„Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“

Neuerscheinung der Geschichtswerkstatt: Sonderband 2020
Preis: 15,00 €, Erhältlich in allen Buchhandlungen; Bestellungen über die Homepage der Geschichtswerkstatt Siegen e.V.: geschichtswerkstatt-siegen.de

Im September 1945 – also vor fast exakt 75 Jahren – gründete Dr. Adolf Bode, soeben erst aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, die „Sprachenschule Siegerland“. Diese private Fremdsprachenschule war nicht nur für das Siegerland, sondern für ganz Deutschland einmalig: Denn an ihr konnte man nicht nur in Abendkursen Sprachen neu lernen oder Fremdsprachenkenntnisse auffrischen oder erweitern – sei es nun in Englisch und Französisch, in Italienisch, Spanisch, Russisch oder Japanisch. Alleinstellungsmerkmal der Schule war vielmehr, dass sie die erste und einzige Fremdsprachenschule für die die Region Siegerland damals prägende Eisen- und Stahlindustrie war.
Zum 75. Jubiläum der Gründung dieser für die Siegerländer Wirtschaft einmaligen Bildungsinstitution ist nun bei der Geschichtswerkstatt Siegen ein Sonderband erschienen, der Entstehung und Entwicklung der Sprachenschule Siegerland nachzeichnet: „Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“. Verfasst wurde das Manuskript von Dr. Bodes Ehefrau und unermüdlichen Mitarbeiterin, der 2012 verstorbenen Ute Bode. Herausgeber der Publikation ist Prof. em. Dr. Christoph Bode, Sohn von Adolf und Ute Bode, der diese Besonderheit der Lokal- und Regionalgeschichtsschreibung mit zahlreichen Anmerkungen sowie mit einem Vor- und Nachwort versehen hat. Eine Kostbarkeit insofern, als hier den Lesern konkret, faktenreich und lebendig Wirtschaft und Bildung in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit nahegebracht werden.

Über Jahrzehnte hinweg bildeten Dr. Bode und sein Team in Abend- wie Tagesschule Tausende von Fachkorrespondenten, Dolmetschern und Übersetzern aus, die nicht nur eine oder mehrere Fremdsprachen fließend beherrschten, sondern sich auch in der Fachterminologie der Wirtschaft und Technik perfekt auskannten, wobei aber auch kulturgeschichtlichen Kenntnissen immer hohe Bedeutung beigemessen wurde. Diese praxisnahe und praxisbezogene Ausbildung diente vor allem der traditionell stark exportorientierten Siegerländer Industrie und Wirtschaft, wie auch besonders vermerkt wurde, als Dr. Adolf Bode 1984 für seine Lebensleistung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde. So zeichnet der Band vor allem auch ein Porträt des Mannes, der die Seele des Ganzen war. Aus diesem Grund ist die „Sprachenschule Bode“, wie die Institution von den Zeitgenossen vereinfachend genannt wurde, im kollektiven Gedächtnis der Siegerländer Bevölkerung haften geblieben.
Unter dem Titel „Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“ ist die der Sonderband der Geschichtswerkstatt Siegen im Buchhandel erhältlich. Der Preis beträgt 15,00 €. Mitglieder der Geschichtswerkstatt können den Band zum ermäßigten Mitgliederpreis über die Homepage der Geschichtswerkstatt bestellen.

9 Gedanken zu „„Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“

  1. Zur Biographie des Schulgründers s.:
    Bundesarchiv
    R 9361-V/14469 Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der Reichskulturkammer (RKK), Bode, Adolf, Dr.Geburtsdatum: 13.10.1915

    R 73/10353 Deutsche Forschungsgemeinschaft (Aktenzeichen Bo 1/04/1), Bode, Adolf, Dr., Geburtsdatum: 13.10.1915
    Enthält : Forschungsstipendium für die Zeit vom 1.12.1942 bis zum 31.3.1943 für Untersuchungen über den amerikanischen Humanismus und das deutsche Geistesleben (Das Stipendium wurde von den Professoren Wolfgang Schmidt, Englisches Seminar der Universität Bonn und Friedrich Schönemann, geb. 30.5.1886, Amerika-Abteilung des Englischen Universitätsseminars Berlin, befürwortet.), Berlin, z.Zt. Luftgaukomando III/IV Stabskompanie, Berlin-Dahlem, Philosophie.- Stipendium, 09.12.1942; Verlängerung des Forschungsstipendiums für die Zeit vom 1.4.1943 bis zum 30.11.1943 für Untersuchungen über den amerikanischen Humanismus und das deutsche Geistesleben , Bonn, 1. Sprachmittler-Abteilung d. Lw., Philosophie.- Stipendium, 30.04.1943 ….

    Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein, 2. 08.1.1 (Referat Kommunikation und Steuerung), A 182, Bundesverdienstkreuze, 29.12.1982 – 04.11.1983

    • Ein Blick in die Ordensakte des Kreisarchivs ist leider wenig ergiebig – sowohl in Hinblick auf die Schulgeschichte (lediglich Kopien einen Ausarbeitung Alfred Lücks zum 25jährigen Bestehen der Schule) noch in Hinblick auf die Biographie des Schulgründers.
      Auf Anregung des Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein erhielt Dr. Adolf Bode 1984 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Aufgrund der Orientierung der Schule an den Bedürfnissen der regionalen Eisen- und Hüttenindustrie wurde auch seine kulturgeschichtliche Beschäftigung, insbseondere die Studienfahrten in ehemalige nassauische Gebiete, geehrt. Auch seine berufsständischen Aktivitäten – als Gründungsmitglied Aufbau des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen e. V. im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer seit 1955 sowie als Leiter des Referates „Berufsausbildung“ im Landesverband von 1970 bis 1976 – finden in der Ordensbegründung Erwähnung.

  2. Ich denke gern an die Englischkurse bei Dr. Bode und seiner Frau zurück. Besonders ist mir meine erste, selbst verdiente Gruppenreise 1963 mit ihnen nach London in Erinnerung geblieben. Es war eine gut organisierte, mit vielen Besichtigungen verbundene Studienfahrt. Der Besuch bei den Ford-Werken in London Dagenham mit damals 55.000 Mitarbeitern bleibt unvergesslich. Alle Teile der Fahrzeuge (Traktoren und Pkw) wurden dort hergestellt. Das war die Zeit vor der „Just-in-time-Produktion“. Herr Dr. Bode führte uns im Britischen Museum zum Wielandkästchen und Mr. Bonner von der Bibliothek zeigte die 1150 verfasste Vita Merlini mit der Erwähnung von Siegen. Der Siegerländer Heimatverein hat 1961 aus den „Siegerland“-Blättern einen Sonderdruck herausgegeben: „Das erste Arbeitsbild zur Vorgeschichte des Siegerlandes – Anmerkungen zu einem Kunstwerk Hermann Kuhmichels von Dr. phil. Adolf Bode“. Die Broschüre ziert ein Foto des großformatigen Stickbilds mit sechs Szenen aus der Wielandsage, das im Haus der Siegerländer Wirtschaft hängt. Erstaunlich gut hat sich die Leuchtkraft der Farben erhalten. Ich bin gespannt auf den Sonderband der „Siegener Beiträge“.

  3. Via einer privaten Facebook-Gruppe kam der Hinweis, dass in der Zeit zwischen 1978 und 1983 ca. 15 weibliche Schülerinnen und ca. 4 männliche Schüler, die Schule beuschten. Neben den Fremdsprachen wurde auch Deutsch, Stenographie und Maschineschreiben vermittelt.

  4. Ich habe in der Zeit von 1975-1978 meine Ausbildung an der Sprachenschule Siegerland (Tagesschule) gemacht. Noch heute erinnere ich mich an diese Zeit gern zurück und bin unendlich Dr. Bode und seiner Frau dankbar. Die Ausbildung verlangte viel Einsatz -aber es hat sich gelohnt. Dr. Bode und seine Frau haben uns nicht nur die Sprache gelehrt sondern vieles mehr, was ich in meinem Berufsleben anwenden konnte. Auch später hatte ich noch Kontakt zu den Beiden. Sie haben und werden immer einen besonderen Platz in meinem Leben haben.

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