Weltkulturerbe erhält ein Schutzdach und Geotechniker einen Preis

Ein Projektteam unter Beteiligung der Universität Siegen ist mit dem Ulrich-Finsterwalder-Ingenieurbaupreis ausgezeichnet worden. Das Team hat ein Schutzdach für die Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe in der Türkei entwickelt.

Alle zwei Jahre werden herausragende Leistungen im Konstruktiven Ingenieurbau mit dem Ulrich-Finsterwalder-Ingenieurbaupreis gewürdigt. Preisträger in diesem Jahr ist ein Projektteam unter Beteiligung des Instituts für Geotechnik der Universität Siegen um Univ.-Prof. Dr.-Ing. Richard A. Herrmann. Das Team aus IngenieurInnen, ArchitektInnen und WissenschaftlerInnen hat ein Schutzdach für die Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe in der Türkei entwickelt und hergestellt. Dort wurden 1994 die wohl ältesten Tempel der Menschheit entdeckt, die um 12.000 vor Christus entstanden sind.

Der Jury-Vorsitzende Univ.-Prof. Peter Mark übergab den Preis vor mehr als 100 Gästen im Deutschen Museum München. Besonders beeindruckte die 13-köpfige Expertenkommission „der Umgang des Entwurfs mit der sensiblen Umgebung der Ausgrabungsstätte und dem Zusammenspiel der Dachform mit der Hügellandschaft“, wie es in der Begründung heißt.

Für das sogenannte Gründungskonzept, quasi das Fundament, zeichneten die Siegener Bauingenieure verantwortlich. Die Herausforderung bei der Konstruktion für das bedeutende Weltkulturerbe lag darin, dass nur wenige ausgewählte Gründungspunkte zur Verfügung standen und unterschiedliche Gründungsarten zum Schutz noch nicht ausgegrabener Tempel zu berücksichtigen waren. Die Konstruktion wurde angesichts der örtlichen Erfordernisse auf ein Minimum reduziert, und dennoch muss die Gründung in der Lage sein, hohe Erdbebenkräfte und Windbelastungen zu übernehmen. Besonderer Hingucker ist das Dach, das mit seiner PTFE-Membran als Witterungsschutz dient, aber auch für eine natürliche Beleuchtung der Ausgrabungsstätte sorgt. Die Jury kam zu dem Ergebnis, dass das Bauwerk die verschiedenen Bewertungskriterien wie Konstruktion, Innovation, Interdisziplinarität, Ästhetik und Nachhaltigkeit in herausragender Weise erfüllt.

Mit dem Projekt wurde eine langjährige Zusammenarbeit zwischen Prof. Herrmann und Prof. Dr. habil. Klaus-Peter Schmidt (2014 verstorben), finalisiert. Schmidt war es, der 1994 in Göbekli Tepe die ältesten Tempel der Menschheit entdeckte. Im Rahmen einer Grabungskampagne hatte Herrmann 2009 dort die älteste Wassernutzung entdeckt und wissenschaftlich mit Schmidt beschrieben. „Mit der Preisverleihung ist – für die Geotechnik – auch ein besonderes Gedenken an den so früh verstorbenen Freund und wissenschaftlichen Partner Klaus-Peter Schmidt verbunden, dessen Wunsch nach einem besonderen Schutz der Tempel damit erfüllt wurde“, so Hermann.

Hintergrund
Der Fachverlag Ernst & Sohn zeichnet seit 1988 alle zwei Jahre herausragende Leistungen mit dem Ulrich-Finsterwalder-Ingenieurbaupreis aus. Zum Gewinnerteam gehörten neben der Universität Siegen die EiSat Ingenieure GmbH und die Berliner Architekten-Gesellschaft Kleyer, Koblitz, Letzel, Freivogel. Die Jury, bestehend aus namhaften Vertretern aus Wissenschaft, Praxis sowie Behörden und Verbänden, wählte aus 25 hochkarätigen Einreichungen zunächst fünf Projekte für die Shortlist aus. In einer zweiten Jury-Sitzung wurde schließlich in einer mehrstündigen Diskussion der Preisträger ermittelt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.ernst-und-sohn.de/ulrich-finsterwalder-ingenieurbaupreis.
Quelle: Universität Siegen, Pressemitteilung, 28.3.2019

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.