Benutzung der digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei

Reblog: Günter Junkers, compgen-Blog v. 27.2..2027

NSDAP-Mitgliedskarte Wilfried Lückert, Quelle: National Archives, (Record Group 242: National Archives Collection of Foreign Records Seized, Series: Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)),
A3340-MFOK: Number N0076

:Die Suche nach Personen in der NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv Berlin erfolgt nur auf Antrag, der dann von Mitarbeitenden des Bundesarchivs bearbeitet wird. Ist eine Karteikarte vorhanden, werden Scans angefertigt. Im Rahmen von wissenschaftlichen und amtlichen Anfragen und für historische Bildungsarbeit kann die digitalisierte Kartei auch im Mikrofilm-Lesesaal in Berlin-Lichterfelde selbstständig benutzt werden, wobei bestimmte rechtliche Voraussetzungen und Verpflichtungen erfüllt werden müssen. Wegen der noch bestehenden personenbezogenen Schutzfristen ist eine Nutzung über das Internet oder für die genealogische Forschung nicht möglich.

Freie Nutzung im US-Nationalarchiv


Unser Leser Kai Heinrich teilte nun mit, dass die Mikrofilme der Karteikarten inzwischen auch vom US-Nationalarchiv in digitaler Form frei verfügbar gemacht wurden. Ende 2025 waren bereits die alphabetisch geordneten Karten mit den Buchstaben A bis E online; nun liegen sie auch bis zum Buchstaben Z digitalisiert vor. Auf den Karten findet man Vor- und Zuname, meist auch Geburtsdatum, Geburts- und Wohnort, das Partei-Eintrittsdatum, manchmal auch Porträts und weitere Daten.

Umfang und Inhalt

Die NSDAP-Mitgliederkartei besteht aus ca. 4,3 Millionen Karten der Mitglieder-Zentralkartei und der nach Gauen geordneten Mitgliederkartei mit ca. 6,6 Millionen Karten. Die amerikanische Armee fand den größten Teil der Millionen Karteikarten in einer Papierfabrik bei München, wo der Besitzer die Vernichtung verzögert hatte. Im „Berlin Document Center“ (BDC) wurde die Gaukartei alphabetisch nach Personennamen neu geordnet und in die Zentralkartei eingegliedert. 1994 hat das Bundesarchiv das „Berlin Document Center“ aus US-amerikanischer Verwaltung übernommen. Die Mitgliederkartei der NSDAP im Bundesarchiv umfasst ca. 12,7 Millionen Digitalisate.

Im amerikanischen Nationalarchiv befinden sich die Mikrofilme dieser und vieler weiterer Nazi-Dokumente aus der Zeit von 1927 bis 1945. Noch steht nicht alles in digitaler Form zur Verfügung. Aber die Mitgliederkartei, die in 5.442 Dateien jetzt komplett online gestellt wurde, macht 16,3 Millionen Digitalisate aus.

Mühsame Suche

Für die Suche kann man die Namen und Orte in ein Suchfenster eingeben, und man erhält die Dateien und Nummern für Karteikarten, die diese Begriffe enthalten. Man wird beim Blättern schnell feststellen, dass die Sortierung der Karten nicht immer streng alphabetisch ist. Der Anfangsbuchstabe der Dateinamen muss nicht identisch mit dem ersten Buchstaben der Namen sein. Die Texterkennung findet auch bei handschriftlichen Eintragungen die gesuchten Begriffe. Ob die Suchergebnisse vollständig sind, muss durch Blättern vor und hinter den angezeigten Fundstellen geprüft werden. Es ist möglich, die ca. 3.000 Digitalisate jeweils eines Mikrofilms in einer Datei herunterzuladen.

Wer eigene Erfahrungen bei der Personensuche gemacht hat, wird eingeladen, uns per Mail darüber zu berichten.

20 Kommentare zu „Benutzung der digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei

  1. Hallo,

    ich bin mit der (für mich wenig nachvollziehbaren) Verschlagwortung der Digitalisate der Sammlung
    „Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), 1945–1994“ im National Archives Catalog überfordert und hoffe daher auf Hinweise oder Erfahrungsberichte.

    Zur Suchmaske gelange ich über folgenden Link:
    https://catalog.archives.gov/id/12044361

    Wenn ich dort beispielsweise meinen Familiennamen Mauel eingebe, erhalte ich unter den insgesamt 5.442 File Units ein Suchergebnis von 37 File Units.

    Ein Beispiel:

    File Unit A3340-MFKL: Number B0069

    Beim Öffnen dieser Datei erscheinen 3.011 Digitalisate. Das erste relevante Karteidokument beginnt etwa bei Bild 7. Bei Stichproben stellte ich jedoch fest, dass die gesamte File Unit offenbar ausschließlich Personen mit dem Familiennamen Berg enthält. Ich habe dies anhand von etwa 40 Stichproben überprüft; eine vollständige Durchsicht aller Scans wäre sehr aufwändig.

    Auch die übrigen File Units aus der Serie A3340-MFKL scheinen jeweils bestimmte alphabetische Namensbereiche zu enthalten, z. B.:

    Number C0086 = Bonacker bis Bomanns
    Number E0038 = Daniel bis Dangl
    Number F0120 = Eggers
    Number G0034 = Engelbrecht bis Engel
    Number J0149 = Iffland bis Ida
    Number K0048 = Jahr bis Jahnke
    Number L0085 = Mauer bis Martin*
    Number N0008 = Rink bis Ringlstetter
    Number N0034 = Rogalla bis Röthinger
    Number S0108 = Vogel

    Die Ergebnisse aus der Serie A3340-MFOK zeigen ähnliche Strukturen:

    Number A0030 = Apitzschbis Antholz
    Number B0018 = Bentz bis Benninghaus
    Number B0020 = Bergeest bis Berg
    Number B0075 = Bongart bis Bolten
    Number D0001 = Danielsen bis Damme
    Number E0008 = Engelhard bis Engeland
    Number G0058 = Haberl bis Haats
    Number K0050 = Kirch bis Kipp
    Number K0069 = Klein
    Number K0084 = Klöfer bis Klitzke
    Number L0020 = Kocher bis Koch
    Number M0028 = Kruschwitz bis Krummhaar
    Number M0080 = Langenbeck bis Lange
    Number N0074 = Lübeck bis Ludwig
    Number O0042 = Mathe bis Massek
    Number O0048 = Maunz bis Mauch**
    Number O0049 = Mauritius bis Maunz
    Number O0066 = Merkl bis Mergner
    Number P0034 = Müller
    Number Q0050 = Patzina bis Pastor
    Number Q0065 = Peters
    Number S0028 = Rinzel bis Ringewald
    Number S0044 = Roggenkamp bis Röttger
    Number W0082 = Szember bis Sworowski
    Number X0006 = Thiele bis Thiel
    Number X0072 = Vogeley bis Vogel

    Dabei ist mir außerdem aufgefallen, dass die Karten scheinbar nicht nur alphabetisch, sondern teilweise auch regional gruppiert sind. So stammen viele Personen in der File Unit A3340-MFKL: Number L0085 (Mauer – Martin) aus Ober-, Unter- oder Mainfranken.

    * In dieser Einheit fand ich zwei Personen namens Mauel (gebürtig in Köln bzw. Berlin).
    ** In der Einheit O0048 befinden sich tatsächlich 76 Personen namens Mauel, überwiegend aus dem Rheinland.

    Daher meine Fragen:

    Wofür stehen die Kürzel MFKL und MFOK in den Bezeichnungen der File Units?

    Gibt es eine nachvollziehbare Systematik der alphabetischen und regionalen Ordnung dieser Karten?

    Wie kann man bei der Suche nach einem bestimmten Familiennamen effizienter vorgehen, ohne zahlreiche File Units einzeln durchsehen zu müssen?

    Für Hinweise oder Erfahrungen mit dieser Sammlung wäre ich sehr dankbar.

    Viele Grüße
    Sascha

    • Hallo Sascha, in den Kommentaren zum Eintrag auf compgen – Link s.o. – finden sich neben Recherchehinweisen auch die Antworten auf Deine Fragen. Daneben haben die Computergenealogen auch einen Wikieeintrag zur NSDAP- Mitgliedschaft erstellt sowie eine excel-Tabelle mit der Auflistung der einzelnen Filme begonnen.

      • Vielen Dank für die hilfreiche Rückmeldung.
        Zwischenzeitlich kann ich auch auf den sekundären Dienst bei http://www.zeit.de verweisen, wo das Suchen in derselben Kartothek deutlich besser systematisert wurde.

        Weiterhin unklar sind eine Vielzahl von Abkürzungen (gestempelt wie handschriftlich), wie sie auf mehreren Karten zu sehen ist.
        Weiß jemand, was ein Z mit einem Querbalken bedeutet, welches in einem kleinen Kreis aufgestempelt wurde? Oder was könnte „M MB.“ bedeuten?
        Kennt jemand eine Seite, wo derlei Frage für alle nachschlagbar gelistet und erklärt werden…?

        • Leider hilft der Rechercheleitfaden des Bundesarchivs nicht weiter – https://www.bundesarchiv.de/das-bundesarchiv/aus-unserer-archivarbeit/informationen-zum-verfahren-der-aufnahme-in-die-nsdap/ -, so dass ich erneut auf die genealogischen Webseiten verweisen muss.

          Beim Z würde ich noch auf „Zentral(kartei)“ tippen, die google-KI schlägt auch „Zahlung eingestellt“ bzw. „zahlungsunfähig“ vor. Bei „M MB“ muss ich leider passen,

          • Danke erneut für die Rückmeldung.
            Es stimmt, dass der Leitfaden des Bundesarchiv nur wenig weiterhilft.

            Seit der Veröffentlichung der Kopien durch die NARA ist zudem noch nicht allzu viel Zeit vergangen. In Deutschland haben zwar bereits verschiedene Medien darüber berichtet, doch ist wohl damit zu rechnen, dass sich künftig noch viele weitere Nutzer intensiver mit dem Material befassen.

            Mit etwas Glück ergeben sich daher in absehbarer Zeit auch auf meine Fragen Antworten aus der breiteren Recherche.

            Das gestempelte „Z“ habe ich beispielsweise auf mehreren Karten gesehen, sodass ich vermutlich nicht der Einzige bin, der sich darüber Gedanken macht.

            Ich übe mich daher vorerst in Geduld…

  2. Hallo in die Runde. Ich habe eine Verständnisfrage zu einer handschriftlichen Ergänzung auf einer Karte: „nicht aufgef. III/IV28gestr“. Ein anderer Stempelaufdruck: „Aufnahme ungültig lt. R.L. Was bedeuten diese Anmerkungen?

    • Ich würde wie folgt auflösen:
      – „Nicht aufge{führt (?)] III/IV [März April] 1928 gestr[ichen]“
      – „Aufnahme ungültig l[au]t R[eichs]-L[eitung]“

    • Verstehe ich Sie richtig, dass Sie nach einem Ort suchen wollen? Dies geht m. W. bisher nur über die Suche auf der Seite der National Archives.

  3. Hallo zusammen,
    hat jemand eine Idee, was „WL 128“ bedeuten könnte? Ich suche Person xy und finde sie auch. Allerdings gibt es anstelle der Seite mit den Daten ein Hinweisblatt.

    „Hinweis – Name, Vorname, Geburtsdatum“ (die Daten stimmen) und darunter „Siehe unter: Name: (leer) Geburtsdatum: WL 128“

  4. Hallo,

    ich habe die mir bekannten NSDAP-Mitglieder aus meiner Familie, aus meinem Heimatort (im Osten des Ballungsraums München) und einige auch überregional bekannte Parteimitglieder, die nach 1945 dorthin geflüchtet waren durchsucht.

    Die Parteimitgliedschaften sind durch Spruchkammerakten des Staatsarchivs München dokumentiert.

    Erkenntnisse:
    1. Beide Großeltern waren in der Partei, die NARA kennt keinen

    2. Auch andere Parteimitglieder aus dem Ort sind bei der NARA nicht vezeichnet.

    3. Auffällig ist demgegenüber der hohe Anteil der beim NARA gelisteten Österreicher. Den MInderbefunden bei (süd)deutschen Parteimitgliedern steht ein hoher Anteil österreichischer Mitglieder gegenüber. Dies kann man exemplarisch an Personen mit dem Nachnamen Egger prüfen: die NARA kennt so gut wie keine deutschen Egger, dafür sehr viele Österreicher, obwohl es laut den Tools zur geographischen Verteilung der Nachnamen heutzutage praktisch gleich viele österreihische wie deutsche Egger gibt.

    Mein Fazit ist daher: in der Endphase des NS oder gar bei der Papiermühle fand eine Bereinigung des Bestandes statt, die sehr viel bayerische Parteigenossen betraf. Es wäre iinteressant zu erfahren, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Überdies habe ich festgestellt, dass bei höherrangigen Parteigenossen meist keine Karteikarte vorhanden ist, sondern auf einem Merkblatt darauf verwiesen wird, dass weitere Infos in einer getrennten Kartei enthalten sind.

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