Bewegende Berichte von Zeitzeugen

Zahlreiche Jugendliche beim Studientag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Siegener Kreishaus
StudientagKriegsgraeber

Die anwesenden Zeitzeugen bewegten ihre Zuhörer beim Studientag im Siegener Kreishaus mit sehr persönlichen Einblicken und Erzählungen.Die eigene Geschichte kennen lernen, sich aktiv mit ihr auseinandersetzen und zum Frieden mahnen – dafür setzt sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. seit vielen Jahren ein. Er erinnert an die Schrecken der beiden großen Weltkriege, vor allem an die vielen Opfer, hinter denen sich letztlich immer individuelle Lebensgeschichten verbergen.

Im Siegener Kreishaus initiierte der Volksbund-Kreisverband Siegen-Wittgenstein jetzt wieder einen Studientag für Schüler und Auszubildende. Informative und bewegende Zeitzeugenberichte sowie eine gemeinsame Exkursion standen auf der Tagesordnung. Landrat Andreas Müller als Kreisvorsitzender des Volksbundes empfing die 25 jungen Teilnehmer aus dem Sieger- und Wittgensteiner Land und betonte schon bei seiner Begrüßung, dass die heutigen Generationen – nicht zuletzt angesichts der aktuellen Unruhen in Russland und der Ukraine – sehr wachsam mit gesellschaftlichen Entwicklungen umgehen müssten. Demokratie sei kein Selbstläufer, sondern erfordere Engagement jedes Einzelnen. Das könne man gerade aus der deutschen Geschichte lernen.

Besonders begrüßte der Landrat fünf Zeitzeugen aus Wilnsdorf-Flammersbach. Er zeigte sich dankbar darüber, dass es 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges immer noch möglich ist, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die hautnah dabei waren und von dieser Zeit berichten können. Nach einer sich anschließenden Vorstellungsrunde berichteten Margrit und Kurt Hasselbach aus ihrer Jugendzeit vor und während des 2. Weltkrieges.

Brigitte Frank, selbst Zeitzeugin des verheerenden Bombenangriffs auf Flammersbach, schilderte sichtbar bewegt die Schrecken dieses Ereignisses am 1. Februar 1945: „Nach den Bombenabwürfen saßen wir eingeschlossen im Keller. Unser Haus war eingestürzt, die Kellertür verschüttet. Meine Mutter sagte zu uns Kindern, dass wir dort nicht mehr raus kommen. Das war einfach schrecklich. Glücklicherweise wurde die Tür von außen wieder freigelegt und wir konnten doch herausklettern. Diesen Tag und diese Erlebnisse kann ich mein ganzes Leben nicht vergessen”, resümierte Brigitte Frank.

Tief betroffen zeigten sich die Jugendlichen – unter ihnen auch einige Auszubildende der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein – von den Erlebnissen, die Helmut Berg aus seiner Kinderzeit berichtete. Im Jahr 1935 geboren, erlebte er die späte Kriegs- und vor allem die Nachkriegszeit bewusst mit: „Mein Vater war Soldat. Wir lebten in der Stadt. Und wir waren bitterarm und hatten immer Hunger. Als der Krieg zu Ende ging, hatten wir Kinder mit unserer Mutter nicht das Nötigste zum Überleben. Wir machten uns auf, um auf dem Land zu hamstern, d.h. zu betteln oder zu tauschen. Wir waren froh über ein, zwei Kartoffeln, ein Stück Brot oder auch ein paar Kohlen, die wir ergattern konnten.”

Es sind genau diese Erzählungen, die den Teilnehmern des Studientages zeigten, dass die Geschichte des Zweiten Weltkrieges nicht etwas Abstraktes ist, das man aus Geschichtsbüchern lernen kann. Vielmehr stecken dahinter leidvolle Erfahrungen und Entbehrungen vieler Menschen, die erst durch Erzählungen und Erinnerungen erfassbar werden.

Abschließend bat Kurt Reh die Jugendlichen noch einmal eindringlich, sich in der Gesellschaft zu engagieren: „Wir sind nicht gekommen, um einfach nur zu erzählen. Wir sind gekommen, um euch zu sagen: Ihr seid die Generation, die etwas verändern und Weichen stellen kann. Bitte engagiert euch für Demokratie und ein gutes Miteinander.”

Einen umfassenden Einblick in die vielfältige Friedensarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gewährte anschließend Bernd Scherer, Geschäftsführer des Bezirksverbandes Arnsberg. Er unterstrich den humanitären Auftrag und die friedenspädagogische Jugendarbeit des gemeinnützigen Vereins.

Am Nachmittag stand dann ein Besuch des Aktiven Museums Südwestfalen auf dem Programm. Der Studientag endete mit einem alternativen Stadtrundgang an historische Orte Siegens aus der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Quelle: Kreis Siegen-Wittgenstein, 14.8.2015

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