Mosaiksteine runden Geschichte Siegens ab

ZEIT.RAUM Siegen: Neues Veranstaltungsformat der Mittwochsakademie trifft auf positive Resonanz und wird im Wintersemester fortgesetzt.

Während eines Stadtrundgangs erkundeten die ZEIT.RAUM Siegen-Teilnehmer das interaktive Stadtmodell im Oberen Schloss. Foto: Katja Knoche


„Vor allem die wöchentlichen Einheiten ,Erinnerungsorte‘ fand ich richtig gut. Meine Erinnerung an einen Ort war teilweise eine andere als die einiger Teilnehmer. Dies ließ mich auf Spurensuche gehen: Besuch im Stadtarchiv, im Museum, in der Museumsverwaltung…“. Rosemarie Harth ist Teilnehmerin des Citizen-Science-Projekts der Mittwochsakademie „ZEIT.RAUM Siegen: Regionale Geschichte und Erinnerungsorte mit Bürgerinnen und Bürgern erforschen“. Erstmals besteht für Besucherinnen und Besucher der Mittwochsakademie die Möglichkeit, gemeinsam mit den Geschichtswissenschaftlern Dr. Jens Aspelmeier und Matthias Opitz an einem Forschungsprojekt teilzuhaben. Aspelmeier: „Was wir uns versprochen haben, dass wir über die Region ins Gespräch kommen, hat funktioniert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzen sich mit ihrem eigenen Dasein in Siegen auseinander. Sie möchten dabei Expertenwissen vermittelt bekommen, aber auch mitdiskutieren und sich mit ihren Erinnerungen einbringen.“

Eine nachhaltige Reflexion über regionale Geschichte geschieht an ausgewählten Beispielen. Aspelmeier: „Das hat vor allem auch etwas mit dem eigenen Ich zu tun.“ „In der vorletzten Sitzung wurde kurz Pfarrer Adolf Stöcker angesprochen, von dem ich nur wusste, dass er ein scharfer Antisemit war. Ich habe daraufhin recherchiert, um mehr Klarheit über ihn und die ,Christlich Soziale Partei‘, für die er viele Jahre Abgeordneter des Reichstagswahlkreises Siegen-Wittgenstein-Biedenkopf war, zu bekommen. Um solche Zusammenhänge zu verstehen, besuche ich die Mittwochsakademie“, berichtet Edeltraud Schütte aus Siegen. Die Teilnehmer von „ZEIT.RAUM Siegen“ der Mittwochsakademie ziehen nach der Premiere der Veranstaltung insgesamt ein ausgesprochen positives Fazit. Aspelmeier: „Manchmal war die Zeit zu kurz, um alles zu diskutieren.“

Ganz unterschiedliche Themen standen auf dem Programm. Der Gang durch die Epochen war chronologisch. Schlaglichtartig wurden Themen aufgegriffen und bis in die heutige Zeit hinein beleuchtet – beispielsweise der Herrengarten. Den hatte Fürst Johann Moritz als Garten anlegen lassen. Dieser erstreckte sich seinerzeit vom jetzigen Unigebäude rückwärts bis über das Areal der derzeitigen Post. Der Bereich des Einkaufszentrums, über dessen Zukunft aktuell diskutiert wird, war vormals eine Wiese, auf der die Siegenerinnen die Wäsche bleichten. Im Zuge der Industrialisierung wurde der Bereich neu beplant und umgestaltet.

Verkehrsentwicklung, Stadtmauer, Bombennacht, Bunker, belgische Garnison – etliche Themen stellten Opitz und Aspelmeier zumeist auf der Grundlage von Fotos, Zeitzeugenberichten oder Kartenmaterial vor. „Die Erinnerungen kommen dann wieder hoch“, so ihr Fazit. Höhepunkt der Veranstaltung war ein gemeinsamer Rundgang durch die Oberstadt. Dabei erkundeten die Mittwochsakademiker auch das interaktive Stadtmodell im Oberen Schloss. Freiwillig stellten sie sich als Probanten zur Verfügung. Die Wissenschaftler wollten mehr über Art und Weise der Nutzung des Modells und mögliche Schwierigkeiten wissen.

Nach diesem erfolgreichen Auftakt geht „ZEIT.RAUM Siegen“ im Wintersemester in die Version 2.0. Wieder werden markante Themen aus der Siegener Stadtgeschichte thematisiert. Aspelmeier: „In den Gesprächen erschließen sich uns Wissenschaftlern neue Quellen, die als Mosaiksteine, die bekannte Geschichte abrunden. Historiker brauchen diese Geschichten. Sonst wird die Geschichte des Siegerlandes nicht geschrieben.“ Den Teilnehmern machen die Vertreter der Universität Siegen Mut, sich als Zeitzeugen in die Online-Plattform einzubringen. Für die nächste Veranstaltungsreihe, die ab dem 8. November 2017 jeweils mittwochs von 16 bis 17.30 Uhr im Vortragsraum des Museums für Gegenwartskunst in der Siegener Oberstadt stattfindet, können Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerne eigene Materialien und Erinnerungsstücke wie beispielsweise Fotoalben mitbringen.
Quelle: Universität Siegen, Aktuelles, 7.7.17

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