Wolfgang Kreutter, ein Berleburger Künstler mit Siegener Wurzeln

Wolfgang Kreutter wurde am 22. Juli 1924 in Siegen geboren. Bis 1943 besuchte er das Siegener Löhrtor-Gymnasiums, das er 1943 mit dem Notabitur verließ. Zwischen 1943 und 1945 leistete er Kriegsdienst. Nach sechs Wochen in amerikanischer Kriegsgefangenschaft erfolgte die Rückkehr nach Siegen im Juli 1945.
Unmittelbar anschließend begann Kreutter eine Lehre als Drechsler und Holzbildhauer auf Ludwig Florins Drechslerhof am Dödesberg. 1947 legte er seine Gesellenprüfung ab.
Im selben Jahr trat er in die Landeskunstschule Hamburg als Schüler ein. Kreutter wurde Assistent des 1946 nach Hamburg berufenen Bildhauers Edwin Scharff. Weitere prägende künstlerische Anregungen erfuhr Kreutter durch den ebenfalls dort lehrenden Bildhauer und Graphiker Gerhard Marcks. 1950 verließ er die Hamburger Kunstschule. 1949 bereits hatte er die Tochter Ludwig Florins, Milli Kreutter, geheiratet. Mit ihr hatte er fünf Kinder, die heute größtenteils künstlerisch tätig sind.
1950 wurde Kreutter am Dödesberg freischaffend als Bildhauer tätig und arbeitete vorrangig mit den Materialien Stein, Holz und Bronze. Zwischen 1957 und 1960 unternahm Kreutter Versuche mit den ihm bis dahin unbekannten Materialien Eisen und Glas. Daneben entstanden Buchillustrationen und Umschlagentwürfe zu der in Münster erscheinenden „Kleinen westfälischen Reihe“ von Lene Bertelsmann. Zwischen 1955 und 1989 lag ein Schwerpunkt seines Schaffens im Bereich der Sakralkunst. Für über hundert Kirchen, Gemeindehäuser und Kapellen innerhalb und außerhalb Westfalens die Innenräume gestaltet: 1957 begann eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld und dem Bochumer Architekten Kurt Peter Kremer. 1964 wurde Kreutter Mitglied des Beirates für Kirchbau und kirchliche Kunst der Evangelischen Kirche von Westfalen. Im drucktechnischen Bereich entwarf er Weihnachtskarten mit biblischen Motiven und gesellschaftskritischem Bezug.
1952 nahm Kreutter einen Lehrauftrag als Kunsterzieher am Johannes-Althusius-Gymnasium in Bad Berleburg an, den er bis 1966 neben seinem freien Schaffen beibehielt. Im Rahmen seiner pädagogischen Tätigkeit entstanden zwischen 1957 und 1969 Fernsehsendungen für Kinder im WDR. Mit den eigenen und Kindern aus seinen Gymnasialklassen zeigte er dort Gestaltungsaufgaben als Anregung. In der Sendung vom 24. April 1961 mussten die Kandidaten neben einem Bastelteil u.a. ein Spiel absolvieren, bei dem sie sich gegenüberstanden und ein Tierbild erkennen sollten, das der Spielgegner auf dem Rücken trägt. Als Belohnung gab es Bonbons. Spiel mit! mit Wolfgang Kreutter kann man daher zu den Vorformen der Gameshow zählen.
1964 erfolgte der Bau eines neuen modernen Ateliers am Dödesberg nach den Plänen des Architekten Kremer, Bochum. Dort fand 1966 die erste Atelier-Ausstellung mit Plastiken aus den Jahren 1950-1966, Gouachen und Graphiken statt. Ab 1976 wurden dort Ausstellungen zusammen mit seinen Kindern Annette (Goldschmiedin) und Martin (Fotograf) ausgerichtet.
Zwischen 1968 und 1970 entstanden Tropfenobjekte in Edelstahl und Glas; weitere Verwendung fanden diese Komponenten im öffentlichen Raum, u. a. an der Außenfassade des Hilton-Hotels in Düsseldorf.
Neben der figürlichen Plastik in Bronze und der sakralen Kunst widmete sich Kreutter zwischen 1970 und 1986 architektonischen Arbeiten an Großbauten, Fassadenelementen und Wandgestaltungen. Für diese Arbeiten im öffentlichen Raum wählt er die Materialien jeweils in Verbindung mit der Region, in der sie präsent sind, u. a. Schiefer, Glasmosaik, Kies (Reliefe im Foyer des Siegener Kreishauses), Edelstahl (VEW Münster), Aluminium, Polymerbeton (Senkenberganlage Frankfurt).
1970 erhielt Wolfgang Kreutter den Ehrenpreis des Bischofs von Münster.
1971 entstanden Arbeiten mit variablen Magnet-Elementen, den sogenannten „Vari-Tabilos“, mit denen Kreutter, an seine Bestrebungen, Gestaltungserkenntnisse zu vermitteln und den Betrachter zur Eigengestaltung anzuregen, anknüpfte. Für das Magnetbild „Schwarzes Rechteck – Gelbe Scheibe“ erhielt er 1971 den NRW-Staatspreis aus der Hand des damaligen Wissenschaftsministers Johannes Rau.
1986 siedelte Kreutter nach Stadtlohn um und errichtete in einer Schule Galerie und Atelier.
Am 13. November 1989 ist Wolfgang Kreutter in Stadtlohn verstorben und später in Siegen beigesetzt worden.

Quelle: Intranet Kreis Siegen-Wittgenstein , CC-BY-30, http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

2 Gedanken zu „Wolfgang Kreutter, ein Berleburger Künstler mit Siegener Wurzeln

  1. Pingback: Ausstellung: “Hier und anderswo – 90 Jahre ASK I” | siwiarchiv.de

  2. „Für das Magnetbild “Schwarzes Rechteck – Gelbe Scheibe” erhielt er 1971 den NRW-Staatspreis aus der Hand des damaligen Wissenschaftsministers Johannes Rau“.

    Nach Recherchen von Bernd Brandemann, Freudenberg, müsste der Satz korrigiert oder erläutert werden, da der Staatspreis des Landes erstmals 1986 vergeben wurde(„Er wurde 1986 erstmalig aus Anlass des 40. Jahrestages der Gründung des Landes vergeben“ – http://www.nrw.de/landesregierung/staatspreis-nordrhein-westfalen/ .

    Es müsste wahrscheinlich richtig heißen: …erhielt er den Staatspreis manufactum der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks NRW e.V. im Zusammenwirken mit der NRW-Landesregierung. So zumindest nachzulesen unter http://www.staatspreis-manufactum.de/1963-1999/staatspreis.html.
    Weitere Info: http://www.staatspreis-manufactum.de

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