„ …. Man soll auch nicht übersehen, daß sich das Siegerland mehr und mehr zu einem Zentrum der Ausbildungsstätten entwickle. Es sei nicht ganz unmöglich, vielleicht schon in 20 Jahren, hier im Siegerland eine Universität zu haben. …“[1]
Peter Kunzmann weist in seinen Miszellen zur Geschichte der Siegener Universität auf den Redebeitrag Juliane Freiin zu Bredows hin. Sie ist die erste nachgewiesene Äußerung der regionalen Politik zur Ansiedlung einer Universität im Siegerland. Von Bredow wird damit zu einer der Gründungsmütter der Siegener Hochschule. Dies ist Grund genug zum heutigen Weltfrauentag einen kurzen Blick auf die Biographie zu werfen und angesichts all der noch auszuwertenden Quellen – Archiv Stift Keppel, Kreistagsprotokolle, weitere s. u. Zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Vita von Bredows einzuladen.
Tabellarischer Lebenslauf
Bredow, Juliane Agnes Anita Elisabeth, Freiin von
- 9.1904 Vietznitz (Kr. Westhavelland), ev.-un[2]
- Landwirtschaftliche Ausbildung („Gutsmamsell“[3])[4]
- Studium Erdkunde, Geschichte, Philosophie und evangelische Theologie in Göttingen, Münster und Berlin, Staatsprüfungen für das Lehramt an höheren Schulen mit Auszeichnung [5]
- Gymnasiallehrerin Schule und Internat der Königin-Luise-Stiftung Berlin-Dahlem (Ostern 1934-1945), Leiterin von Schule (1937ff.) und Internat (1941ff.); Sollte bereits 1934 Stift Keppel übernehmen, lehnte dies aber wegen ihrer mangelnden Erfahrung ab[6]
- NSDAP (1933-1945), NS-Frauenschaft (ca.1938-1945), Deutsches Frauenwerk (1937ff.), NSLB, „Blockwart“, RKB (1938-1945), VDA (1928-1945)[7]
- Augusta-Stiftung Hilfsverein, Landwirtschaftlicher Frauenverein, Evangelische Frauenhilfe, Christengemeinschaft u. a.[8]
- nach NS-Ende von Militärregierung als ns-belastet aus Schuldienst entlassen, Entnazifiziert als „nominelles Mitglied“ [V (1949)], wiedereingestellt[9]
- Stiftsoberin und Oberstudiendirektorin Stift Keppel-Geseke (29. April 1949 – 30. November 1966), trotz Behinderung durch die Folgen einer als Kind durchgemachten Kinderlähmung setzte von Bredow mit erstaunlicher Energie ihre ganze Kraft für Keppel ein. Eine drohende Beschlagnahme des Stiftes durch die Besatzung konnte abgewendet, die Schäden der Kriegs- und ersten Nachkriegszeit konnten behoben werden; Neueinrichtung des Schülerinnenheims, der Schulerweiterung sowie am Ausbau der Sportanlagen, Schriftleiterin der „Keppeler Mitteilungen“.[10]
- CDU, Kreistag 1956 – 1969[11], u. a. Kulturausschussvorsitzende[12], 1960ff Landesvorstandsmitglied der „Vereinigung der Frauen in der CDU Westfalen-Lippe, 1964 – 1966 Landesvorsitzende der „Vereinigung der Frauen in der CDU Westfalen-Lippe“, 1966ff stellvertretende. Landesvorsitzende der „Vereinigung der Frauen in der CDU Westfalen-Lippe, langjährige Vorsitzende der Bezirksverbandes Sauerland/Siegerland der „Vereinigung der Frauen in der CDU“, 1962 – 1968 Mitglied der CDU Kreisvorstandes Siegen.[13]
- 1970 – 1972 Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Ruine Ginsberg[14]
- 1972 hatte sie das Siegerland verlassenund war nach Kassel-Wilhelmshöhe (Altenheim) gezogen. Ihre letzte Ruhe hat sie in Berlin-Dahlem gefunden.[15]
- 25. Februar 1998 in Kassel[16]
Veröffentlichungen Bredows (Auswahl):
- Cornelia van Senden. Stiftsoberin zu Keppel 1927 bis 1934, in: Keppeler Bote 1953, S. 74 – 76
- Zum Gedächtnis an Wilhelm Frölich (Stiftamtmann in Keppel 1946 – 1953), in: Keppeler Bote 1954, S. 3-4
- Der Konventsaal im Stift Keppel, in: Siegerland 1964, S. 33 – 34
- Flender, Heinz / Hartnack, Wilhelm: „Stift Keppel im Siegerlande 1239-1971“, 3 Bde, Stift Keppel, 1963 – 1971
- Leben in einer Zeitenwende, Kassel 1980
- Bredow, Max-Wichard von (Hg.): Das Geschlecht von Bredow.Herkunft und Entwicklung 1251 – 1984. nach Vorarbeiten von Henning von Koss u. Juliane Freiin von Bredow, Burgdorf/Heessel 1984
Exkurs: Ein Glosse über die Wahrnehmung von Frauen in der Kreisverwaltung Siegen im Jahr 1966:
„Ein Fauxpas vom „HPA“
„An die Kreistagsabgeordnete Frau Juliane Freiin von Bredow und die Herren Mitglieder des Kreistages des Landkreises Siegen“ richtete die „Abt. HPA“ unlängst die Einladung zur konstituierenden Sitzung des neuen Kreistages. Welche Höflichkeit, wird der Leser denken. Aber leider ist es keine. Am 25. September wurde nämlich außer der namentlich erwähnten Kommunalpolitikerin eine weitere Kandidatin in den Kreistag gewählt: die gleichzeitig ins Siegener Stadtparlament wiedergewählte SPD-Abgeordnete Frl. Steinhauer. Die Tücke des Zufalls wollte es nun auch noch, daß die Kreistagseinladungen üblicherweise eine Faksimile-Unterschrift des Landrats Schmidt tragen so auch die hier in Rede stehende. Sicherlich ist der Herr Landrat völlig unschuldig an dieser Panne, aber der „Abt. HPA“ der Kreisverwaltung, worunter mutmaßlich das „Haupt-Personal-Amt“ zu verstehen ist, sollten eigentlich die Ergebnisse der letzten Kommunalwahl nicht unbekannt geblieben sein. Es wäre nun schön, wenn die „Abt. HPA“ daraus in absehbarer Zeit den Schluß zöge, Einladungen zu Kreistagssitzungen künftig ordnungsgemäß zu adressieren!“ aus: Siegener Zeitung, 3. Oktober 1966
Literatur/Quellen/Links:
- Siegener Zeitung: 31. August 1964, 3. Oktober 196626. Oktober 1966, 30. August 1969, 3. November 1969, 28. Februar 1998
- Irle, Lothar: Siegerländer Persönlichkeiten- und Geschlechter-Lexikon, Siegen 1974, S. 46 [=Irle, S. 46]
- Kunzmann, Peter: Miszellen zur Siegener Universitätsgeschichte, in: Siegener Beiträge 22 (2017/18), S. 164-204 [Kunzmann, S. XXX]
- Schiemer, Hansgeorg: 40 Jahre CDU für Siegerland und Wittgenstein. Gestaltend heimatverbunden in christlicher Verantwortung, Siegen 1986, S. 112 [=Schiemer, S. 112]
- Siegerländer Heimatkalender 1999, S. 43
- Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein, Eintrag Juliane Freiin von Bredow, , Link: https://akteure-und-taeter-im-ns-in-siegen-und-wittgenstein.de/verzeichnis/gesamtverzeichnis#bredow (Aufruf: 26.2.26) [=Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow]
Noch auswerten:
- Bundesarchiv Berlin, R 9361-I (Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der NSDAP), Nr. 367, Bredow, Juliane Freiin von, * 9.1904
- Landesarchiv Berlin, A Rep. 001-06: 1367, Personalakte der Bürohilfe Juliane Freiin von Bredow (geb. 01.09.1904), tätig im Evangelische Kirchengemeinde Dahlem, 1936 – 1948
- Landesarchiv Berlin, C Rep. 375-01-13 (Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Abteilung IX/11, NS-Sondersammlung – Teil Berlin: Juristen, Forscher, NSDAP), Nr. 3028 A. 04, Juliane Freiin von Bredow (*01.09.1904). [Im Registrierbuch fälschlicherweise: „Bedow“], 1945 – 1948
- Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, NW 1112 (SBE Hauptausschuss SOW (Siegen-Olpe-Wittgenstein) in Siegen), Nr. 763
- Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland, NW 1.111 BG. 33-354
- Niedersächsisches Landesarchiv, Abt. Hannover, Hann. 144 (Wissenschaftliches Prüfungsamt Göttingen), Nr. 2429, Bredow, Freiin Juliane von, geb. 1904 Fächer: Erdkunde, Geschichte, philosophische Propädeutik, 1931
- BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung – Archiv, Berlin, GUT 220 (Gutachterstelle für deutsches Schul- und Studienwesen im Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung, Schriftwechsel zu den Personalunterlagen der Lehrkräfte), 379, 1948-1996, enth. u.a. Bredow, Juliane von *01.09.1904 – 9 Blatt (Bl. 5-13), maschinenschriftlich 1949, 1967
- BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung – Archiv, Berlin, (Gutachterstelle für deutsches Schul- und Studienwesen im Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung GUT ASS (Assessorenarbeiten), 138a, von Bredow, Juliane Freiin: Die alte Geschichte im Unterricht der Aufbauschule, 1933, Enthält: Jahresarbeit (handschriftlich).
Enthält auch: Gutachten. 40 Seiten - BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung – Archiv, Berlin, (Gutachterstelle für deutsches Schul- und Studienwesen im Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung, GUT ASS (Assessorenarbeiten), 138b, von Bredow, Juliane Freiin: Deutsches Landvolk und deutsche Landwirtschaft im Erdkundeunterricht der Oberprima, 1934, Enthält: Pädagogische Prüfungsarbeit (maschinenschriftlich), Enthält auch: Schreiben des Pädagogischen Prüfungsamtes an die Gutachter.- Gutachten. Deutschlandkarten mit Ernteerträgen als Anlagen, 32 Blatt
[1] Kreistagssitzung vom 26. April 1962, zitiert nach Kunzmann, S.169
[2]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow; Schiemer, S. 112, Irle, S. 46
[3] Siegener Zeitung, 28. Februar 1998
[4] Kunzmann, S.168
[5] Siegener Zeitung, 31. August 1964, 30. August 1969
[6]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow; Irle, S. 46; Kunzmann, S.168, Siegener Zeitung, 31. August 1964
[7]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow
[8]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow
[9]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow
[10]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow; Schiemer, S. 112; Irle, S. 46; Siegerländer Heimatkalender 1999, S. 43; Kunzmann, S. 168; Siegener Zeitung, 31. August 1964, 30. August 1969
[11] Dem ersten ernannten Kreistag (1945 bis 1946) des Kreises Siegen gehörten Maria Abraham (Hausfrau aus Neunkirchen, SPD), Charlotte Friese-Korn (Lehrerin in Siegen, FDP), Johanna Gozdzikowski (Hausfrau aus Weidenau), Elisabeth von der Nahmer (Hausfrau aus Freudenberg), Grete Noß (Hausfrau aus Siegen-Eisern) und Dr. Gertrud Philipp (Kinderärztin aus Siegen-Alchen) an. Dem ersten gewählten Siegener Kreistag gehörte nur noch Erna Krumm (CDU), Gemeindeschwester aus Burbach, an. Damit ist Juliane Freiin von Bredow nach zwei Wahlperioden ohne erst die achte Frau im Siegener Kreistag. 1966 folgte mit Waltraud Steinhauer die neunte Frau im Siegener Kreistag.
[12] Siegener Zeitung, 3. November 1969
[13]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow; Schiemer, S. 112; Irle, S. 46; Siegerländer Heimatkalender 1999, S. 43; Kunzmann, S. 196 – 169
[14]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow; Irle, S. 46
[15]Reg. Personenlexikon, Eintrag Bredow; Siegener Zeitung 28. Februar 1998
[16] Siegerländer Heimatkalender 1999, S. 43; Siegener Zeitung, 28. Februar 1998

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