten des Arbeitens, Haltens, Tragens, Schützens, Pflegens und Dokumentierens und verweisen damit auf historisch wie gegenwärtig geleistete, häufig unsichtbare Arbeit von Frauen. Das Konzept verzichtet bewusst auf konkrete Namensnennungen oder biografische Zuschreibungen und setzt stattdessen auf eine offene, vieldeutige Lesbarkeit. Die Arbeiten sollen in Bronze oder alternativ in Aluminium realisiert und an insgesamt ca. elf Standorten angebracht werden.
Für diesen Vorschlag könnte auf eine bereits bewilligte Förderung aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren NRW“ zurückgegriffen werden

Beschlussvorschlag:
Der Kulturausschuss der Universitätsstadt Siegen beschließt mittels Abstimmung die Realisierung eines künstlerischen Gestaltungsvorschlags auf der Grundlage von zwei durch eine Fachjury ausgewählten Entwürfen.“

s. a. auf siwiarchiv:
Bürgerantrag: „Mehr Sichtbarkeit von Frauen im Siegener Stadtbild“
#SIEistSIEGEN zur abschließenden Beratung in den Stadtrat

Hinter der Paywall:
– Westfälische Rundschau, 10.2.2026, Link + Facebook-Eintrag
– Siegener Zeitung, 10.2.26, Link + Facebook-Eintrag

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