Rätsel um den Burggraben bei Netphen

LWL-Altertumskommission veröffentlicht archäologischen Führer zur Wallanlage

Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts weiß man von den wallähnlichen Strukturen in einem Waldstück oberhalb der Stadt Netphen (Kreis Siegen-Wittgenstein). Bergrat Theodor Hundt erkannte 1881, dass es sich um die Reste einer fünfeckigen „Wallburg“ handelte. Wann sie jedoch errichtet wurde, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Dr. Manuel Zeiler und Prof. Dr. Michael Baales, Archäologen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), haben deshalb den Burggraben neu erforscht und bewertet. Dazu hat die LWL-Altertumskommission jetzt einen archäologischen Führer in Form einer Broschüre herausgegeben.

Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich immer wieder Archäolog:innen und Heimatforscher:innen mit dem Burggraben. Dabei kamen sie jedoch zu keinen oder nur unklaren Ergebnissen. Dies lag zum einen daran, dass sie keine datierbaren Funde machten oder Funde falsch interpretierten, nicht zuletzt wegen Spuren eines Altbergbaus in dem Gelände. Während einige dieser frühen, zum Teil schlecht dokumentierten Bodeneingriffe heute eher als Zerstörung zu bewerten sind, sind die Grabungsschnitte und Schürfungen anderer Forscher gut nachzuvollziehen. „Ihre genauen Aufzeichnungen und Fundbeschreibungen erlauben uns heute sogar die Rekonstruktion einer Holz-Erde-Befestigung“, so Zeiler.

Er hat die frühen Forschungen neu beurteilt und ist durch neue Methoden, wie etwa Sichtfeldanalysen, zu überraschenden Erkenntnissen gelangt. Zudem erbrachte die Auswertung von Fundsammlungen mehrerer Heimatforscher:innen, die das Bodendenkmal und sein Umfeld in den letzten Jahrzehnten begangen haben, neue Ergebnisse: „Funde von Feuersteingeräten zeigen, dass das Umfeld des Burggrabens bereits von steinzeitlichen Jäger-Sammlergruppen vor vielleicht 13.000 Jahren aufgesucht worden ist“, erklärt Baales. Und auch die Wallanlage könnte neuesten Forschungen zufolge deutlich älter als das bisher vermutete Frühmittelalter sein: Die Hinweise auf eine Datierung in die Eisenzeit (etwa 750 v. Chr. bis 400 n. Chr.) mehren sich.
Ihre Ergebnisse haben Zeiler und Baales in kompakter Form als Band 46 der Reihe ‚Frühe Burgen in Westfalen‘ veröffentlicht. Die als archäologischer Führer konzipierte Broschüre ermöglicht es Interessierten, den Burggraben bei Netphen sowohl bei einer Wanderung, als auch von zuhause aus über die Texte, Bilder und Pläne zu erkunden.

Manuel Zeiler und Michael Baales
Der Burggraben bei Netphen, Kreis Siegen-Wittgenstein
Frühe Burgen in Westfalen 46
Münster 2021, 40 Seiten, 22 Abbildungen, 1 Klapptafel
Erhältlich für 3,50 Euro bei der Altertumskommission
Altertumskommission für Westfalen
An den Speichern 7, 48157 Münster, Tel.: 0251 591-8990
altertumskommission@lwl.org

Quelle: LWL, Pressemitteilung, 26.2.2021

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