Bildungsministerkonferenz aktualisiert Empfehlungen zur historisch-politischen Bildung in der Schule
Die Bildungsministerkonferenz hat eine umfassend aktualisierte Empfehlung zur Erinnerungskultur als Gegenstand historisch-politischer Bildung in der Schule beschlossen. Damit reagieren die Länder auf gesellschaftliche, politische und technologische Veränderungen der vergangenen Jahre – von wachsendem Antisemitismus und Desinformation bis hin zu den Herausforderungen digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz.

Die Überarbeitung der bisherigen Empfehlung aus dem Jahr 2014 geht auf einen Beschluss der Bildungsministerkonferenz aus dem Jahr 2025 zurück und wurde während der Präsidentschaft von Simone Oldenburg, Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, angestoßen. In einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe wurde die Empfehlung anschließend grundlegend aktualisiert und dabei Experten aus Wissenschaft, Gedenkstätten sowie weitere Fachakteuren einbezogen.
Im Mittelpunkt der neuen Empfehlung steht die Frage, wie junge Menschen in einer zunehmend digitalen und pluralen Gesellschaft zu einem reflektierten Umgang mit Geschichte befähigt werden können. Historisch-politische Bildung soll dabei nicht nur Wissen vermitteln, sondern Schülerinnen und Schüler stärken, historische Entwicklungen kritisch einzuordnen, demokratische Werte zu verteidigen und Verantwortung in der Gegenwart zu übernehmen.
„Nur wer die Vergangenheit versteht, kann die Zukunft besser gestalten. Deshalb ist Erinnerungskultur so wichtig. Es geht darum, junge Menschen stark zu machen, damit sie Zusammenhänge verstehen, Verantwortung übernehmen und unsere Demokratie schützen können. Gerade in Zeiten von Desinformation und digitaler Manipulation brauchen junge Menschen Orientierung und die Fähigkeit Fakten von Fälschungen zu unterscheiden. Erinnerungskultur ist deshalb nicht nur ein Blick zurück. Sie ist eine Investition in die Zukunft unserer Demokratie“, so Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz und Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus.
Die aktualisierte Empfehlung betont die besondere Bedeutung der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Schoa. Gleichzeitig greift sie weitere Themen stärker auf als bisher, darunter die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur, Kolonialismus, Antisemitismus, Antiziganismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie rechtsextremistischer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland. Zudem wird die Bedeutung von Medien- und Quellenkritik im digitalen Raum deutlich hervorgehoben.
„Erinnerung darf nicht museal werden. Sie muss mit dem heutigen Leben verbunden werden“, sagte Simone Oldenburg, Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz 2025. „Viele Jugendliche begegnen Geschichte inzwischen zuerst auf TikTok oder anderen sozialen Netzwerken. Umso wichtiger ist es, dass Schule Orientierung gibt, unterschiedliche Perspektiven sichtbar macht und jungen Menschen hilft, Haltung zu entwickeln – klar demokratisch und zugleich offen für Diskussion und Reflexion.“
Christine Streichert-Clivot, A-Länderkoordinatorin der Bildungsministerkonferenz und Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes: „Geschichte erklärt nicht nur, woher wir kommen, sondern auch, welche Verantwortung wir heute tragen. Wer sich mit der Shoah, mit Diktatur, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit auseinandersetzt, lernt, warum Demokratie, Menschenwürde und Freiheit niemals selbstverständlich sind. Historisch-politische Bildung schafft Orientierung, stärkt Verantwortungsbewusstsein und hilft jungen Menschen, Haltung zu entwickeln – für Demokratie, Respekt und ein menschenwürdiges Miteinander. Gerade heute ist das wichtiger denn je. Denn demokratische Gesellschaften geraten nicht von heute auf morgen unter Druck. Ausgrenzung, Hetze und die Relativierung historischer Fakten beginnen oft schleichend. Umso wichtiger ist es, junge Menschen zu befähigen, Entwicklungen kritisch einzuordnen und für demokratische Werte einzustehen.“
Dorothee Feller, B-Länderkoordinatorin der Bildungsministerkonferenz und Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Demokratie braucht Erinnerung. Wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart besser verstehen und die Zukunft verantwortungsvoll gestalten. Gerade in Zeiten, in denen antisemitische Vorfälle zunehmen und historische Tatsachen immer häufiger relativiert oder verzerrt werden, ist historisch-politische Bildung wichtiger denn je. Schule muss jungen Menschen Orientierung geben und sie befähigen, Geschichte kritisch einzuordnen, Verantwortung zu übernehmen und unsere freiheitlich-demokratischen Werte zu verteidigen. Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Schoa bleibt dabei ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Bildungsarbeit.”
Die Länder unterstreichen in der Empfehlung, dass historisch-politische Bildung weit über den Geschichtsunterricht hinausgeht. Erinnerungskultur sei eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Schule und aller Fächer. Im Blickpunkt sind unter anderem eine strukturiertere Zusammenarbeit von Schulen mit Gedenkstätten und außerschulischen Lernorten, die Förderung projektorientierter Formate sowie eine stärkere Verankerung in der Lehrkräftebildung.
Hintergrund:
Die ursprüngliche KMK-Empfehlung „Erinnern für die Zukunft“ wurde erstmals 2014 beschlossen. Die nun beschlossene Aktualisierung trägt insbesondere gesellschaftlichen Veränderungen, digitalen Herausforderungen und neuen Debatten der Erinnerungskultur Rechnung. Die Empfehlung betont die Bedeutung historisch-politischer Bildung für Demokratiebildung, Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) bekräftigt zudem in ihrer Stellungnahme zur Demokratiebildung die Empfehlungen der KMK zur Erinnerungskultur: Historisch-politische Bildung ist ein Kernauftrag der Schule, damit junge Menschen Urteils- und Handlungskompetenzen im Umgang mit konkurrierenden Perspektiven und historischen Narrativen erwerben.
Die Erklärung wurde auf der Seite der Kultusministerkonferenz veröffentlicht.
Quelle: Kultusministerkonferenz, Pressemitteilung v. 14.6.26

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