Vor 141 Jahren: Dr. Artur Sueßmann (1871 – 1942)

1933 entlassener Kreismedizinalrat

Anlässlich 141. Geburtstag sei auf folgende, einschlägige  Literatur verwiesen:

Traute Fries/ Hartmut Prange: „Hier geschieht niemandem Unrecht!“ Zur Geschichte von Dr. Artur und Else Sueßmann und der Familie ihrer Tochter Annemarie Meyer, Siegen 2010.

Die Dokumentation zeigt am Beispiel der Eheleute Sueßmann und der Familie ihrer Tochter Annemarie Meyer das Schicksal der zum Christentum konvertierten Juden während des Nationalsozialismus auf. Ferner wird die Problematik der „Mischehen“ behandelt. Es gab Menschen, die der Familie Meyer in der schweren Zeit geholfen haben. Annemarie Meyer hat unmittelbar nach dem Krieg ihre Erlebnisse während der Gestapohaft aufgeschrieben. Der Bericht wird wiedergegeben.

Es folgt eine Kurzbiographie Dr. Sueßmanns zur ersten Orientierung:

Dr. med Arthur Suessmann wurde am 19. August 1871 in Breslau geboren. Sein Vater war Fabrikant. Suessmann besuchte das Breslauer Elisabeth-Gymnasium. Am 22. Oktober 1889 schrieb er sich an der Breslauer Universität für das Studium der Medizin ein. Am 10. März 1894 verließ er die Breslauer Universität mit dem Doktorgrad; zu diesem Zeitpunkt wohnte er in der Breslauer Schillerstr. 28.

Er war mit Else (Ilse) Suessmann geb. Kuhn, geboren 3. Januar in 1873 in Schwejdnitz, verheiratet. Beide hatten bereits vor der Eheschließung die christliche Religion angenommen. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder (1900 eine Tochter, 1904 einen Sohn) hervor.

Seine erste Arztstelle trat Suessmann im Hultschiner Ländchen in Petershofen (heute: Petrkovice/Tschechien) an, wo er sich für das Deutschtum stark engagierte und für sein Eintreten den preußischen Kronenorden erhielt. Später war er annähernd 20 Jahre in Wipperfürth tätig.

Während des gesamten, ersten Weltkriegs hat Arthur Suessmann seinen Dienst als Truppenarzt und Lazarettleiter versehen. Er war Träger des Eisernen Kreuzes Erster und Zweiter Klasse.

Als Kreismedizinalrat ist er in Siegen seit den frühen, zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nachweisbar. 1930 wohnte er in Siegen in der Friedrichstr. 21, sein letzter Wohnsitz war die Achenbacher Straße 10 (1939). Durch den § 3 des Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 verlor er seine Anstellung als Kreismedizinalrat und seine Approbation wegen seiner jüdischen Vergangenheit.

Am 17. Juni 1942 wählte er mit seiner Frau wegen der bevorstehenden Deportation nach Theresienstadt den Freitod. Auf dem Hermelsbacher Friedhof wurden die Eheleute beigesetzt. Dr. Suessmann. riet auch anderen Familien zum Freitod statt zur Deportation, da er die menschenunwürdigen Verhältnisse 1938 am eigenen Leib im KZ Sachsenhausen erfahren hatte und 1942 von der bevorstehenden „Endlösung“ überzeugt war.

 

Quellen:

Vossen, Johannes: Gesundheitsämter im Nationalsozialismus. Rassenhygiene und offene Gesundheitsfürsorge in Westfalen 1900 – 1950, Essen 2001, S. 237

Suessmann, Arthur: Über einen neuen Fall von multipler Myelombildung, verbunden mit hochgradiger Albumosurie, Diss. med., Leipzig 1897

Auskunft Universitätsarchiv Wroclaw v. 01.04.2003 (AZ.: AU-481/9/2003)

Auskunft Privat

Lande, Peter W.Westphalian Jews. Data compiled [http://www.jewishgen.org/databases/Germany/westphalia.htm Stand: 05.12.2006 (=Lande)]

Bundesarchiv, Liste aus der Datenbank zum Gedenkbuch (=BA-Liste, )

Bundesarchiv Wohnortliste 1939 (=BA 39, )

Datenbankauskunft zu Dr. Arthur Suessmann und Else Suessmann des Aktiven Museums Südwestfalen Siegen (=AMS Datei)

Für diesen Text wurde nicht ausgewertet:

LA Merseburg C 48 I i, Nr. 154: NSDAP-Gauleitung Westfalen-Süd, 21.11.1933

Suessmann, Artur: Beitrag zur Aciditätsbestimmung im Harn, Med. Fak., Inaug.-Diss., 1896 21 S., 1 Bl. [Staatsbibliothek Berlin Signatur 4712 (Standort: Potsdamer Str.)]

 

 

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