„Aufstehen und nicht vergessen!“ Mit diesem Appell hatte Kreisheimatpflegerin Susanne Falk zur diesjährigen Herbstveranstaltung am 22. November 2025 auf die Hohe Bracht geladen, um die Aufmerksamkeit auf einen zentralen Aspekt zeitgemäßer Heimatarbeit zu lenken: Zu Gast waren die Erinnerungsinitiativen „Jüdisch in Attendorn“, „Jüdisches Erbe in Olpe“ und die „Erinnerungsinitiative Opfer des Nationalsozialismus Drolshagen“. Sie alle sind den örtlichen Heimatvereinen angeschlossen.

Foto: Erinnern und nicht vergessen, z. B. an die Pogromnacht in Attendorn am 10.11.1938: In der Wasserstraße wird die jüdische Familie Cohn abgeführt., Stadtarchiv Attendorn
Tom Kleine und Wolfgang Dröpper handeln in Attendorn nach dem Motto „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn niemand mehr seinen Namen kennt!“ Regelmäßig finden Führungen vor allem mit Schul- und Jugendgruppen statt, die an die Orte jüdischen Lebens in Attendorn erinnern: Allein vier Kaufhäuser, eine Metzgerei und eine große Blechwarenfabrik wurden von jüdischen Familien in Attendorn betrieben. Die Reinigung der Stolpersteine und die Pflege des Jüdischen Friedhofs sind Tagesgeschäft für die Initiative, dazu kommen Lesungen, Konzerte, Straßen- und Platzbenennungen. Im Rahmen des Projektes „Shalom Attendorn 2018“ entstand der 10 Kilometer lange erste jüdische Themen-Wanderweg in Deutschland. Er wurde in Erinnerung an Julius Ursell konzipiert, der bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 als Kassierer und Wegewart im SGV für die Auszeichnung der Wanderwege in Attendorn verantwortlich war.
Sebastian Luke stellte die noch junge Initiative „Aufgestanden – Jüdisches Erbe in Olpe“ vor. Erst 2024 gegründet, möchte die Initiative mit dem Künstler Gunter Demnig 14 Stolpersteine in Olpe verlegen. 2026 soll eine Gedenkstele errichtet werden. Mit einer externen Künstlergruppe wurde die Schulveranstaltung „Ich wandere durch Theresienstadt“ aufgeführt. Veröffentlichungen im Jahrbuch des Heimatvereins Olpe sind fester Bestandteil der Erinnerungsarbeit.
Für die 2017 gegründete Erinnerungsinitiative „Opfer des Nationalsozialismus in Drolshagen“ sprachen Dr. Heinz Stachelscheid und Regina Stahlhacke-Schmand. 77 Frauen, die im ehemaligen Gerhardus-Krankenhaus lebten, wurden von den Nationalsozialisten am 9. April 1943 deportiert und die meisten ermordet. Heute erinnern in Drolshagen zwei Gedenktafeln an diese Verbrechen. Im Andenken an die Opfer ging die Erinnerungsinitiative noch einmal den Weg von Gerhardusheim zum ehemaligen Drolshagener Bahnhof. Auch Fahrten zu den Gedenkstätten für Euthanasieopfer in Warstein und Hadamar gehören zur Erinnerungsarbeit.
Unter den rd. 60 Gästen der Veranstaltung waren Mitglieder zahlreicher weiterer Initiativen: Doris Kennemann vom Heimatbund Finnentrop berichtete über die Stolperstein-Verlegungen in der Gemeinde Finnentrop.
Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Hundem-Lenne gehen jährlich in Erinnerung an die Reichspogromnacht mit ihrer Geschichtslehrerin Ursula Homborg in die Dörfer von Lennestadt und Kirchhundem, um die dort verlegten Stolpersteine zu säubern. Jochen Pfeiffer hatte vor Jahren zusammen mit der Lennestädter Gruppe von Amnesty International die Verlegung der Stolpersteine in Lennestadt initiiert. Engelbert Prevorcic aus Hachen berichtete für die AG „Es TUT sich WAS“, die unter anderem am Sowjetischen Ehrenfriedhof in Maumke an die Zwangsarbeiter im Meggener Bergbau erinnert.
Antonius Klein aus Schönau-Altenwenden ist 2018mit Firmlingsgruppen nach Auschwitz gefahren. Jeder Mitfahrende bekam zuvor den Namen eines dort umgebrachten jungen Menschen zugeteilt, um sich dann vor Ort auf Spurensuche zu begeben. Eindringlich forderte Klein dazu auf, „dass wir das, was dort passiert ist, persönlich nehmen!“
Beim regen Austausch kamen zahlreiche weitere Aktivitäten zur Sprache, aber es wurde auch deutlich, wie groß nach wie vor die Wissenslücken sind. So zeigte beispielsweise Ulrich Rauchheld aus Bilstein kürzlich in der Zeitschrift des Kreisheimatbundes Olpe „Südsauerland“ (Folge 299) auf, dass auch in der Tötungsanstalt Eichberg bei Eltville am Rhein zahlreiche Menschen aus dem Kreis Olpe zwangssterilisiert und getötet wurden.
Susanne Falk verwies abschließend auf die Schriftenreihe „Jüdisches Leben im Kreis Olpe“, in der bereits fünf Bände erschienen sind. Auch mehrere Bände der „Schriftenreihe des Kreises Olpe“ haben den Nationalsozialismus, seine Verbrechen und Opfer zum Thema (https://www.kreisheimatbund-olpe.de/index.php/veroeffentlichungen#schriften). Beide Schriftenreihen sind im Kreisarchiv Olpe zu beziehen bzw. einzusehen.
Weiterhin machen zahlreiche Artikel in „Südsauerland – Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe“ https://www.kreisheimatbund-olpe.de/index.php/veroeffentlichungen#heimat) einerseits Einzelschicksale sichtbar, aber ebenso den noch immer bestehenden großen Forschungsbedarf. (Dr. Roswitha Kirsch-Stracke)
Quelle: Kreisheimatbund Olpe, Aktuelles

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