Rückblick: 88. Deutscher Archivtag in Rostock

Tagungsort: Stadthalle Rostock

Verlässlich, richtig, echt, unabhängig (!)
Rund 700 Archivarinnen und Archivare trafen sich in der vergangenen Woche um sich unter dem Motto “Demokratie braucht Archive – Verlässlich, richtig, echt” auszutauschen. In seinem Eröffnungsvortrag erweiterte Hans-Christian Ströbele das Archivtagsmotto – und es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass das Motto sinnvollerweise erweitert wurde. In seiner engagierten Rede stellte Ströbele die Unabhängigkeit der Archive heraus. Archive müssten außerhalb der Verwaltungshierarchien als eigenständige Körperschaft oder Stiftung existieren (vgl. den Rechnungsprüfungsinstitution). Nur so können Archive ihrer Kontrollfunktion für das Herrschaftswissen  gerecht werden und bspw. auf die problematischen Aktenvernichtungen reagieren. 

“Im Prinzip ist jedes Archiv ein Menschenrechtsarchiv”
In der ersten gemeinsamen Arbeitssitzung widmeten sich die Vorträge der Demokratie unterstützenden Funktion der Archive. Nach einem Blick auf das Archivwesen der deutschsprachigen Belgier und auf den Kollateralnutzen der elektronischen Aktenführung stellte Dagmar Hovestädt von der Berliner Stasiunterlagenbehörde die Funktion der Menschenrechtsarchive vor. Eine allgemein gültige Definition liegt noch nicht vor, aber allen Menschenrechtsarchiven (human rights archives) ist gemein, dass sie Menschenrechtsverletzungen sowie im besten Fall die Beendigung der Repressionen dokumentieren und sichern. Anschließend wirken sie bei der Übergangsgerechtigkeit (transitional justice) und der Wahrheitsfindung (Aufklärung) mit.

Verlässlich, richtig, echt, offen(!)
Die vierte Sektionssitzung widmete sich dem Zugang zum Archivgut zwischen openaccess und Benutzungsbeschränkungen. Ellen Euler, Informationswissenschaftlerin aus Potsdam, stellte die Handlungsfelder open access und open data für Archive vor. Ziel: Archive sollten so viel wie möglich Archivalien ohne Beschränkung online verfügbar.

“Der Aktenschredder ist kein Archiv”
In der abschließenden Podiumsdiskussion liessen Zeithistoriker Constantin Goschler, Journalist Frank Überall und Bundesarchivpräsident Michael Hollmann das Tagungsthema aus ihrer Sicht Revue passieren.

Am Ende des Kongresses blieben Fragen offen:

  • Haben die Archive die Transparenzdiskussion verschlafen?
  • Haben die Archive nicht deutlich genug auf die vollständige Dokumentation des Verwaltungshandeln gedrängt?
  • Haben die Archive bei ihrer Mitwirkung bei der Erinnerungskultur sich wirklich genug engagiert – in Anbetracht der aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen?

Neue Tagungsformate: Archivcamp und Posterpräsentation
Erfreulich war die gute Resonanz auf die erstmals in den Archivtag integrierten neuen Tagungsformate:

Posterpräsentation

Archivcamp

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