Erasmus Sarcerius (1501-1559) – Stadtarchiv Siegen erinnert an das 525. Geburtsjahr des Humanisten, Theologen und Gründungsrektors des Gymnasiums Am Löhrtor

Unterschrift Pressefoto: Erasmus Sarcerius (1501-1559). Vorlage: Stadtarchiv Siegen, Bestand Historische Bibliothek, Nr. 109.

„Das Stadtarchiv Siegen besitzt mit seinem Bestand 755 (Historische Druckgraphiken) eine im Aufbau begriffene Sammlung originaler Kupferstiche aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Neben Staatsoberhäuptern, Herrschaftsträgern und Angehörigen des Hochadels (darunter auch einige Fürsten des Hauses Nassau) gehören vor allem kirchliche Würdenträger und Theologen zu den abgebildeten Personen. Bei einem der Neuzugänge handelt es sich um eine Persönlichkeit aus der Zeit der Einführung des reformierten Glaubensbekenntnisses, die sogar konkrete Bezüge zu zur Stadt Siegen aufweist.
Erasmus Sarcerius gehört fraglos zu den bemerkenswertesten Gestalten der Reformationszeit. Über die Jugendzeit des am 1501 im sächsischen Annaberg geborenen Sarcerius ist kaum etwas zu erfahren. Immerhin wissen wir aber, dass er im Alter von vierzehn Jahren die Domschule in Freiberg bezog und seinem humanistischen Lehrer Petrus Mosellanus wenige Jahre später 1522 nach Leipzig folgte. Nach dem Tod seines Lehrers im Jahre 1524 ging er nach Wittenberg, um sich dort Martin Luther und Philipp Melanchthon anzuschließen“, weiß Christian Brachthäuser vom Stadtarchiv Siegen zu berichten. Weitere Stationen des strengen Lutheraners waren Wien und Rostock, von 1531 bis 1536 wirkte er zudem als erster Konrektor am Katharineum in Lübeck.
Noch 1536 wurde er vom regierenden Landesherrn Graf Wilhelm „der Reiche“ zu Nassau (1487-1559) nach Siegen berufen. Hier fungierte Sarcerius zwei Jahre lang als Rektor des Pädagogiums (Vorgänger des Gymnasiums Am Löhrtor) im ehemaligen Franziskanerkloster. Obwohl Sarcerius später die Schulverhältnisse in Siegen rühmte, waren die Arbeitsbedingungen in Siegen zunächst jedoch alles andere als günstig. So war das Schulhaus des seit 1534 leerstehenden Klosters (Graf Wilhelm hatte im August 1534 die Franziskanermönche des Landes verwiesen, da diese sich geweigert hatten, eine reformierte Kirchenordnung anzuerkennen) noch nicht vollendet.
Im Jahre 1537 wurde Sarcerius von Graf Wilhelm zum Cheftheologen und Hofprediger seiner jungen, lutherischen Landeskirche erwählt. Im März 1538 siedelte Sarcerius in dieser Funktion nach Dillenburg über. Auf zahllosen Reisen, Synoden und Visitationen stellte er sich bis 1548 in den Dienst der gräflichen Kirchenpolitik. Der „Schmalkaldische Krieg“ von 1546/47, in dessen Verlauf der katholische Kaiser Karl V. die Oberhand gegen die opponierenden protestantischen Fürsten behalten sollte, setzte seinem Wirken jedoch ein Ende. Graf Wilhelm, der sich während des militärischen Konflikts neutral verhalten hatte, setzte seinen Superintendenten Sarcerius aus machtpolitischem Kalkül ab. Der Theologe kehrte der Grafschaft Nassau den Rücken zu und wurde nacheinander Pfarrer in Leipzig, Generalsuperintendent der Grafschaft Mansfeld und Senior des geistlichen Ministeriums in Magdeburg, wo er am 18. November 1559 verstarb.

In der neuen Ausgabe seines „Blicks in die Vergangenheit“ sind zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs (dienstags 10-16 Uhr, mittwochs und freitags 10-15 Uhr, donnerstags 10-18 Uhr) neben zeitgenössischen Porträts des reformierten Humanisten auch seltene Originalwerke von Erasmus Sarcerius zu besichtigen. Der Eintritt ist frei!“
Quelle: Stadtarchiv Siegen, Pressemitteilung

Regionale Literatur zu Sarcerius:
– Emil BECKER, Erasmus Sarcerius, der Reformer der Nassau-Dillenburg-Siegenschen Lande, in:
National-Zeitung Nr. 150 vom 01.07.1936.
– Gustav ESKUCHE, Sarcerius als Erzieher und Schulmann. Siegen 1901.
– Wilhelm GÜTHLING, Drei Sarcerius-Schriften für [die Stadtbibliothek] Siegen, in: Unser
Heimatland 1965, S. 76–77
– Wilhelm GÜTHLING, Eine Gedenkschrift für Erasmus Sarcerius, in: Unser Heimatland 1966, S.
129–130.
– Otto HEIFER, Erasmus Sarcerius – Rektor und Reformator. Rektor der Siegener Lateinschule –
Förderer humanistischer Bildung, in: Siegener Zeitung Nr. 72 vom 24.03.1956.
– Carl HEILER, Drei Bestallungsbriefe von Erasmus Sarcerius [Lateinschule Siegen], in: Siegerland 18, Heft 3 (1936), S. 79–82.
– Hedwig HEINZERLING, Erasmus Sarcerius, der Gründer des Siegener Gymnasiums, in: Unser
Heimatland 1962, S. 136–137.
– Gunhild MÜLLER-ZIMMERMANN, 475 Jahre Gymnasium am Löhrtor. Grußwort des
Gründungsrektors der Schule, Erasmus Sarcerius, zur Jubiläumsfeier, in: Unser
Heimatland 2011, S. 126–128
– Christian PETERS, Erasmus Sarcerius und die Reformation in Nassau-Dillenburg (1536–1548), in:
Siegener Beiträge 9 (2004), S. 27–54.
– Robert STUPPERICH, Erasmus Sarcerius, in: Siegerland 44 (1967), S. 33–47.

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