„Zeit.Raum Siegen“ macht Stadtgeschichte „erlebbar“

Das Projekt „Zeit.Raum Siegen“ will die Geschichte der Stadt Siegen „erlebbar“ machen. Mit der Vertragsunterzeichnung gaben die Verantwortlichen am Donnerstag, 28. Januar 2016, im Oraniersaal des Oberen Schloss das Startsignal für das interdisziplinäre Forschungsvorhaben.

Universitätskanzler Ulf Richter (l.) und Ulf Stötzel, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Siegerlandmuseums, unterzeichneten im Beisein von Stadträtin Babette Bammann die Verträge für das Forschungsprojekt "Zeit.Raum Siegen". (Foto: Stadt Siegen)

Universitätskanzler Ulf Richter (l.) und Ulf Stötzel, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Siegerlandmuseums, unterzeichneten im Beisein von Stadträtin Babette Bammann die Verträge für das Forschungsprojekt „Zeit.Raum Siegen“. (Foto: Stadt Siegen)

Universitätskanzler Ulf Richter, Stadträtin Babette Bammann und Ulf Stötzel, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Siegerlandmuseums, unterzeichneten die Verträge für das Projekt, bei dem neue Wege der Wissensgenerierung und -vermittlung beschritten werden sollen. Anliegen ist es, Fragen an die Geschichte zu stellen und nicht Antworten und Deutungen unreflektiert zu übernehmen.

Konkreter Anlass, die Kooperation mit der Universität Siegen einzugehen, ist die für Ende des Jahres 2016 geplante Eröffnung einer stadtgeschichtlichen Sammlung. In fünf sogenannten „Jahrhunderträumen“ soll die Chronologie der Stadt Siegen vom Mittelalter bis zur Gegenwart anhand von Dokumenten und Objekten dargestellt werden.

Darüber hinaus misst das Siegerlandmuseum dem Einsatz von digitalen Medien bei der Wissensvermittlung einen hohen Stellenwert bei. Das Ansinnen, die Kompetenz von Forschungseinrichtungen der Universität Siegen zum Thema „Stadtgeschichte“ einzubinden, mündete im Herbst 2015 in die Projektidee mit dem Titel „Zeit.Raum Siegen“ ein. Projektbeteiligte sind seitens der Universität Siegen der Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte unter Leitung von Prof. Dr. Bärbel Kuhn, der Lehrstuhl für Praktische Geodäsie und Geoinformation unter Leitung von Prof. Dr. Monika Jarosch, der Lehrstuhl für Computerunterstützte Gruppenarbeit, Leitung Prof. Dr. Volkmar Pipek, sowie das Fab(rication) Lab(oratory), Koordination Oliver Stickel.

Bespielbares Stadtmodell mit Gedächtnis
Im wahrsten Sinne des Wortes plastisch darstellen lässt sich das komplexe Vorhaben anhand des Stadtmodells, das entstehen soll. Es wird etwa Tischgröße haben und die Siegener Innenstadt abbilden. In digitaler Form ist das 3-D-Modell bereits vorhanden. Erstellt wurde es am Lehrstuhl für Vermessungswesen auf der Basis der von Prof. Jarosch erhobenen Daten. Diese Ausgangsdaten sollen nun genutzt werden, um im Fab Lab ein anfassbares Modell aus den digitalen Daten herzustellen, wofür unter anderem verschiedene 3D-Druckverfahren zum Einsatz kommen sollen.

Das Modell ist jedoch eines mit Gedächtnis. Gekoppelt werden soll es mit einem Computersystem und Sensoren, die es erlauben, unterschiedliche Szenarien aufzurufen und bildhaft auf das Modell zu projizieren. So können sich Besucherinnen und Besucher zum Beispiel zeigen lassen, wo sich Sehenswürdigkeiten befinden. Zugleich werden detailliertere historische Erläuterungen zugänglich gemacht.

Erinnerungsorte: Stadtwiki zum Mitmachen
„Zeit.Raum Siegen“ enthält als zentralen Aspekt ein „Stadtwiki“. Diese Plattform ermöglicht es auf einer ersten Ebene, Informationen zur Stadtgeschichte zu sammeln. Sie ist aber zugleich ein Forum, um über die Bedeutung dieser Informationen für die Stadt als Ganzes, für einzelne Gruppen sowie Individuen zu diskutieren. Dafür bietet das Konzept der Erinnerungsorte einen ausgezeichneten Zugang .

Im Rahmen des Projekts wollen Prof. Kuhn und ihr Lehrstuhlteam Erinnerungsorte – die nicht zwingend konkrete Orte oder Baudenkmäler sein müssen – in Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern identifizieren sowie in der Arbeit mit Schulklassen in ihrer Bedeutung für die Siegener und Siegenerinnen interpretieren lassen. Dabei wird auch gefragt, ob und inwieweit mit diesen Erinnerungsorten vielleicht mehr als nur das Wissen darüber, sondern eventuell auch Aspekte regionaler Identität verbunden sind.

Die Aufbereitung von kollektiven Erinnerungen ermöglicht es allen Bürgerinnen und Bürgern , ob vor Ort im Museum oder zuhause, gemeinsam die „Siegener“ Geschichte zu erforschen und ihre Bedeutung für das eigene Leben und die Region miteinander zu diskutieren.

Die Computerunterstützte Gruppenarbeit (CSCW) und soziale Medien sind die Spezialgebiete von Prof. Dr. Volkmar Pipek, der in ihrer Anwendung auf das Museumsprojekt und die Siegener Stadtgeschichte ein sehr interessantes Forschungsfeld sieht. Der Lehrstuhl von Prof. Kuhn hat sich bereits in der Vergangenheit vielfältigen Aspekten der regionalen Geschichte und Geschichtskultur gewidmet.

Großzügige Unterstützung des Fördervereins
Mit der Unterzeichnung der Verträge sichert die Universität Siegen die Durchführung des Forschungsprojekts „Zeit.Raum Siegen“ zu, das auf insgesamt zwei Jahre angelegt ist. Das wissenschaftliche Personal, verbunden mit Kosten in Höhe von 180.000 Euro, wird aus Hochschulmitteln finanziert. Die Realisierung wurde letztlich jedoch erst möglich durch die Zusage der Freunde und Förderer des Siegerlandmuseums, die Universität mit einem Zuschuss in Höhe von 61.000 Euro zu unterstützen. Weitere 9.000 Euro fließen in die Finanzierung begleitender Recherche- und Redaktionsarbeiten. Neben eigenen Mitteln will der Förderverein zur Deckung dieser Kosten Sponsorengelder einsetzen, für die die Akquise angelaufen ist.

Zu dieser außergewöhnlich großzügigen Unterstützung hat sich der Förderverein, laut seinem Vorsitzenden Ulf Stötzel, entschlossen, weil er in „Zeit.Raum Siegen“ eine bedeutsame Investition in die Zukunft des Siegerlandmuseums sieht. Das Museum wird so nicht nur Sammelpunkt musealer Objekte, sondern zugleich auch ein Forum für kooperative historische Arbeit in der und mit der Region.

Die Universität kommt ins Museum
Stadt Siegen und Universität Siegen rücken zusammen. Im Jahr der Eröffnung des Campus Unteres Schloss ist die Kooperation zwischen Siegerlandmuseum und Forschungseinrichtungen der Uni Siegen ein weiterer Baustein, der diese Entwicklung manifestiert. Das unterstrich Stadträtin Babette Bammann. Kanzler Ulf Richter, den projektbeteiligten Professoren und dem Verein der Freunde und Förderer des Siegerlandmuseums dankte sie für das beispielhafte Engagement zugunsten der bedeutendsten kulturhistorischen Einrichtung der Stadt Siegen.

Quelle: Stadt Siegen, Pressemitteilung, 29.1.2016

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