„Ein gar feiner, gelehrter und gottesfürchtiger Mann“

Stadtarchiv Siegen erinnert an das 400. Todesjahr des Buchdruckers Christoph Corvin (1552-1620)

DE VERITATE RELIGIONIS des französischen Staatsmanns Philippe de Mornay von 1597. Die Titelseite weist Siegen (Sigenae) in der Grafschaft Nassau als Druck- und Verlagsort aus. Vorlage: Stadtarchiv Siegen

In seinem „Klick in die Vergangenheit“ widmet sich das Stadtarchiv Siegen regelmäßig unterschiedlichen Episoden der städtischen Geschichte. Besondere Anlässe, historische Ereignisse, bislang unbekannte Aspekte oder bemerkenswerte Archivalien aus den Sammlungsbeständen sollen dadurch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. In der neuen Ausgabe wird anlässlich des 400. Todesjahres des akademischen Buchdruckers Christoph Corvin (1552-1620) neben der Person an die Bedeutung und Verbreitung des „gedruckten Wortes“ vor knapp vier Jahrhunderten in der Grafschaft Nassau erinnert.

Zweimal wurde die 1584 von Graf Johann VI. „dem Älteren“ zu Nassau (1536-1606) gegründete Hohe Schule von Herborn nach Siegen verlegt. Die universitätsähnliche „Academia Nassauensis“ mit ihren vier Fakultäten und angeschlossenem Pädagogium ließ sich von 1594 bis 1599 und nochmals von 1606 bis 1609 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Siegener Franziskanerklosters nieder. Dadurch wurde die universitäre Tradition Siegens begründet. Den ersten Umzug nach Siegen machte auch Christoph Corvin mit. Seine Ende des 16. Jahrhunderts in Siegen hergestellten Bücher auch internationaler Gelehrter dienten der literarischen Versorgung von Hochschulprofessoren und Studierenden. „Das Gewerbe Corvins war ein Gewinn für die Stadt Siegen mit einer Blütezeit des Bildungs- und Verlagswesens“, wie Christian Brachthäuser vom Stadtarchiv Siegen erklärt. Die vorübergehend in Siegen untergebrachte „Universa Schola Nassovia Sigenensis“ („Hohe Schule Nassaus in Siegen“) mit dem Staatsrechtler und Juristen Johannes Althusius an ihrer Spitze sorgte für einen pulsierenden akademischen Betrieb innerhalb der Stadtmauern. In der Bildungsstätte wurden die von reformierten Theologen und Philosophen angestoßenen Bildungsreformen konsequent weitergeführt.

Der 1620 verstorbene und in Herborn beigesetzte Buchdrucker  Corvin veröffentlichte insgesamt rund 1.000 Schriften. „Ein gewaltiges Lebenswerk“, wie der Bibliothekar des Stadtarchivs Siegen erläutert. Auch wenn die Anzahl der in Siegen produzierten und verlegten Drucke (rund 50 Titel) vergleichsweise niedrig erscheint, dokumentieren die Publikationen dennoch die Bedeutung Siegens als Hochschulstandort in der Frühen Neuzeit. „Zu den in Siegen gedruckten Werken gehören theologische Schriften, der Heidelberger Katechismus, Dissertationen, juristische Streitschriften oder medizinische Abhandlungen“, so Brachthäuser. Ausgewählte Informationen über Christoph Corvin sowie dessen Autoren und Bedeutung für die Hohe Schule Herborn sind als PDF-Dokumentation ab sofort auf der Website www.stadtarchiv-siegen.de abrufbar.

Parallel findet noch bis Ende April 2020 eine Vitrinen-Präsentation im Lesesaal des Stadtarchivs Siegen (3. Etage) statt. Gezeigt werden unter anderem ein bislang unveröffentlichtes Autograph, eine landesherrliche Urkunde aus dem Jahr 1608, historische Hintergründe über das reformierte Bildungswesen und selbstverständlich auch seltene Originaldrucke Corvins aus Archivbeständen. Das Team des Stadtarchivs Siegen freut sich auf Ihren Besuch. Der Eintritt ist selbstverständlich frei!

2 Gedanken zu „„Ein gar feiner, gelehrter und gottesfürchtiger Mann“

  1. Bei einer schnellen Recherche fand sich folgende regionale Literatur zur weiteren Forschung:
    – Achenbach, Heinrich von: Aus des Siegerlandes Vergangeneheit, Bd. VI: 1560 – 1623, 1895 – 1898, S. 21f
    – Gerber, Harry: Christof Corvin, in: Nassauische Lebensbilder. Bd 3, 1948, S.117-126.
    – Graffmann, Heinrich: Christoph Corvin und sein Werk, in: 1050 Jahre Herborn. Herborn 1964. S. 68-75
    – Holler, Siegfried: Christoph Corvin gründete die Hohe-Schule-Druckerei in Herborn. Herborn als traditionsreicher Druckort. in: „Hinterländer Anzeiger“ 159 (1998) Nr. 235 vom 30.8.1998, S. 22
    – Knodt, Emil: Das Testament des Christophorus Corvinus, des ersten Buchdruckers der hohen Schule zu Herborn in: Bilder aus der Geschichte der Stadt Herborn. Herborn 1914, S. 110-115
    – Schilling, Marlies: Die Piscatorbibel, in: Der Westerwald. Bd. 75 (1982), H. 4, S. 139-143
    – Störkel, Rüdiger: Literatur in „Dill-Athen“ : Herborn und die Welt der Bücher 1585 – 1900, in: Mitteilungsblatt des Geschichtsvereins Herborn e.V., Bd. 55 (2007), H. 3/4, S. 118-160, Ill.
    – Vitt, Hans Rudi: Christoph Corvinus, Siegens erster Buchdrucker. Zu seinem 4000. Geburtstag, in: Unser Heimatland, 1952, S. 38

    Folgendes einschlägiges Archivgut fand sich:
    – Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, HHStAW Bestand 1136 (Sammlung A (Kleinschriften zur nassauischen Orts- und Personengeschichte)) Nr. 110 [Vom Wirken des Universitätsbuchdruckers Christoph Corvin in Herborn, 1941 (Zeitungsausschnitt)]
    – Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, HHStAW Bestand 95 (Hohe Schule Herborn) Nr. 1908, Buchdrucker Christoph Corvin und dessen Familie, 1615-1622
    – Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, HStAD Bestand R 6 A (Bürgerliche Wappen) Nr. NACHWEIS ( Wappennachweis Corvin, (Rab), Herborn, s. a. Herborner Familienwappen, S. 1/ 2 (HfV))
    – Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, HStAD Bestand O 64 (Materialsammlung Knodt) Nr. 940, Materialsammlung zum Wappen Corvin[us], Herborn, Usingen, Witzenhausen, [ca. 1914-1969]

    Nach den frühen Drucken Corvins kann im „Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts (VD 16)“ gesucht werden.

  2. Pingback: Heute vor 400 Jahren: Christoph Corvin stirbt in Herborn | siwiarchiv.de

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