CDU-Kreistagsfraktion fragt nach Situation der kommunalen Archive in Siegen-Wittgenstein

Anfrage gemäß § 3 Abs. 6 der Geschäftsordnung des Kreistages Siegen-Wittgenstein

„Sie gehören zur „Kultur“, zählen allerdings nicht zu den „freiwilligen Aufgaben“ der Kommunen: ihre Archive. Mit dem nordrhein-westfälischen Archivgesetz wurden den Trägern der kommunalen Selbstverwaltung die Zuständigkeit und die politische Verantwortung für die Archivierung ihrer Unterlagen zugeschrieben.
Die Aufgabenerfüllung, das jeweilige historische Erbe zu bewahren, in der Gegenwart zu vermitteln und in die Zukunft weiterzugeben, scheint allerdings in sehr unterschiedlicher Quantität und Qualität zu erfolgen. Während einerseits viele Forscher die Siegener Einrichtung im Krönchen-Center loben, wurde andererseits in Freudenberg dem Archiv gerade der Nutzerraum entzogen, beim Kreisarchiv selbst scheinen deutliche Veränderungen geplant zu sein.
Nun legte die CDU-Fraktion im Kreistag dem Landrat eine Reihe von Fragen zur Situation der Archive vor.
„Archive sind schon wichtig“, findet Fraktionsvorsitzender Bernd Brandemann. Sie müssten Quellenarbeit leisten, über archivwürdiges Gut entscheiden, Kooperationen mit bürgerschaftlich Engagierten zu verschiedenen historischen Forschungsziele eingehen. Archive sollten aktiver Bestandteil des Bildungssystems sein und insofern Optionen eines außerschulischen Lernortes zu lokal- und regionalgeschichtlichen Themen für den Schulbereich wie für Erwachsene bieten. Eine neue übergreifende und langfristige Herausforderung wird die dauerhafte digitale Archivierung sein, für die die fachliche Kompetenz der Archive für die jeweilige Gebietskörperschaft eine unverzichtbare Unterstützung sein wird.

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Archiv-Entwicklungen in den Kommunen und beim Kreisarchiv wurde um Beantwortung folgender Fragen gebeten:

  1. Welche inhaltlichen, konzeptionellen und räumlichen Veränderungen sind für das Archiv des Kreises Siegen-Wittgenstein konkret vorgesehen? In welchem Zeitraum sollen diese erfolgen?
  1. Wird das Raumprogramm entsprechend der „Konzeption Kreisarchiv 2011“ mit einem Benutzerraum (75 m2), Diensträumen (100 m2), und Schauraum eingehalten? Bleibt die technisch- und persönlich notwendige Anzahl von Diensträumen erhalten? Von welcher Größenordnung ist künftig für den Lesesaal/Benutzerraum auszugehen, der als quasi „außerschulischer Lernort“ Gruppenarbeiten usw. ermöglichen muss?
  1. In welcher Form soll sich die angesprochene „Dokumentationsstelle Wirtschaftsgeschichte“ inhaltlich darstellen und wie soll diese räumlich verortet werden?
  1. Entsprechen die anvisierten Planungen den archivtechnischen Empfehlungen des Landschaftsverbandes, die zum Beispiel getrennte Funktionsbereiche für die technische Bearbeitung von Archivgut entsprechend der Norm für Bibliotheken und Archive einerseits und für die wissenschaftliche Betreuung andererseits verlangen?
  1. Wie wird in den Kommunen des Kreises Siegen-Wittgenstein jeweils die kommunale Pflichtaufgabe „Archiv“ erfüllt?
  1. Wird in den Kommunen das fachlich notwendige Raumprogramm u.a. mit geeigneten Archivflächen und Nutzerräumen vorgehalten und entsprechen diese Einrichtungen den archivfachlichen Vorgaben des NRW-Archivgesetzes?
  1. Gibt es im Kreis Siegen-Wittgenstein für Archivzwecke geschaffene Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. auch Archivverbünde)? Wenn ja, wo bestehen diese und für welche Selbstverwaltungskörperschaften sind diese zuständig? Sind ggf. solche Kooperationen zukünftig geplant? Wenn ja, für welche Bereiche?
  1. Sind Findbücher für die Kommunalarchive in Siegen-Wittgenstein bereits digitalisiert verfügbar und online einsehbar? Wie stellt sich die Situation in den einzelnen Kommunen dar?“

Quelle: CDU Kreistagsfraktion Siegen-Wittgenstein, 3.11.2017

s. a. Westfälische Rundschau, 6.11.2017

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