Vor 70 Jahren: Die Hinrichtung von Ignatz Bruck

Am 03. April 1945 wurde der Betriebsleiter der “Neuen Haardt”, der Siegener Ignaz Bruck, von einem Freikorpsmitglied in Geisweid erschossen. Grund dafür war das Hissen einer weißen Fahne.

Ende März/ Anfang April 1945 entstanden durch den Einzug der Alliierten in Siegen, Straßen- und Häuserkämpfe. Ignatz Bruck, welcher technischer Betriebsleiter der Grube „Neue Haardt“ war, wollte die sich dort im Luftschutzstollen versteckenden Zivilisten vor Alliierten schützen und wurde dadurch von Angehörigen des einem Freikorps Sauerland festgenommen. Grund dafür soll das Schwenken einer weißen Fahne gewesen sein.

Trotz Schusswunde musste er zu Fuß zu der, in einem Kilometer entfernten, Kommandaturschreibstube nach Klafeld (Geisweid) des Freikorps laufen. Dabei wurde er von den Mitgliedern des Korps durch Stiche in die Kniekehlen drangsaliert.

Der Prozess innerhalb der Stube ist ungeklärt, jedoch lautete das Urteil: Hinrichtung! Der Kommandant der Freikorps-Einheit, Dr. Oberschulte-Beckmann, soll Bruck als Hochverräter betitelt haben und seine Erhängung auf dem Klafelder Markt erlassen haben. Diese Annahme wurde weit über die Tat hinaus diskutiert (siehe Quellenverzeichnis).

Bruck sollte mit Hilfe eines Telefondrahts erhängt werden, welcher jedoch riss und er zu Boden fiel. Der erste Schuss, der auf ihn abgefeuert wurde, streifte ihn nur, doch die nächsten vier brachten ihn zum Tode. 40 Stunden lang wurde die Leiche auf dem Platz liegen gelassen. Über ihr die Aufschrift: „So geht es dem Volksverräter“. Der Mittäter Friedrich Jäger wurde 1951 zu einer Haftstrafe von 10 Jahren im Zuchthaus verurteilt.


 

Text aus: Dieter Pfau (HG.), „Kriegsende 1945 in Siegen, Dokumentation der Ausstellung 2005“, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2005, S. 156-158

Sven Keller, „Volksgemeinschaft am Ende: Gesellschaft und Gewalt 1944/45“, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2013, S. 377-378

weitere Quellen zum Thema:

Prozess Friedrich Jäger:

Siegener Zeitung vom 21. Mai 1951 und 23. Mai 1951

WR+WP/SI vom 23. Mai 1951
WP/SI vom 22. Mai 1951

Schuldenfrage und Prozess des Dr. Oberschulte-Beckmann:

SZ vom 26. Jan. 1953 und vom 27. Jan. 1953

WR/SI vom 27. Januar 1953 (Schuldfrage des Dr. Oberschulte-Beckmann)

aus: Ulrich Friedrich Opfermann, „Siegerland und Wittgenstein im Nationalsozialismus, Personen, Daten, Literatur“, Jahrbuch für regionale Geschichte, Sonderband 2001, Hell und Dunkel Verlag, Siegen

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