„Schatzsuche“ im Kreisarchiv: die Plansammlung der SAG

Ein Beitrag von Martin Gummersbach

Ganz schön staubig sind sie schon und auch schwer, gewichtsmäßig nämlich. Wenn in einer DIN A0-Zeichnungsmappe mitunter 15 Aufträge mit je 12 oder mehr Übersichts- und Detailzeichnungen abgelegt sind, dann bedarf es schon eines besonders starken Mannes, diese Mappen zu bewegen. Und da diese Mappen alle schon mindestens 40 Jahre alt sind – manche schon fast 100 Jahre – hat sich natürlich auch der Staub der Jahre angesammelt. Was hat es nun mit diesen Mappen auf sich? Weiterlesen

„Zwei Protokolle zu Unruhen in Niederschelden, Kreis Siegen, während der deutschen Revolution 1848“

Eine Halbjahresarbeit zum Abschied

Im Rahmen meiner Umschulung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Archiv habe ich folgende Halbjahresarbeit erstellt und möchte mich mit deren Veröffentlichung aus dem Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein verabschieden: Arbeit gesamtx (1)

Entdeckungen bei der Erschließung VIII

1.1.10 (Landratsamt, Schenkung Stadtarchiv, Verzeichnis A) A29

1.1.10 (Landratsamt, Schenkung Stadtarchiv, Verzeichnis A) A29

  • Von der Königlichen Regierung, Abteilung des Innern, Berlin an die Herren Landräthe und die Landrathsämter der Stadtkreise ein Fragebogen von 1895 über „die Verhältnisse der Theater“:
  • „1. Ortsübliche Bezeichnung des Theaters? (…) ……………..
  • 2. Dient das Gebäude, in dem das Theater sich befindet zu Theaterzwecken: ausschließlich? hauptsächlich? _dienen wenigstens einige Räume? oder doch ein Saal?dazu: ausschließlich? hauptsächlich?
  • 3. Wie viel Plätze faßt der Zuschauerraum?
  • 4. Welche Arten von Plätzen werden unterschieden? wie viel von jeder Art sind vorhanden? (z.B. Parkett 200. I. Rang  80 ……………………………………………………………….
  • 5. Was kosten bei gewöhnlichen Preisen die verschiedenen Arten der Plätze? (z.B. Parket 3 th., I. Rang 4 th.) ………………………………………………………………………………….
  • 6. Ist die Bühne verhältnismäßig groß?mittel? klein? Ist eine ständige Büheneinrichtung (Rampen, Vorhang usw.) vorhanden? _ Sind Dekorationen u.s.w. vorhanden: in großer? mittler? kleiner Zahl? in gutem? genügendem? mangelhaften Zustande? Weiterlesen

Entdeckungen bei der Erschließung VII

aus Bestand 1.1.10, Landratsamt, Schenkung Stadtarchiv Signatur A29

1.1.10 (Landratsamt, Schenkung Stadtarchiv, Verzeichnis A)
A29

Theaterspiele und andere genehmigungspflichtige Veranstaltungen im Kreis Siegen und Erlaubnisse dazu; im Juli 1884 vom Ministerium des Innern in Berlin über den königlichen Ober-Präsidenten zu Münster an den Landrat des Kreises Siegen erteiltes

  • „Verzeichnis der zur Aufführung zugelassenen Theaterstücke, in welchen verstorbene Mitglieder des königlichen Hauses handelnd dargestellt werden
  • 1. Thomas Thyyrnaw, Schauspiel von Birch-Pfeiffer
  • 2. Der große Kurfürst und der Schöppenmeister, Schauspiel von Ernst Wicher
  • 3. Preußens erstes Schwurgericht. Schauspiel von Kette
  • 4. Der Spion von Rheinsberg. Lustspiel von R. von Gottschall
  • 5. Der alte Fritz und seine Zeit, von Bods
  • 6. Die Brautschau Friedrichs des Großen, von Koeppen (: Bacher:) Weiterlesen

Entdeckungen bei der Erschließung VI

(nach längere Pause, bedingt durch Ablegen der Prüfug durch die Autorin + die Feiertage/ Jahreswechsel/ Urlaub)

eine kleine Kuriosität beim Aufschlagen der nächsten Akte:

Archivgutkorn

Getreidekörner in der Akte!

Lagerungsbedingt? – hat die Akte irgendwann mal in einer Vorratskammer gelegen? wurde sie zusammen mit Getreide transportiert? ist jemandem das Korn ausgekippt?

Ist das eine Art der Lesezeichensetzung?

Getreidekörner saugen – ähnlich wie Reiskörner – Flüssigkeit auf und könnten damit die Funktion erfüllen, Papiere trocken zu halten / vor Feuchtigkeit zu schützen?

Getreide, wie vieles andere war auch mal eine Art der Naturalien-Bezahlung – handelt es sich hier um „Schmiergelder“?

 Autorin: Dagmar Spies

Entdeckungen bei der Erschließung V

Und hier der Rest der gefundenen Wasserzeichen und ihrer verwendenden Stellen:

WasserzeichenBaum

Unter Kürzel der Papiermacher / verwendet von:

J.H. Neuser -> Bürgermeistereien Wilnsdorf und Ferndorf; I.H.I. -> Bürgermeisterei Freudenberg und Gemeinde Netphen; Kempf -> Bürgermeisterei Dresselndorf

 

 

WasserzeichenAdlerPr

FIL -> Bürgermeisterei Freudenberg und Weidenau bzw. Fickenhütten, I.H. Neuser -> Bürgermeisterei Ferndorf

 

 

 

1110A15Wasserzeichen

I.H. Neuser -> Bürgermeisterei Siegen

 

 

 

 

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Entdeckungen bei der Erschließung III

Nochmal zurück zu dem Wasserzeichen „ProPatria“ innerhalb des Bestandes 1.1.10 Landratsamt: Es gibt zwei Ausführungen des Wasserzeichen-Titels „ProPatria“:

Zum einen das Wasserzeichen als Bild (siehe blog-Beitrag vom 26.10.2013, Wasserzeichen – wer weiß mehr?) mit den Initialien der Papiermühlenbetreiber D.R., H.K.B., C.D.&Söhne und Van der Ley hauptsächlich verwendet von der Königlichen Regierung zu Arnsberg, Landrat Schenck und Abteilung des Innern, sowie einem mit dem Schriftzug F.B. versehenen von einem Gerichtsschöffen zu Achenbach, Land- und Stadtgericht Siegen.

Zum anderen findet man das reine Schriftzug-Wasserzeichen „ProPatria“. Dieses wurde mit den Initialien WHG verwendet von ebenfalls dem Stadt- und Landgericht Siegen sowie der Bürgermeisterei Dresselndorf und unter der Initiale Rud. Geldmacher & Sohn verwendet durch die Bürgermeisterei Freudenberg.

(im Übrigen: alles aus dem Zeitraum 1820-1840)

 Autorin: Dagmar Spies

 

Entdeckungen bei der Erschließung II

1110A15Wasserzeichen2

Aus: Josten, Hans-Dirk: Mühlen und Müller im Siegerland, Mit einem Verzeichnis der Wasserkraftanlagen dieser Region; Waxmann, Münster/New York, 1996:

„(…) Im Siegerland gehörte die Papierherstellung nicht zu den wichtigen Industriezweigen. Der erste, wahrscheinlich mißlungene Versuch, eine Papiermühle zu errichten, erfolgte gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Niederschelden. Die erste und auch als einzige erfolgreich betriebene Papiermühle war die von Johannes Oechelhäuser 1818 gegründete, der später noch eine zweite folgte.(…)“

Aus: 1840-1955 Waldrich Siegen. Zur Geschichte der Stadt Siegen und des deutschen Werkzeugmaschinenbaues. Festschrift Dr.-Ing. E.H. Oskar Waldrich zum 75. Geburtstag; H.A.Waldrich GmbH Siegen in Westfalen; S. 141-144:

„Der zum Kloster gehörende „Johannes-Weiher“, der wahrscheinlich von einem aus der Leimbach abgezweigten Graben mit Frischwasser versorgt wurde und wohl als Karpfenlieferer für die Fastenspeisen diente, lag auf dem Gelände des heutigen Mädchen-Gymnasiums und Landratsamtes; er ist in der ältesten Katasterkarte des Siegener Stadtteils Hammerhütte vom Jahr 1826 eingetragen und wurde hiernach begrenzt von Linien, die im Südosten etwa der Fahrbahnmitte der heutigen St.-Johann-Straße, im Nordwesten der heutigen Koblenzer Straße entlang liefen und von Kochs Ecke im Nordosten bis unterhalb des heutigen Landramtsamtes im Südwesten reichten. Der etwa 165m lange und 50 m breite „Gehanswäjer“ scheint um 1835 herum zugeschüttet worden zu sein.“ Weiterlesen

Entdeckungen bei der Erschließung I

Durch die Entdeckung des ersten Wasserzeichens und den bereits letztens veröffentlichten Beitrag des ProPatria-Wasserzeichens, bin ich auf den Geschmack gekommen! Warum nicht mal wieder Rückmeldung aus der archivischen Arbeit, in diesem Falle die Tiefenerschliessung eines älteren Bestandes des Landratsamtes (Signatur 1.1.10 Landratsamt), geben. Besonders eben diese hübschen Papiere und ihre Wasserzeichen erscheinen durchaus interessant.

Also beginnen wir mal ganz vorne mit den Ergebnissen meiner Recherche zur Papierherstellung:

Die Papierherstellung in Europa beruhte seit dem Hochmittelalter auf der Herstellung eines Papierbreis aus Lumpen. Die Lumpensammler und –händler versorgten die Papiermühlen mit dem Rohstoff, dort wurden die Hadern in Fetzen geschnittenm manchmal gewaschen, einem Faulungsprozess unterzogen und schließlich per Stampfwerk zerkleinert und zu einem Brei gestampft. Der Papiermacher siebte abschließend mithilfe eines Schöpfrahmens eine dünne Schicht des Papierbreis ab, legte diesen auf Filzunterlagen, um ihn zu entwässert und preßte, leimte und trocknete schließlich das Papierstück. All diese Arbeitsgänge wurden zunächst noch per aufwendiger Handarbeit betrieben bzw. mit Tieren im Kollergang (Zerkleinerung).

Die maschinelle Massenproduktion von Papier beginnt im mittelalterlichen Europa; europäischen Papiermachern gelingt es in kurzer Zeit, den Arbeitsprozess durch die Einführung zahlreicher Neuerungen zu erleichtern: Das Reißen der Lumpen mit einem Sensenblatt löst die umständliche Praxis des Reißens von Hand oder Schneidens mit Messer oder Schere ab. Der weitere Zerkleinerungs- und Faulungsvorgang wird jetzt mithilfe von wasserangetriebenen Mühlen betrieben und die bisherigen Bambus- oder Schilfsiebe zum Abschöpfen des Papierbreis werden durch Metallsiebe ersetzt, die auch die technische Voraussetzung für das Anbringen der zur Kennzeichnung dienenden Wasserzeichen ermöglicht. Auch ging man dazu über, die Hadern statt des Faulens und Reinigens mit Chlor zu bleichen. Dadurch konnten auch farbige Stoffe zu weißem Papier verarbeitet werden.  Weiterlesen