
Die Universität Siegen ist an einer neuen Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt. Unter dem Titel „Machbarkeiten des Selbst“ untersucht ein interdisziplinäres Team, wie sich Prozesse der Selbstformung von der Antike bis in die Gegenwart verändert haben.
Das „Selbst“ ist nicht einfach da, sondern entsteht durch Prozesse der Selbstformung, die durch gesellschaftliche, kulturelle und mediale Rahmenbedingungen geprägt werden. Ausgehend von dieser Vorstellung untersucht eine neu eingerichtete Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), wie sich Selbstformungsprozesse im Wandel der Zeit verändert haben – von der Antike bis in die Gegenwart. Die Forschungsgruppe „Machbarkeiten des Selbst. Mediale Selbstformungsprozesse in diachroner Perspektive“ ist an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf angesiedelt. Die Universität Siegen ist mit einem eigenen Teilprojekt als Kooperationspartnerin beteiligt. Insgesamt fördert die DFG das Verbundvorhaben über vier Jahre mit insgesamt rund drei Millionen Euro, davon entfallen mehr als 800.000 Euro auf den Standort Siegen.
„Ich freue mich riesig, an diesem großen Verbundprojekt mit vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Disziplinen mitwirken zu können. Das ist schon etwas sehr Besonderes und in meiner wissenschaftlichen Karriere eine neue Erfahrung“, sagt die Historikerin Prof. Dr. Reinhild Kreis, die das Siegener Teilprojekt leitet.
Auch die Rektorin der Universität Siegen, Prof. Dr. Stefanie Reese würdigt den Erfolg: „Ich gratuliere der Kollegin Kreis und dem gesamten Team sehr herzlich. An einem weiteren, großformatigen Drittmittelprojekt beteiligt zu sein, ist für die Universität Siegen ein toller Erfolg und stärkt die Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit unserer Forschung.“
Die neue Forschungsgruppe ist das erste ausschließlich weiblich geleitete Verbundprojekt in der Geschichte der DFG. Sprecherin ist die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Valeska von Rosen von der Heinrich-Heine-Universität. Ausgangspunkt der gemeinsamen Forschungsarbeit ist das Paradigma eines „gemachten“ Selbst: „Die Begriffe der ‚Machbarkeit‘ und des ‚Selbst‘ finde ich als Historikerin sehr interessant, weil sie zusammengenommen historisch und kulturell großen Wandlungsprozessen unterliegen“, sagt Prof. Dr. Reinhild Kreis.
Im Siegener Teilprojekt möchte die Historikerin gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftler*innen die Idee des „Etwas-aus-sich-Machens“ in den Fokus nehmen: „Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass es in den eigenen Händen liegt, sein Leben zu gestalten. Das bedeutete einerseits mehr Freiheit, ging aber andererseits auch mit Druck einher: Denn die Aufforderung ‚Mach‘ etwas aus Dir‘ impliziert natürlich, dass man einen Weg gehen sollte, der auch gesellschaftliche Anerkennung erfährt“, erklärt Prof. Kreis. Ob das Konzept des „Etwas-aus-sich-Machens“ für Frauen und Männer und für Angehörige unterschiedlicher sozialer Schichten gleichermaßen galt und welche Umstände dabei historisch eine Rolle spielten, möchte das Siegener Teilprojekt untersuchen.
Ein Schwerpunkt soll dabei auf dem Begriff der „Chance“ liegen – also der Vorstellung, dass es Chancen gibt, die Menschen nutzen können, um ihr Leben zu gestalten. „In diesem Zusammenhang möchten wir verschiedene Gruppen wir Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund und Frauen besonders in den Blick nehmen, um herauszufinden, was ‚Chancen‘ für sie jeweils bedeuteten“, sagt Kreis. Eine weitere konkrete Gruppe, mit der sich das Siegener Projektteam beschäftigen wird, sind die Selfmade-Männer und -Frauen in der Geschichte der Bundesrepublik: Welchen Möglichkeiten und Grenzen des „Etwas-aus-sich-Machens“ unterlagen sie?
Insgesamt möchte die Forschungsgruppe mit ihrer Arbeit dazu beitragen, aktuelle Debatten über Selbstoptimierung und menschliche Gestaltbarkeit begrifflich zu schärfen und historisch zu verorten. „Wir beschäftigen uns über die verschiedenen Teilprojekte hinweg mit Fragen, die von großer Relevanz sind, um die Vergangenheit und die Gegenwart besser zu verstehen. Die Vorstellung, dass Menschen selbst etwas aus sich und ihrem Leben machen können, hat bis heute eine unglaublich große Wirkmacht“, sagt Prof. Kreis.
Hintergrund:
Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftler*innen, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Ausrichtungen zu etablieren. Sie werden bis zu acht Jahre gefördert. Insgesamt richtet die DFG 14 neue Forschungsgruppen ein – die Gesamtfördersumme beträgt 65,7 Millionen Euro.
Quelle: Universität Siegen, Pressemitteilung v. 1.4.2026

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