Günter Dick, St. Augustin: Ideenskizze für eine Siegerländer Industriemuseum

Günter Dick hat mit S.I.M.B.E.N.E eine Grundlage für die Wiederaufnahme der Diskussion über ein Siegerländer Industriemuseum geliefert: Ideen zum SIMBENE-Allenbach Stand 6.4. 2016. siwiarchiv ist dankbar, dass diese Skizze hier veröffentlicht werden darf und wünscht sich eine hoffentlich lebhafte Debatte.

7 Gedanken zu „Günter Dick, St. Augustin: Ideenskizze für eine Siegerländer Industriemuseum

  1. Wer soll das Museum betreiben?
    Was würde der laufende Betrieb kosten?
    Wie hoch wären die Investitionen?
    Wäre das Museum auch auf einer Teilfläche möglich?

  2. Das sind die wesentlichen Fragen, die sich der Siegerländer so stellt, und die stellt er sich seit einem halben Jahrhundert und schafft es nicht, gleichzeitig für die Idee eines Industriemuseums eine Stiftung oder ähnliches zu gründen, die heute weit über eine Millionen Euro Startkapital haben könnte.
    Auch wurde es versäumt, sich intensiv darum zu bemühen, einen der Standorte des LWL-Industriemuseums, Westfälisches Landesmusuem für Industriekultur, in das Siegerland zu holen.
    Jetzt ein Industriemuseum im Siegerland aufzubauen, wird ungleich schwerer als früher, auch wenn geeignetes Gelände und Gebäude durchaus vorhanden sind. Ich drücke mal meine Hoffnung aus, dass es noch gelingt.

  3. Auch ohne das Industriemuseum in Hilchenbach gibt es im Siegerland und
    angrenzenden Gebieten ein reiches montangeschichtliches Erbe. Aber wer
    kennt es? Ein erstes zartes Pflänzchen könnt die Eisenstraße Südwestfalen sein. Den Tourismusverband SI muss man hier jedoch zum Kampfplatz tragen. Der ist eher für Büffel in Wittgensteiner Wäldern zu haben.

  4. Die Idee eines Siegerländer Industriemuseums ist in Anbetracht der einmaligen historischen Landschaft befürwortenswert, aber die Umsetzung organisatorisch und finanziell nicht praktikabel. Zehn- und hunderttausende Besucher pro Jahr, die notwendig sind, um Gebäudekomplexe wie das ehemalige Hammerwerk Carl Vorländer GmbH pädagogisch wertvoll zu nutzen und die Bausubstanz auch die nächsten 50 Jahre nach neuen (Sicherheits-)Standards zu erhalten, sind leider nicht zu akquirieren. Statt sich einen solchen “Klotz” ans Bein zu binden, sollten Engagement und spärlich vorhandene monetäre Mittel lieber dazu genutzt werden, bereits Vorhandenes zu unterstützen. Museen, Vereine, zahlreiche Ehrenamtler, die Universität Siegen, die Archive, die LWL-Archäologie für Westfalen etc. zeigen durch Forschungen, Ausstellungen, Publikationen, Exkursionen etc., dass die Region historisch und kulturell blühen kann und genügend Potential besitzt. Diese Breite an Interessen und Schwerpunkten gilt es zu fördern. Schon heute scheitern zahlreiche Projekte an ein paar Hundert Euro, sodass sich die Frage nach einem größeren Museum leider erübrigt.

  5. Wenn man sich hier so einige Kommentare akademisch ausgebildeter Historiker durchliest, muß man wohl erkennen, daß im „Siegerland“ ( besser bald nur noch als Südsauerland bekannt) das erneut in die Diskussion gebrachte Montanindustriemuseum weniger ein „finanzieller Klotz“ , als vielmehr ein „geistiger Klotz am Bein“ darstellt.
    Dies wird allein schon dadurch klar, wenn man bedenkt, daß der Vorsitzende des Fördervereins Siegerlandmuseum (Ulf Stötzel – lt. Pressemitteilung der Stadt Siegen vom 29.1.2016 ) allein über 60.000 Euro aus seiner offenbar gut gefüllten Vereinskasse für die Entwicklung eines tischgroßen 3D-Druckers der Uni-Siegen zur Verfügung stellt, damit man sich später an einem Modell der Bergstadt Siegen mit einigen „sinnigen Lämpchen und Videos“ ergötzen kann, dann weiß man, woran es hier wirklich mangelt.
    Genauso unverständlich das Negieren des Verbandes Siegerländer Metallindustrieller e. V. (VDSM), der eigentlich doch ein großes Interesse an einem solchen Industriemuseum entwickeln müßte , aber offenbar befindet sich die Siegerländer Metallindustrie kurz vor dem Konkurs oder der Verabschiedung in die Billiglohnländer.
    Dr. Plaum hat hier sicher einen guten Hinweis auf die bisher versäumte Einrichtung einer Förderstiftung für ein auch von ihm seit Jahrzehnten gewünschtes Siegerländer Industriemuseum gegeben. Allerdings taucht da aber wohl die Frage auf, warum hat er als namhaftes Mitglied diese Fördervereins den „großen Vorsitzenden“ nicht schon längst zur Gründung einer solchen Stiftung veranlassen können ?
    Dieser „Förderverein“ scheint es also im Grunde auch gar nicht zu wollen und ist mit den diversen Exponaten im Oberen Schloß vollauf zufrieden.

    Ich wäre z.B. bereit, trotz meiner bescheidenen Vermögensverhältnisse mind. 20.000,- € in eine solche Förderstiftung einzuzahlen, jedoch braucht es für Gründung und Weiterführung einer derartigen zweckgebundenen Stiftung einige Siegerländer Persönlichkeiten die den Vorteil eines solchen aktiven Montanindustrie-Museums für die Region voll erkannt haben und auch bereits sind sich persönlich für die Verwirklichung eines solchen Projektes wirklich intensiv einzusetzen. Aber wie bisher festgestellt , ist dergleichen nicht zu finden.

    Fazit:
    Die letzte Chance an historischer Stelle ein Siegerländer Industriemuseum zu etablieren, wird wie Jahrzehnte zuvor, sicher somit wieder einmal nicht genutzt werden. Die Gebäude des Allenbacher Hammerwerkes werden abgerissen, so wie das bereits mit allen anderen Siegerländer Industriekulturgütern zuvor geschehen ist und /oder einem „Hedge-Fonds“ zur Etablierung eines „Outlet-Centers“ oder dergl. überlassen. Die historische Wasserzuführung wird zwecks Straßenverbreiterung oder erforderlicher Parkplätze zugeschüttet . Warum also nicht dabei einige der umstehenden überalterten, kostenintensiven Fachwerkhäuser ( lt. Poggel -“Klotz am Bein“) gleichzeitig mit entsorgen ? Brauch doch niemand , also weg damit für die „Neue Zeit“. Industriekultur kann man sich doch auch woanders ansehen. Das ist dann zwar keine Siegerländer Kultur, aber was macht das schon ?

  6. Sehr geehrter Herr Dick, in meinem Kommentar steht deutlich „Die Idee eines Siegerländer Industriemuseums ist in Anbetracht der einmaligen historischen Landschaft befürwortenswert, aber die Umsetzung organisatorisch und finanziell nicht praktikabel.“ Ihre Aussagen „Warum also nicht dabei einige der umstehenden überalterten, kostenintensiven Fachwerkhäuser (lt. Poggel –‚Klotz am Bein‘) gleichzeitig mit entsorgen ? Brauch doch niemand , also weg damit für die ‚Neue Zeit‘“ haben keinen Bezug zu meiner Argumentation. Ich befürworte ein Museum und den Erhalt historischer Substanz, schätze aber die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen, die ein „aktives Montanindustrie-Museum“ in den Gebäuden des Allenbacher Hammerwerkes mit sich bringt, realistisch ein. Egal ob mit Blick auf die Liegenschaft, das Personal oder die Dauer- und Sonderausstellungen – es gilt langfristig und konzeptionell zu planen. Da reichen zum einen ein paar hundert Tausend Euro schnell nicht aus, zum anderen mangelt es am engagierten Nachwuchs, wie z. B. der Altersdurchschnitt in Heimat-/Geschichtsvereinen etc. beweist. Hier gilt es auch anzusetzen.

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