Heute vor 70 Jahren: Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes im Siegerland am 08. Mai 1947

“Am 26.Oktober 1946 wurde der erste Landesverband (Nordrhein-Westfalen) der VVN in Düsseldorf gegründet. Der damals gewählte Vorstand setzte sich aus Vertretern der CDU, FDP, KPD, SPD, Zentrum, jüdischer Gemeinschaft und einer Vertreterin der Frauen zusammen und stellte so die Breite des Widerstandes gegen den Faschismus dar. Die Basis der Zusammenarbeit war der „Schwur von Buchenwald“ Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Entmonopolisierung, Demokratisierung, Sozialstaatlichkeit, Völkerverständigung und antifaschistische Einheit in ganz Deutschland. Es ging in dieser Anfangszeit der VVN aber auch um die existenziellen Grundlagen der Versorgung (Lebensmittel, medizinische Versorgung, Arbeit) und Unterbringung (Wohnraum) für die ehemaligen Verfolgten und ihrer Angehörigen oder Hinterbliebenen.
Nach der Gründung eines Dachverbandes im März 1947 in Frankfurt trafen sich auch in Siegen die Verfolgten des Faschismus und gründeten eine Kreisgruppe der VVN. Die gewählten Vertreter waren Karl Born, Heinrich Brach (Siegen, CDU, vor 1933 Zentrumspartei, 6 Jahre in Haft), Alfred Dörner, Liesel Krämer (Witwe von Walter Krämer), Hans Lichtenfels (KPD, 4 Jahre im KZ Sachsenhausen inhaftiert), Julius Löwenstein (Überlebender des KZ Theresienstadt), Gustav Vitt (SPD, Gewerkschaftssekretär, am 2.Mai 1933 grausam misshandelt). Der Tag den sie zur Gründung der Kreisverbandes der VVN Siegerland wählten, hatte für alle eine große Bedeutung, es war der 8.Mai der „Tag der Befreiung“ vom Faschismus. ….”

Quelle: VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein, Facebook-Seite, 7.5.2017 [Vielen Dank für den Erlaubnis den Text herhin zu übernehmen!]

11 Gedanken zu „Heute vor 70 Jahren: Gründung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes im Siegerland am 08. Mai 1947

  1. Zu den Personen Karl Born und Alfred Dörner haben wir bisher keine Informationen. Sind die beiden Namen jemanden bekannt?
    Über weitere Angaben würden wir uns freuen.
    Danke.
    Torsten Thomas

  2. Danke für den Hinweis!
    Nachreichen möchte ich noch die Quellenangabe zum abgebildeten Zeitungsartikel auf der Facebookseite der VVN:
    Westfalen Post vom 9.5.1947
    Torsten Thomas

  3. Karl Born: Ich nehme nicht an, dass es sich hier um den Architekten handelt, würde das aber gerne bestätigt finden: Der Architekt Karl Born (1885 Weidenau – 1951 Frankfurt) entwarf 1919 ein sehr gut ausgestattes, größeres Wohnhaus an der Bismarckstraße 67 in Siegen. 1924 entstand nach seinen Entwürfen eine opulente Villa für einen Prokuristen. Für 1936 wird in „Archthek“, einer wissenschaftlichen Datenbank zur Bau- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts für den deutschsprachigen Raum, ein weiterer, aber ungenannter Bau erwähnt. 1937 folgt dann ein Bauauftrag für Siegen-Weidenau, Austr. 34 – 46, Blech- und Stanzwerk Bertram Müller. 1947 trat in sein Büro der Architekt Aloys Sonntag (1913 – 1979) ein, der 1948/1951 das Architekturbüro als selbstständiger Architekt übernahm, wie im „Blog der Archive im Kreis Siegen-Wittgenstein“ (siwiarchiv.de) nachgewiesen. Das Büro existiert noch heute.

  4. Sehr geehrter Herr Hanke,
    leider haben wir, wie oben erwähnt, bisher keine weiteren Informationen zur Person des Karl Born. Das Einwohnerbuch der Stadt Siegen und der Kreise Siegen und Altenkirchen von 1940 weist für den Bereich der Stadt Siegen
    zwei mal den Namen Karl Born aus, hinzu kommt der von ihnen angeführte
    Architekt in Weidenau in der Bruchstraße 9.
    Welcher Karl Born zu den GründerInnen der VVN in Siegen gehörte bleibt vorläufig unbekannt.
    Meine Frage wäre in Bezug auf den Architekten Karl Born, ob dieser Gegner oder Verfolgter des Nationalsozialismus war?
    Sollten sie weitere Informationen zur Identifizierung bekommen, dann bitten wir um Benachrichtigung, neue Erkenntnisse unserer Seits werden wir hier
    auf SiWiArchiv eintsellen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Torsten Thomas, VVN-BdA Siegerland – Wittgenstein

  5. Nachdem ich über im Laufe der Zeit entstandene Personenverzeichnisse zu Parteimitgliedschaften verfüge, schaute ich dort einmal rein, fand aber gerade auch in den Daten zu linken und linksliberalen Persönlichkeiten (Nachlass Popp, DFG-Kartei u. a.) einen Karl Born nicht vor. Aber wie sieht es aus mit Entschädigungsakten?
    Bei einem Siegerländer Architekten und Angehörigen der bürgerlichen Mitte ist ja eher nicht von einem NS-Verfolgten auszugehen, vielmehr von einem Unterstützer. Vielleicht ergeben die Hinweise auf August und Marie Born ja Näheres, die das Regionale Lexikon der NS-Akteure und -Begleiter nennt.

  6. M. E. müsste man nun wie folgt vorgehen:
    1) Verifizierung des im Internet auffindbaren Geburtsdatum, 5.1.1885 in Weidenau, im Siegener Stadtarchiv
    2) Überprüfung der personengeschichtlichen Dokumentationen des Stadtarchivs Siegen, ob dort nicht doch etwas zu Karl Born zu finden ist. Denn Irles Personenlexikon erwähnt den Architekten nicht.
    3) Wie oben vorgeschlagen, Überprüfung der Entschädigungsakten im Landesarchiv NRW
    4) Überprüfung der Unterlagen des ehem. Document Centers im Berliner Bundesarchiv
    Für die beiden letzten Punkte wäre ein korrektes Geburtsdatum sehr hilfreich.

    • Anhand der im Stadtarchiv Siegen befindlichen Weidenauer Personenstandsregister (Geburten 1885) lässt sich zumindest festhalten, dass am 5. Januar 1885 ein August Wilhelm Karl Born (Sohn der Luise Born, geborene Stark, und des Ludwig Born aus Fickenhütten) zur Welt kam. Er verstarb nach einem Stempelvermerk am 10. Januar 1951 in Frankfurt am Main.

    • Nachtrag: Die Personalia-Sammlungen des Stadtarchivs Siegen (vorwiegend bestehend aus biografischen Presseberichten) verweisen leider auf keinen Karl Born.

  7. Kleine Ergänzung: Im “Wohnungsbuch der Stadt Siegen, der Kreise Siegen und Altenkirchen” aus dem Jahr 1925 findet sich Karl Born, Archititekt B.D.A. und vereid. Taxator, ebenfalls unter der Adresse Bruchstr. 9. Das Büro befand sich in der Wiesenstr. 8.

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