„Was geben wir an nächste Generationen weiter?“ – Ein Blick über den Tellerrand

WissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus der Praxis diskutieren auf einer Tagung „Biografische Erbschaften“ und wie die nächsten Generationen vor Leid geschützt werden können.

Prof. Simon Forstmeier, Universität Siegen

Wie wirken sich die NS-Zeit, Krieg oder Fluchterfahrungen auf nachfolgende Generationen aus? Mit Fragen wie dieser beschäftigen sich ExpertInnen und PraktikerInnen an der Uni Siegen am 22. und 23. September auf der Tagung „Biografische Erbschaften: Transgenerationale Perspektiven in der Biografiearbeit“. WissenschaftlerInnen diskutieren unter anderem mit Sozialpädagogen, Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten, Pflegekräften, Journalisten und Soziologen sowie interessierten Laien. Alle Interessierten können sich anmelden unter www.biografische-erbschaften.de.

„Biografische oder Emotionale Erbschaften betreffen nicht nur einzelne Personen, sondern auch ganze Familien oder sogar ganze Gesellschaften. Jede Generation gibt der nächsten ihre emotionalen Erfahrungen weiter, die negativen und die positiven“, erklärt Professor Dr. Simon Forstmeier von der Uni Siegen, Organisator der Veranstaltung. Die Tagung behandelt in dem Zusammenhang drei Schwerpunkte: Krieg und Nachkriegszeit, Flüchtlinge und Flucht sowie Pflege- und Adoptivkinder.

Das Flüchtlings- und Fluchtthema ist das aktuellste der Tagung. „Es kommen viele junge Flüchtlinge zu uns, die auf der Flucht Missbrauch und Leid erfahren. Das hat langfristige Folgen“, sagt Prof. Forstmeier. Nicht behandelte Traumata könnten zu psychischen Problemen führen, zum Beispiel zu Beziehungsunfähigkeit oder Angststörungen, die sich auch auf die Kinder der Flüchtlinge und deren Kinder auswirken können. Und das nicht nur vereinzelt, sondern verbreitet in der Gesellschaft. In Workshops diskutieren die Tagungs-TeilnehmerInnen, wie wir heute schon eingreifen können, um Nachfolge-Generationen der Flüchtlinge zu beschützen.

Das Thema Prävention und Intervention zieht sich durch die gesamte Tagung. Wie können wir zum Beispiel mit Pflege- und Adoptivkindern umgehen, damit sich ihre schwierigen Startbedingungen nicht auf folgende Generationen auswirken? Wie können Kinder und Enkelkinder mit den Folgen der Vergangenheit ihrer Eltern als Opfer oder Täter in der NS-Zeit umgehen? Wie kann Biografiearbeit mit älteren Menschen im pflegerischen und psychotherapeutischen Kontext aussehen, speziell im Hinblick auf Traumatisierungen.

Die Workshops und Symposien finden am Campus Unteres Schloss statt, die Plenumsveranstaltung, das Mittagessen und das kulturelle Programm im Haus der Wirtschaft (Spandauer Str. 25, Siegen). Für die Tagung kooperiert der Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie der Uni Siegen mit dem Fachverband für Biografiearbeit FaBia e.V.
Quelle: Universität Siegen, 27.6.2017
Link zur Homepage der Tagung
Flyer zur Tagung: flyer_biogr_erbschaften

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