siwiarchiv-Adventskalender 2016/17

200siwiVierzehnter Landrat des Kreises Siegen:
[Anm. Zu Heinrich Otto, 13. Landrat des Kreis Siegen, liegen einige Einträge auf siwiarchiv vor]

1946-1954, 1958-1961 Josef Büttner

• Geb. am 8.8.1898 in Limburg/Lahn; gest. am 22.06.1978 in Hilchenbach
• Kath., verheiratet, 2 Söhne
• Wohnort: Hilchenbach, Landgerichtsdirektor a.D.

• 1916 – 1918 Kriegsdienst
• 1918 Studium der Rechtswissenschaften
• 1924 Gerichtsassessor und Hilfsrichter
• 1928 Ernennung zum Amtsgerichtsrat und Versetzung nach Rathenow/ Havel. Hier begann seine politische Betätigung in der Zentrumspartei und er kandidierte im Wahlkreis Potsdam für die preuß. Landtagswahlen und den Reichstag. In Rathenow engagierte er sich als Stadtverordneter.
• 1933 Versetzung nach Hilchenbach. Wegen seiner kommunalpolitischen Tätigkeit in Rathenow kam es zu heftigen Konflikten mit der NSDAP. Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erfolgte seine Strafversetzung als Amtsgerichtsrat nach Hilchenbach. Auf Empfehlung des NS-Rechtswahrerbundes wurde Büttner wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von jeglicher Beförderung ausgeschlossen.
• 1939 – 45 Kriegsdienst als Hauptmann der Reserve
• 1945 Mitbegründer des Kreisverbandes der CDU im Siegerland und stellvertretender Vorsitzender von 1945 – 1963; Mitbegründer der CDU in Hilchenbach
• 1946 – 1948 Bürgermeister in Hilchenbach; bis 1964 und 1969 – 1973 Stadtverordneter. 1964 – 1968 stellvertr. Bürgermeister des Amtes
• 1946 – 1954 sowie 1958 – 1961 Landrat des Kreises Siegen, bis 1961 Mitglied des Kreistages. 1961 trat Büttner aus gesundheitlichen Gründen zu einer erneuten Wahl zum Landrat nicht mehr an.
• Auf Anordnung des damaligen (Britischen Kommandanten Mr. Haley 1946) musste sich B. nach den Richtlinien der engl. Kommunalverfassung zwischen seinem Beruf als Richter – und damit seiner materiellen Absicherung – und der politischen Laufbahn entscheiden. Mitten im Wahlkampf entschied sich B. für den einmal eingeschlagenen politischen. Weg.
• Mitglied des Landtages von 1947 bis 1962, Vorsitzender des Überwachungsausschusses des Staatskommissars zur Bekämpfung von Korruption und Misswirtschaft, Mitglied des Ausschusses zur Beratung der Gemeindeordnung NW, Mitglied des Vergabeausschusses, stv. Vorsitz im Justizausschuss
• 1947 – 1953 Mitglied im Regierungsbezirkspolizeiausschuss Arnsberg, Mitglied im Landespolizeirat
• 1948 – 1953 Provinzialausschuss/Beschlussausschuss, Mitbegründer der Landschaftsversammlung
• ab 1957 Mitglied des Vorstandes des Gemeindetages Westfalen-Lippe, seit 1958 Vorsitzender des Bezirksgemeindetages
• 1958 wird er auf Erlass des Justizministers des Landes Nordrhein-Westfalen auf Grund des Gesetzes zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts zum Landgerichtsdirektor a. D. befördert
• 1961 – 1970 Mitglied des Hauptausschusses des Landes-RPV
• Mitgliedschaft in weiteren Ehrenämtern und Gremien
• 1962 erhält er für seine Verdienste von der katholischen Kirche den Orden des Komturkreuzes vom hl. Silvester

Im Juni 1964 ging bei der Kreisverwaltung die Anregung ein, J. Büttner für das Große Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen. In der Begründung des Antrags hieß es: „Die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes (Halskreuz) würde eine angemessene Anerkennung seines rastlosen Einsatzes für unsere junge Demokratie – vom Zusammenbruch im Jahre 1945 bis zum heutigen Tage – sein.“
Vom Chef der Staatskanzlei wurde dem Regierungspräsidenten in Arnsberg aber mitgeteilt, dass die Anregung zunächst nicht weiter verfolgt werde: “Die Verdienste des Vorgeschlagenen – mit Ausnahme seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter-reichen für eine Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz nicht aus.“

1968 erfolgte ein weiterer Vorstoß aus dem Siegerland, der aber bereits im Vorfeld an Büttners Weigerung, eine rangniedrigere Auszeichnung zu akzeptieren, scheiterte. Büttners Haltung traf bei dem OKD Kuhbier auf Verständnis, der die Verdienste Büttners um einen demokratischen Aufbau ab 1945 mit der Verleihung des Ansteckkreuzes nicht genügend gewürdigt sah. Die CDU-Kreistagsfraktion unternahm 1973 erneut einen Vorstoß, Büttner anlässlich seines 75. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz zu verleihen. Der OKD leitete wiederum den Antrag weiter und erhielt vom Regierungspräsidenten die Antwort, erst einmal nachzuprüfen, ob B. denn bereit sei das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse anzunehmen, da er dieses ja schon einmal abgelehnt habe. Eine Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz hielt der Regierungspräsident aus grundsätzlichen Erwägungen immer noch nicht für möglich. Aber auch der Landgerichtsdirektor a.D. ließ keine Bereitschaft erkennen, seine konsequente Haltung aufzugeben, um eine rangniedrigere Ehrung zu erhalten, so dass von einer Weiterverfolgung der Ordensangelegenheit und damit der formellen Anerkennung seiner geleisteten Dienste endgültig abgesehen wurde.

Allerdings war sowohl der Siegerländer Bevölkerung als auch den Lokalpolitikern bewusst, welche Verdienste sich Büttner in seiner Arbeit erworben hatte. So beklagt ein Artikel in der Siegener Zeitung 1954 die Abwahl des bewährten Landrats aus parteitaktischen Gründen und ist sich sicher, dass, wenn der Landrat von der Bevölkerung gewählt würde, er auch weiterhin dieses Amt inne hätte. Büttner wird nicht nur große Popularität auf Grund seiner politischen Fähigkeiten nachgesagt, sondern auch seine Ausgleichsfähigkeit und warme Menschlichkeit gerühmt. In den Dankesworten wird hervorgehoben, dass es mit sein Verdienst sei, wenn wieder nomale Verhältnisse herrschten und der Selbstverwaltung wieder Achtung entgegengebracht werden könne. Diese Wertschätzung seiner Person zog sich auch über die nächste Amtsperiode als Landrat hinaus. Als er 1978 verstarb, wurde er in zahlreichen Nachrufen als ein Mensch gewürdigt, der sich ein Leben lang für eine freiheitliche Politik christlicher Prägung engagierte.

Quellen:
Häming, Josef: Die Abgeordneten des Westfalenparlaments 1826–1978 (Westfälische Quellen und Archivverzeichnisse, Bd. 2), Münster 1978, S. 223 (Nr. 240)
SZ Jg. 132, 8.Dez. 1954

Noch auswerten:
Landkreistag Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Dokumentation über die Landräte und Oberkreisdirektoren in Nordrhein-Westfalen 1945 – 1991 stammen, Düsseldorf 1992, S. 299.
Archiv LWL VerwaltungsA II K 163, 174-196, 262a
Handbuch Landtag NW 1. WP 1949, 2. WP 19151, 3 WP. 1954, 4. WP. 1958 S. 336
Bilder:
Handbücher Landtag1949-1958
LWL VerwaltungsA Neg. NR. 115
Siegerländer Heimatkalender 1979, S. 43
Blanche, S. 15, 46
SZ 7.8.1968

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