Einrichtung eines LWL-Industriemuseums im Siegerland?

Antrag der FDP-Fraktion im Kreisausschuss am 30. April 2021:

Quelle: FDP Kreisverband Siegen-Wittgenstein, Homepage

„Der Kreisausschuss bittet die Kreisverwaltung Gespräche mit dem LWL, der Universität und möglichen Kooperationspartnern (Unternehmen, Verbände) zu führen, um die Chancen für den Standort eines LWL-Industriemuseum zur frühindustriellen Geschichte im Siegerland auszuloten.
Der Kreisausschuss beschließt, dass im Kulturausschuss eine Arbeitsgruppe „Industriemuseum“ eingerichtet wird, um das Projekt über die Wahlperiode hinweg zu begleiten. Dieses Gremium soll allen Mitgliedern des Ausschusses offenstehen, die sich für das Thema interessieren und muss nicht im Proporz der Parteien besetzt werden. Entscheidungen des Arbeitskreises werden daher auch ausschließlich im ordentlichen Ausschuss getroffen.

Begründung:

Vor über 2.000 Jahren war das Siegerland die maßgebliche Region für Eisenproduktion. In den bislang größten bekannten Verhüttungsöfen ihrer Epoche in Europa gewannen keltische Hüttenleute große Mengen an Eisen. Das Siegerland ist eine der ältesten Industrieregionen der Welt. Aktuell findet dieser Sachverhalt in der Industriegeschichte des LWL noch nicht die entsprechende Würdigung. Wir finden, das muss geändert werden, zumal Südwestfalen ohnehin arm mit Einrichtungen des Landschaftsverbandes bislang bedacht worden ist.
Unsere Mitglieder im LWL stehen dem Themen aufgeschlossen gegenüber und werden ebenfalls für die Realisierung eines LWL-Museums im Siegerland bei den anderen Fraktionen werben.“

Quelle: Kreis Siegen-Wittgenstein, KReistagsinformationssystem, Vorlage 149/2021

Stellungnahme des Referats des Landrates zum Antrag der FDP-Fraktion:
Der Kreis Siegen-Wittgenstein hat im Jahr 2002 mit der Installierung der Dokumentationsstelle Wirtschaftsgeschichte beim Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein begonnen und trägt damit der Bedeutung der regionalen Wirtschaftsgeschichte Rechnung. In der Zwischenzeit ist es gelungen, gemeinsam mit der Stadt Siegen und der Universität Siegen die Erweiterung des Siegerlandmuseums zu einem kreisweiten, wirtschaftsgeschichtlichen Anlaufpunkt zu planen.
Darüberhinaus erfolgt diemuseale Dokumentation der archäologischen Montangeschichte in enger Zusammenarbeit mit der LWL-Archäologie am Gerhardseifen im südlichen Siegerland.
Die Diskussion um ein solitäres Industriemuseum im Siegerland wird seit rund 20 Jahren geführt. Der Aufbau eines solchen, westfalenweit strahlenden Projektes erforderte und erfordert zu allererst einen historischen,authentischen Ort der regionalen Industriekultur –wie dies die derzeit acht vorhandenen Standorte der LWL-Industriemuseen zeigen: Zeche Zollern, Dortmund; Zeche Hannover, Bochum; Zeche Nachtigall, Witten; Henrichshütte Hattingen; Schiffshebewerk Henrichenburg; TextilWerk Bocholt; Ziegelei Lage;Glashütte Gernheim. Die erste Aufgabe bestünde darin einen vergleichbaren Ort innerhalb des Kreises Siegen-Wittgenstein zu identifizieren.“
Quelle: Kreis Siegen-Wittgenstein, Kreistagsinformationssystem, Vorlage 149/2021, 1. Ergänzung

Zum Antrag s. a.
1) „FDP macht sich stark für LWL-Industriemuseum im Siegerland“, Homepage FDP Kreisverband Siegen-Wittgenstein, [Aufruf: 1.5.2021]
2) Siegener Zeitung v. 30. April 2021 (Heimatland) – leider nur Print

Literatur zum Thema:
Günter Dick, St. Augustin: Ideenskizze für eine Siegerländer Industriemuseum, siwiarchiv, 12. April 2016
– Plaum, Bernd D.: „Ein Museum für Industriekultur für das Siegerland“, in: Siegener Beiträge 4 (1999), S.225–230.
– Plaum, Bernd D.: „Siegerland-Wittgenstein – eine Region der Industriekultur?“, in: Siegener Beiträge 5 (2000), S.155–164.
– Schawacht, Jürgen H.: Ein Industriemuseum für das Siegerland? Überlegungen zu einer realisierbaren Konzeption, in: Siegerland, 1984, S. 115 – 118

13 Gedanken zu „Einrichtung eines LWL-Industriemuseums im Siegerland?

  1. Zur Aufarbeitung und Dokumentation der bedeutsamen regionalen Industriegeschichte ist die Einrichtung eines Industriemuseums im Siegerland an einem historisch authentischen Ort unbedingt erstrebenswert. Es ist erfreulich, dass auf den Antrag der FDP Fraktion eine positive Reaktion des Kreisausschusses erfolgte mit Gründung einer Arbeitsgruppe „Industriemuseum“.
    Den Aktiven und Beteiligten an der Maßnahme wünsche ich ein interessantes Betätigungsfeld, ein gutes Miteinander, Durchsetzungsvermögen und Erfolg.

      • Hallo,

        wir hoffen, dass der neue Arbeitskreis des Kulturausschusses hier Vorarbeit leistet. Natürlich wäre die Ausgrabungsstelle Gerhardsseifen (Niederschelden) ein guter Standort. Aber auch das Technik Museum in Freudenberg oder die mittelalterliche Bergbausiedlung Altenberg (Hilchenbach) vorstellbar.

    • Hallo Frau Dr. Leopold,

      vielen Dank für diesen positiven Beitrag. Arbeiten wir nun daran, dass der LWL uns in dem Vorhaben unterstützt!

      Lieben Gruß

      Guido Müller
      Fraktionsvorsitzender FDP Siegen-Wittgenstein

  2. In der Siegener Zeitung erschien heute der Leserbrief „Vorarbeiten sind da“, der auf die eisengeschichtliche Ausstellung in Haus Pithan in Netphen verweist und zudem die Bedeutung des Stahlbaus im Siegerland betont, wie sie an einer Eisenbahnbrücke in Dreis-Tiefenbach zu erkennen sei. Die Brücke wurde im Siegerland hergestellt und 1905 inDienst genommen. Schließlich verweist der Leserbrief darauf, dass Industriegeschichte im Siegerland mit Mitteln des sanften Tourismus erfahrbar gemacht werden solle.

  3. Ein neuer Versuch, diesmal von der FDP. Sie möchte im Siegerland einen weiteren Standort der LWL-Industriemuseen sehen, von denen sich, nach FDP-Aussage, acht im Ruhrgebiet „knubbeln“. Nur nebenbei: Meine geografischen Kenntnisse führen zu einem anderen Ergebnis!
    Bemerkenswert und diskussionswürdig ist aber der Gedanke, „ein LWL-Industriemuseum zur frühindustriellen Geschichte“ in das Siegerland zu holen. Nach meinem Verständnis wäre das eine Einrichtung, die den Zeitraum – grob gesprochen – vor 1850 abdecken würde. Damit würde eine weitgehende Doppelung mit dem LWL-Museum Henrichshütte in Hattingen ausgeschlossen, die für die Zeit nach 1850, das Industriezeitalter, steht.
    Einen geeigneten Standort für den FDP-Vorschlag zu finden, dürfte schwer werden. Ich halte ihn gar für unmöglich. Alle alten Hüttenstandorte sind plattgemacht, was wiederum Ausdruck fehlenden Geschichtsbewusstseins ist. Ein Ausweg bietet sich aber an, verlangt aber größere Anstrengungen aller Beteiligten, weil die Vernetzung der regional bereits vorhandenen Einrichtungen wie Historischer Hauberg Fellinghausen, Bergbaumuseum Sassenroth, Wendener Hütte usw. über Landesgrenzen von NRW hinaus erforderlich wäre. Unter einem gemeinsamen Motto, z.B. „nachhaltiges Wirtschaften“, könnten diese Standorte ihre inhaltlichen Schwerpunkte ausbilden und miteinander verbinden. Davon würden zudem alle Einrichtungen profitieren.

    • Danke für den Kommentar! Die skizzierte Lösung wäre allerdings ein Novum, denn bisher befinden sich die LWL-Industriemuseen an einem (!) historisch authentischen Ort. Die Vernetzung musealer Angebote nicht nur zur frühindustriellen Wirtschaftgeschichte Siegerland-Wittgensteins spielt übrigens auch ein Rolle in der Neuausrichtung des Siegerlandmuseums – s. http://www.siwiarchiv.de/projekt-zeit-raum-region-das-neue-siegerlandmuseum-der-stadt-siegen-mit-zweitem-stern-ausgezeichnet/, an der das Kreisarchiv wegen der angegliederten „Dokumentationsstelle Wirtschaftsgeschchte“ seit fast 3 Jahren mitwirkt.

    • Lieber Herr Plaum,

      wir würden sogar viel früher ansetzen, die Region zwischen Wissen und Siegen ist schon in der Keltenzeit eng mit der Eisenerzverarbeitung verbunden. Hier würde ich ansetzen.

      Lieben Gruß

      Guido Müller

      • Lieber Herr Müller,
        ich habe von vor 1850 geschrieben, das deckt doch alle interessanten Zeiträume davor ab, es bleibt nur die geschickte Integration aller potentiellen Standorte unter ein gemeinsames Thema.
        Noch eine Nachfrage: Sind „maßgebliche Region“, größte bekannte Verhüttungsöfen und „eine der ältesten Industrieregionen“ oder das Fehlen eines LWL-Standortes im südlichen Südwestfalen hinreichende Gründe für ein Museum?

  4. Der oben verlinkte Text auf der Homepage des Siegen-Wittgensteiner Kreisverbandes der FDP findet sich nun auch auf der Facebook-Seite der FDP-FW-Fraktion im Landschaftsverband Westfalen-Lippe:

  5. In der Westfäischen Rundschau erschien heute der Artikel „Grossprojekt: Vorstoss für LWL-Museum zur Industriegeschichte im Siegerland“ – leider nur Print. Der Artikel gibt im wesentlich den Antrag der FDP wieder. Er verweist allerdings auch auf die Diskussion im Kreisausschuss, wenn es um die Frage der Unterbringung eines solchen Museums geht.

  6. Beratungsverlauf im Kreisausschuss,
    „Beratungsverlauf:
    Landrat Müller führt gemäß der Vorlage und der dazu ergangenen Ergänzung aus.
    KT-Mitgl. Müller ergänzt, dass er das Thema bereits mit dem Kreisarchivar diskutiert habe. Dieser sehe das Problem eines möglichen Wegfalls von Förderungen in kleinen Museumsprojekten, wenn ein LWL-Museum entstünde. Aus anderen Bereichen sei ihm aber bekannt, so KT-Mitgl. Müller, dass Museen auch bei Ergänzung durch ein LWL-Museum weiterhin unterstützt würden. Er sei sich bewusst, dass im Falle eines LWL-Museums der LWL das Sagen habe. Mit Gerhardseifen, mit Freudenberg und dem Altenberg,zwischen Kreuztal und Hilchenbach,gäbe es Potenzial für das Thema. Er spreche sich für einen heutigen Startschuss aus, um das Thema weiter im Fachausschuss diskutieren zu können. Eine dann zu gründende Arbeitsgruppe könne vielleicht im kommenden Jahr bereits erste Ergebnisse liefern.
    KT-Mitgl. Sittler stimmt den Aussagen von KT-Mitgl. Müller zu. Er ergänzt, dass es auch Gründe gebe, warum in anderen Regionen mehr gemacht werde. Die Hauptfragen, was soll wie und wo dokumentiert und gezeigt werden, sollten im Arbeitskreis besprochen werden. Dies müsse zusammen mit dem LWL abgestimmt werden. Die bisherigen Versuche seien gescheitert, daher spreche er sich für eine Befassung im Kulturausschuss sowie einer Arbeitsgruppe aus.
    Auch KT-Mitgl. Droege signalisiert seine Zustimmung. Der Wirtschaftsraum „Siegerland“ im Drei-Länder-Eck sei die Wiege der Industrie in NRW, nicht das Ruhrgebiet. Zudem gebe es im LWL einen Diskurs darüber, ob zentrale Museumseinrichtungen oder das Konzept dezentraler Stätten verfolgt werden solle. Der Kreis habe viele interessante dezentral Punkte, unter Anderem z. B. auch die Laténeöfen, weshalb es für die Region und für den LWL ein wichtiges Konzept darstelle, welches diskutiert werden müsse. Das dezentrale Erbe stehe oft alleine ohne Verbindung da. Diese Stätten sollten verknüpft werden undkönnten überregional besser vermarktet werden sowiebesser zur Geltung kommen.
    KT-Mitgl. Helmkampf erklärt, dass dem Gremium in Münster auch bereits ein Antrag vorgelegt worden sei. Es müsse nun aufgepasst werden, dass es keine „Kollision“ gebe. Er spricht sich ebenfalls für den Antrag der FDP-Fraktion aus. Zwar werde solch ein Thema nicht in Kürze abgewickelt, dennoch sei es von Wichtigkeit für die Region.
    KT-Mitgl. Müller ergänzt dazu, dass die Anträge im Vorfeld abgestimmt worden seien.“
    Quelle: Kreis Siegern-Wittgenstein, Kreistagsinformationsystem, Kreisausschuss, Öffentliche Niederschrift der Sitzung vom 30.4.2021, S. 7

  7. Pingback: Möglichkeiten eines weiteren Standorts der LWL-Industriemuseen mit Blick auf die kulturhistorische Bedeutung der Eisenverhüttung in der Region des Siegerlandes | siwiarchiv.de

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