Heilstätte Hengsbach 23

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Zusammengefasste Daten aus den „Erhebungsbögen für Krankenanstalten“

Jahr

Pe

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  Plan- Pflege- Todes- behand.
  Ärzte Kr.schw./-pfleger Med.-Techn, Verwltg.  Wirtsch/Haus betten tage fälle Kranke
1953 2 13 1 2 19 109 37.886 2 457
1954 4 17 1 3 21 120 40.994 4 (?) 502
1955 4 12 1 5 25 120 43.875 3 384
1956 4 12 1 5 25 120 43.952 5 478
1957 4 14 1 5 25 120 44.029 3 356
1958 4 14 1 5 30 120 44.028 3 462
1959 4 14 1 5 26 120 43.580 6 447
1960 4 14 1 5 23 120 43.353 6 390
1961 4 15 1 5 27 120 43.012 7 407
1962 4 13 1 5 32 120 41.749 2 424
1963 4 13 1 5 31 120 43.630 7 461
1964 4 13 1 5 33 120 43.738 4 430
1965 4 14 1 5 29 120 43.814 5 405
1966 3 13 1 5 26 120 40.935 7 326
                   

 

Autorin: Dagmar Spies

Heilstätte Hengsbach 22

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Bei den Abrechnungen mit den Kostenträgern der Tbc-Heilbehandlung begegnet einem relativ häufig der Medikamentenname „Neoteben“.

 

Dazu eine vielleicht spannende Geschichte:

„Neoteben“ bekam seinen Namen etwa 1951 und ging hervor aus dem Mittel „OS 711“, das von dem Nobelpreisträger Gerhard Domagk entwickelt wurde. Es ist chemisch ein Iso-Nikotinsäure-Hydrazid. In zwanzigmillionenfacher Verdünnung verhinderte das Pulver im Reagenzglas Tuberkelbazillen am Wachsen. Das Pulver war damit im Laboratoriumsversuch allen bisher bekannten Tbc-Mitteln um das Zwanzigfache überlegen.

 

Die ersten Versuche mit dem Medikament wurden im September 1951 in den Städtischen Krankenanstalten von Wuppertal bei Professor Philipp Klee  vorbereitet. In der Regel werden solche Versuche in aller Stille zwei Jahre hindurch geführt, bis sich die Wirkung eines Medikaments genau übersehen läßt.

 

Aber diesmal blieb diese Zeit zur Erforschung nicht, da bereits im Februar 1952 in der Weltpresse zu lesen war, dass amerikanische Ärzte ein sensationelles Mittel gegen Tuberkulose gefunden hätten. [Rimifon (Fa. Hoffmann La Roche),  Marsilid (Fa. Hoffmann La Roche),  Nydrazid (Fa. J. R. Squibb & Sons] Diese Mittel nun enthielten die gleichen Wirkstoffe bzw. waren auf der gleichen chemischen Grundlage entwickelt wie das „deutsche“ Neoteben. Die parallelen Forschungen in Deutschland und Amerika waren wohl von unterschiedlichen Quellen ausgegangen, ebenso wie sie nichts voneinander wussten.

  

Die Amerikaner haben nur ihr Schweigen früher gebrochen als die Deutschen: So ließen sich die beteiligten amerikanischen Forscher im Januar 1952 bei einem Treffen über die chemischen Grundlagen und die klinische Anwendung des Rimifon aus. Im Februar kam dann jene Veröffentlichung in die Presse, während fast gleichzeitig Professor Klee in Wuppertal einige ausgewählte Fachärzte mit den bisher in der Stille erzielten Fortschritten des Neoteben vertraut machte.

„In diesem in der Geschichte der Pharmazie einzigartigen Wettlauf um ein Heilmittel waren die Bayer-Werke also um eine Nasenlänge zurückgeblieben, obwohl die Chemikalien etwa zur gleichen Zeit (Sommer 1950) entdeckt wurden. Die wissenschaftliche Veröffentlichung kam in den USA sieben Wochen, die Pressemitteilung sieben Tage früher heraus.“ (Quelle: www.spiegel.de/spiegel/print/d-21976793.html)

 Autorin: Dagmar Spies

Heilstätte Hengsbach 20

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Auszug aus: „Nachweis der Personalkosten der Hengsbach-Heilstätte Eiserfeld/Sieg e.V. für das Rechnungsjahr 1959:

Beamte:

Verwalter               10.980.- DM/ Jahr

Angestellte:

Chefarzt               18.000.- DM/ Jahr

Oberarzt               13.968.- DM/ Jahr

Ass. Arzt               13.924.-DM/ Jahr

Ass.Arzt               10.937.-DM/ Jahr

Med.techn. Assist.        8.304.-DM/ Jahr

Arztsekretärin            6.276.-DM/Jahr

Büroangest. für ½ Tg.     2.874.-DM/ Jahr

Büroangestellte          4.368.-DM/ Jahr

Büroangestellte          5.472.-DM/ Jahr

Hausmeister            8.637.-DM/ Jahr

Schwester              6.030.-DM/ Jahr

Nachtschwester         5.324.-DM/ Jahr

Krankenpfleger          6.450.-DM/ Jahr

Waschküchenleiterin     5.796.-DM/ Jahr

Arbeiter:

Arbeiter                5.800.-DM/ Jahr

Stationshilfe             3.132.-DM/ Jahr Weiterlesen

Heilstätte Hengsbach 19

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Ein neues Dokument in den Buchungsbelegen der Heilstätten-Kasse weckt Interesse. Text:

„Wir bescheinigen hiermit, von der Hengsbach-Heilstätte je 10.- DM (zehn Deutsche Mark) erhalten zu haben. Der Betrag wird gezahlt, da keine Richtfeier für den Neubau Schwesternwohnheim veranstaltet wurde.“

eine Liste von 15 Namen und Unterschriften

„Es handelt sich um alle Arbeiter, die an dem Neubau gearbeitet haben.

(…)

Eiserfeld, den 5.12.1966

                             Verwaltungsleiter       Bauleiter“

Zum Hintergrund:

Ein Richtfest (auch Bauheben, Weihefeier, Hebefest, o.Ä.) wird auf einem Neubau gefeiert, wenn der Dachstuhl errichtet und damit der Rohbau eines Gebäudes fertig erstellt ist. Das Richtfest findet immer während der Arbeitszeit der Handwerker und auf der Baustelle selbst statt.

Der Brauch lässt sich bereits im 14. Jahrhundert nachweisen und geht auf rituelle Formen der Abgeltung von Arbeitsleistung zurück, wie sie im Mittelalter nicht unüblich waren. Weiterlesen

Heilstätte Hengsbach 17

Tagebuch einer Bestandsaufnahme
Und weiter „Entdeckungen“ und Fragen:
Bisher recherchiert:

aus: Amtsblatt für den Regierungsbezirk Arnsberb, Nr. 27, ausgegeben am 1. Juli 1972

aus: Amtsblatt für den Regierungsbezirk Arnsberb, Nr. 27, ausgegeben am 1. Juli 1972

Im März 1967 traf der Verwaltungsrat der „Heilstätte Hengsbach e.V.“ die Entscheidung, die Heilstätte zu schließen und den Verein aufzulösen.
„Erst“ am 29.03.1972 wird der Verein aus dem Vereinsregister gelöscht.
Es gibt zwei Ordner mit Rechnungs- und Kassenunterlagen aus den Jahren 1968 und 1970-72. Immer wieder taucht in diesen Unterlagen der Begriff „Liquidator“ auf.

Wie passt das jetzt (für einen Menschen, der bisher noch kaum Wissen in betriebswirtschaftlichen Abläufen hat) zusammen? Weiterlesen

Heilstätte Hengsbach 15

Aufgrund der Kommentare erfolgt nun die Publikation der dem Eintrag zugrunde liegenden Quellen:

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

So, seit Anfang der Woche ist die Bearbeitung der Unterlagen zum Bereich Finanzen/Kasse an der Reihe. Das scheint zunächst ziemlich dröger Stoff, aus dem sich nicht wirklich interessante Informationen -und schon gar keine für einen blog-Eintrag herausziehen lassen…

Oder vielleicht doch?!

– Meine Aufmerksamkeit wurde durch die Unterlagen mit der Überschrift „Alkoholbestellungen“, die immer wieder auftauchenden Begrifflichkeiten „Ankaufserlaubnisschein“ , (un)vergällter Alkohol und „Bundesmonopolverwaltung für Branntwein“ geweckt.

Also was hat es damit in Zusammenhang mit einer Tbc-Klinik auf sich? Weiterlesen

Heilstätte Hengsbach 12

Tagebuch einer Bestandsaufnahme

Die schönsten Bewerbungsschreiben des Bestandes:

Bewerbung1

Sehr geehrter Herr Dr. Kruse,

durch Herrn Landesrat Dr. Nannen (?) Naunin erfuhr ich, dass in der von Ihnen geleiteten Heilstätte die Stelle einer med.techn. Ass. zu besetzen ist. Ich erlaube mir, mich um diese Stelle zu bewerben. Die erforderlichen Unterrlagen füge ich in der Anlage bei . Für eine Berücksichtigung meiner Bewerbung wäre ich Ihnen sehr verbunden. Da ich hier in ungekündigter Stelle bin wäre ich Ihnen für eine baldige Nachricht dankbar. Gegebenenfalls wäre ich zu einer persönlichen Vorstellung u. Rücksprache gern bereit. Wäre allerdings sehr dankbar, wenn diese an einem Sonntag Vormittag sein könnte.

Mit vorzüglicher Hochachtung

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