Vor 65 Jahren:

Erste Deutsche Einzelmeisterschaft im Schach in Siegen-Weidenau vom 10.—31. August 1947

“Als Austragungsort war die Bismarckhalle vorgesehen, die aber bis zum Beginn noch nicht wieder soweit hergestellt werden konnte. Es blieb dann nur noch die Turnhalle der Oberschule übrig, die aber dank der Unterstützung der Gemeinde und des Amtes rechtzeitig soweit hergestellt werden konnte. Nun fehlte es wieder an Tischen und Stühlen. Hier war es die Burbacher Stuhlfabrik, die in dankenswerter Weise über ein weiteres, der vielen Hindernisse hinweg geholfen hat. Heute kann man sich gar keinen Begriff mehr machen von den vielen Dingen, die zur Durchführung einer solchen Meisterschaft in einer solchen Krisenzeit nach Beendigung eines Krieges zu lösen sind, allen voran aber die verpflegungsmäßige Seite.

Die Eröffnungsfeier fand im Saale der Fa. Fuchs & Co. statt. Dem Ehrenausschuß gehörten an: Kreiskommandant Haley, Arbeitsminister Halbfell, Düsseldorf, Reg. Präsident Fries, Arnsberg, Landrat Büttner, Oberkreisdirektor Dr. Moning, Amtsbürgermeister Börner, Amtsdirektor Nordmeyer, Gemeindebürgermeisier Langenohl, Verleger Balogh, Handelskammerpräsident Junker und Fabrikant Kritzler.

Die Abschlußfeier fand in der Klafelder Friesenhalle statt und nahm einen sehr schönen Verlauf.

Aus der Schach-Welt, Ausgabe Aug./Sept. 47 entnehmen wir wie folgt:
Dank an Weidenau

In der heutigen Zeit, da Verpflegung und Unterkunft schier unlösbare Probleme stellen, ist die Ausrichtung einer deutschen Meisterschaft, die zeitweilig bis zu 100-200 Personen in das freundliche Städtchen an der Sieg brachten, eine Leistung, die dem Gastgeber, Schachvereinigung Anderssen-Weidenau zur großen Ehre gereicht. Initiator war Stud. Rat H. Meyer, der Jugendwart der Veranstaltung. Mit voller Kraft widmete sich W. Hain der Organisation der Titelkämpfe. Diesen beiden Herren gebührt in erster Linie das Verdienst, daß heuer bereits wieder eine Deutsche Schachmeisterschaft durchgeführt werden konnte. Ihnen zur Seite standen die Herren Wunderlich (Quartier), Heppner (Finanzminister), Petri, Feldmann, Bretsch, Fischbach und viele Helfer. Dank gebührt dem Amt Weidenau, dem Kreis Siegen und den Firmen des Gebiets für die großzügige finanzielle Unterstützung. Dank gebührt weiter allen Quartiergebern, den Damen und Herren, die die kulturelle Veranstaltung ermöglichten und Hotel Flender, das für das leibliche Wohlder Schacher sorgte.

Aus der Festschrift 100 Jahr Schachbund Nordrhein-Westfalen 1961:
Die Siegerländer, die 1944 unter-schwierigsten Umständen den letzten westfälischen Schachkongreß durchgeführt hatten, waren es auch, die schon kurz nach dem Kriege mit großem Opfermut und bewundernswertem Unternehmungsgeist die ersten größeren Schachveranstaltungen zustande brachten (vom 3.—6. 12. ein kl. Turnier mit Meister Kieninger und 5 -Siegerl. Spitzenspieler. Der Schachbund Nordrhein-Westfalen wurde 1946 in Weidenau ins Leben gerufen. Auch hier waren insbesondere Siegerländer Schachfreunde, die die Initiative ergriffen. Die historischen Verdienste der wackeren Siegerländer sollen unvergessen bleiben.
….
Anschließend wurde vom 10.—31. 8. die erste Nachkriegsschachmeisterschaft in Weidenau gestartet. Daß trotz der ungeheuren Schwierigkeiten jener Hungerzeit das Unternehmen glücklich zu Ende geführt werden konnte, bleibt ein Ruhmesblatt der örtlichen Organisatoren.
Über den Verlauf-der Meisterschaften wurde durch die Presse und besonders auch durch Rundfunk laufend berichtet. DerVerein nutzte die Gelegenheit, die Welt noch besonders durch einen Post-Sonderstempel auf dieses große schachliche Ereignis aufmerksam zu machen.
Zum Schluß soll aber der Rückblick auf Weidenau nicht fehlen, den ein Teilnehmer dem Weidenauer Schachverein anläßlich der Schlußfeierlichkeiten entbot:

Die ersten Nachkriegsmeisterschaften, das ist allmählich weltbekannt,
die führten zum Schachklub Weidenau im Siegerland,
er trug sich so mit goldnen Lettern ins Buch der Schachgeschichte ein,
und allenthalben hört man sagen, die Tage waren wirklich fein,
ein Hoch dem Weidenauer Schachklub, ein Hoch der deutschen Meisterschaft.”

Aus: Chronik des Weidenauer Schachvereins zur Südwestfalenmeisterschaft 1963

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